Für das Projekt der Lindenschule, bei dem Gymnasiasten Grundschulkinder mit Migrationshintergrundunterstützen, gab’s den WZ-Schulpreis.

Textaufgaben sind ganz schön kniffelig. Selin (9) übt hier mit Tobias (17).
Textaufgaben sind ganz schön kniffelig. Selin (9) übt hier mit Tobias (17).

Textaufgaben sind ganz schön kniffelig. Selin (9) übt hier mit Tobias (17).

Simone Bahrmann

Textaufgaben sind ganz schön kniffelig. Selin (9) übt hier mit Tobias (17).

Wülfrath. Sechs Ballons kosten 1,92 Euro. Wie viel kosten denn jetzt drei Packungen Luftballons? Selin rauft sich die Haare. „Hmm“, holt die Neunjährige tief Luft und schaut fragend zu ihrem Nachhilfelehrer. „So ungefähr sechs Euro?“ „Du schaffst das“, ermutigt Tobias (17 Jahre) seine Schülerin. Selin möchte in Mathe besser werden, „mitreden können“, wie sie es selbst formuliert.

Bei dem Projekt „Große helfen Kleinen“ unterstützen Zwölftklässler des Gymnasiums leistungsschwache Kinder mit Migrationshintergrund aus den dritten Schuljahren der Lindenschule. Dafür gab es einen ersten Platz beim WZ-Schulpreis, der zum dritten Mal in Kooperation mit ElectronicPartner ausgeschrieben wurde.

„Erster Platz? Klar hatten wir damit gerechnet“, sagt Lehrerin Ulrike Wagner, die das Projekt betreut, lachend und schränkt ein: „Sicher waren wir uns nicht – aber Hoffnung hatten wir!“ Seit zwei Jahren läuft die Zusammenarbeit bereits mit großem Erfolg. Lernbereite Kinder treffen in den Räumen des Gymnasiums auf hilfsbereite Jugendliche und bekommen die Möglichkeit, in einer Eins-zu-Eins-Betreuung ihrem „Angstfach“ zu begegnen.

Bei allen beteiligten Kindern gibt es Lernfortschritte zu verzeichnen

Ulrike Wagner kann als Mathematiklehrerin selbst die Erfolge beurteilen und sagt zudem: „Die beteiligten Klassenlehrer bestätigten, dass bei allen geförderten Kindern individuelle Lernfortschritte zu verzeichnen waren. Zum Teil sogar um eine Notenstufe.“ Erstmalig entschloss sie sich in diesem Jahr dazu, das Projekt ausschließlich für Kinder mit Migrationshintergrund anzubieten: „Es hat sich gezeigt, dass sich die Mathematikprobleme vor allem bei Migrantenkindern im dritten Schuljahr manifestieren.“ Dann werden beispielsweise Textaufgaben bearbeitet.

„Wenn man’s kann, dann macht sogar Mathe Spaß.“

Damla (8) und Selin (9)

Selin hat sich nach zwei Monaten Nachhilfeunterricht inzwischen verbessern können. „Ich möchte eine Eins bekommen. Ich hatte noch nie eine“ sagt die Neunjährige und stellt damit hohe Anforderungen an sich. Dass sie sich aber auch über kleine Erfolge freut, ist nicht zu übersehen: „Ich habe die Aufgabe richtig gerechnet. Ich bin jetzt gut im Plusrechnen“, ruft sie stolz. „Ich traue mich jetzt sogar, mich im Matheunterricht zu melden.“

Die Lindenschule Wülfrath kann sich über einen Gewinn von 1250 Euro freuen. In den kommenden Wochen möchte die Grundschule mit einer kleinen Feier allen Beteiligten für ihr Engagement danken.

Mit Hilfe eines Lerntagebuchs ist ihr „Lehrer“ Tobias in ständigem Kontakt mit Selins Lehrerin. „Probleme, Defizite, Fortschritte – da wird alles eingetragen und mit entsprechendem Übungsmaterial bearbeitet.“ Gymnasiallehrer Jürgen Thielen betreut seine Schüler und hilft ihnen bei organisatorischen Aufgaben: „Sie erhalten auch einen Vermerk auf ihrem Zeugnis. Das kann sich bei Bewerbungen positiv auswirken.“

Für Gülsen Bilgic (18) hat das Engagement noch andere Vorteile: „Ich möchte Lehrerin werden. Da ist das hier eine tolle Übung.“ Dass sie ihre Begeisterung für Mathematik vermitteln kann, ist nicht zu übersehen: Eifrig schreiben Damla (8) und Selin die Tafel voll. Den kniffeligen Textaufgaben nähern sie sich mit Freude. „Wenn man’s kann, dann macht sogar Mathe Spaß.“

Anzeige

 

Leserkommentare


() Registrierte Nutzer