Die Helen-Keller-Schule gewinnt mit ihrem Projekt „Café Kaktus“ den dritten Platz beim WZ-Schulpreis.

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Mit ihrem „Café Kaktus“ hat die Helen-Keller-Schule den dritten Platz beim WZ-Schulpreis errungen. Zur Freude von Schulleiterin Hiltrud Abs (Mitte) profitieren davon in erster Linie die Schüler, darunter Mike, derzeit Küchenchef und Kassierer (l.), und Lukas (2.v.r.).

Mit ihrem „Café Kaktus“ hat die Helen-Keller-Schule den dritten Platz beim WZ-Schulpreis errungen. Zur Freude von Schulleiterin Hiltrud Abs (Mitte) profitieren davon in erster Linie die Schüler, darunter Mike, derzeit Küchenchef und Kassierer (l.), und Lukas (2.v.r.).

Simone Bahrmann

Mit ihrem „Café Kaktus“ hat die Helen-Keller-Schule den dritten Platz beim WZ-Schulpreis errungen. Zur Freude von Schulleiterin Hiltrud Abs (Mitte) profitieren davon in erster Linie die Schüler, darunter Mike, derzeit Küchenchef und Kassierer (l.), und Lukas (2.v.r.).

Ratingen. Schon in der Eingangstür weht dem Besucher ein verheißungsvoller Duft entgegen: Es riecht nach frisch gebackenen Waffeln. Immer der Nase nach findet man direkt zum Schülercafé Kaktus der Helen-Keller Förderschule. Das Café hat in diesem Jahr den dritten Preis im Schulwettbewerb der WZ belegt.

In der Helen-Keller-Schule werden Kinder und Jugendliche mit geistigen Beeinträchtigungen auf den Berufsalltag vorbereitet. „Sie lernen hier, mit Geld umzugehen, Mahlzeiten vorzubereiten, zu servieren, die Tische zu decken und in der Küche zu helfen“, erklärt Lehrerin Hiltrud Abs. Einer der Jugendlichen ist Mike. Der 17-Jährige macht heute den Zahlmeister. Das heißt, er nimmt das Geld für die Waffeln entgegen und gibt das Wechselgeld heraus.

In kleinen Schritten wird auf den Berufsalltag vorbereitet

Mike ist froh, hier helfen zu können. „Ich mache hier unterschiedliche Sachen. Ich helfe in der Küche und bereite alles vor. An der Kasse zu sein, das macht mir Spaß.“ Er erzählt auch von seinem Hobby: „Ich fahre gerne Bus. Ich bin schon bis Köln und Essen gefahren.“ Eine Leistung, die durchaus nicht selbstverständlich ist, wie Hiltrud Abs betont: „Sich zurecht zu finden, vor allem, auch wieder zurückzufinden – das fällt vielen unserer Schüler recht schwer.“

Bei der Orientierung zu helfen ist eine der Aufgaben, die in der Schule geübt werden. Das beginnt bei der Speisekarte im Café. Da nicht alle Schüler lesen können, ist die Karte visualisiert. Neben einer Tasse Kaffee sind die entsprechenden Geldstücke abgebildet. So versteht jeder auf den ersten Blick, was es im Café gibt und was es kostet.

Vom Preisgeld sollen weitere Hilfsmittel angeschafft werden

Manchmal reichen so einfache Hilfsmittel jedoch nicht aus. Lukas kann sich zum Beispiel schwer äußern. Er kann außer „Ja“ und „Nein“ kaum Worte artikulieren. Hier hilft ein Sprachcomputer, mit dessen Hilfe er sich mit der Umgebung verständigen kann. So wird es ihm sogar möglich, im Café zu helfen. Er demonstriert es. Auf Knopfdruck ertönt aus dem Computer: „Was möchtest Du trinken?“ Lukas merkt sich die Antwort und holt das gewünschte Getränk aus der Küche. Dann drückt er einen zweiten Knopf. „Bitteschön“, sagt der Computer. Solche Hilfmittel sind natürlich Gold wert – und teuer. Das Preisgeld (500 Euro) soll in solche Dinge investiert werden. „Ein neuer Sprachcomputer, oder auch ein sogenannter Power Link, mit dem schwerstbehinderte Menschen elektrische Geräte bedienen können, sollen angeschafft werden“, sagt Hiltrud Abs.

Die Förderschule ist eine sogenannte „bewegte Schule“ mit schwerpunktmäßigen Sportangebot. Die Schüler sind schon mehrfach erfolgreich bei den Special Olympics angetreten.

Hilfe wird immer benötigt, sei es im Café oder bei anderen Projekten. Eine besondere pädagogische Ausbildung ist hierbei nicht erforderlich. Wer helfen möchte, kann sich an die Schulleitung wenden. Tel.: 02102 - 9987 0 Ansprechpartner ist Herr Beckmann. Weitere Infos  gibt es im Internet.

Lukas hat mit Hilfe des Powerlinks an diesem Morgen geholfen, den Waffelteig anzurühren. Auch hier hilft das Café Kaktus bei der Bewältigung des Alltags. Mike hingegen freut sich: Nachdem er so erfolgreich im „Kaktus“ mitgeholfen hat, hofft er, demnächst einen Praktikumsplatz in einem Café außerhalb der Schule zu ergattern: Ein erster Schritt auf dem Weg in ein selbstbestimmtes Leben.

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