Solingen wollte die Stadt Haan schlucken, Wuppertal die Gemeinde Gruiten. 10 000 Haaner und Gruitener demonstrierten.

Mit Plakaten gingen die Haaner und Gruitener auf die Straße, um ihre Eigenständigkeit zu behalten.
Mit Plakaten gingen die Haaner und Gruitener auf die Straße, um ihre Eigenständigkeit zu behalten.

Mit Plakaten gingen die Haaner und Gruitener auf die Straße, um ihre Eigenständigkeit zu behalten.

Stadtarchiv Haan

Mit Plakaten gingen die Haaner und Gruitener auf die Straße, um ihre Eigenständigkeit zu behalten.

Haan. Mehr Einigkeit hatte es zuvor in Haan und Gruiten nie gegeben. Vereint kämpften Rat und Verwaltung, Bürger – einzeln und in Gruppen –für ihre Selbstständigkeit. Am 25. Mai 1974 demonstrierten in Düsseldorf rund zehntausend Bürger beider heutigen Stadtteile gegen die Absicht der Landesregierung, im Zuge der Kommunalen Neugliederung Gruiten zu Wuppertal und Haan zu Solingen zu schlagen. Die perfekt vorbereitete Großdemonstration hinterließ großen Eindruck.

Pläne reichen bis in die 1960er Jahre zurück

Die Anfänge der kommunalen Neugliederung in NRW reichten zurück bis in die Mitte der 60er Jahre. Entwicklungen im Aachener Raum ließen schon früh den Haaner Stadtdirektor Heinz Goldenstedt ahnen, „dass da was auf uns zu kommt“. Der Gebietsentwicklungsplan 1966 wies Haan als Mittelstadt am Rand der Ballungszone aus, mit 33 000 Einwohnern. Die Haaner entwickelten Schritt für Schritt die Infrastruktur: 1966 eröffnete das neue Krankenhaus, 1967 das Gymnasium.

Im Juni 1970 wurde die Feuerwache in Dienst gestellt, der Bauhof zentralisiert. Die Pläne für das Haaner Hallenbad (eröffnet 1974) reiften, Turnhallen entstanden. Die Wohngebiete Nachbars- und Bollenberg wurden planerisch entwickelt.

Anfang 1971 gab es ein erstes Gespräch von Heinz Goldenstedt und dem Gruitener Amtsdirektor Gustav Kipp über die Landespläne: Beide wollten sich nicht damit abfinden, dass ihre Orte bald Anhängsel der Großstädte sein sollten. Einer ministeriellen Kommission wurde im Herbst bei einer Rundfahrt eindrucksvoll dargelegt, dass die Stadt Haan auch im Abstand zum Ballungskern ihre Aufgaben zur Daseinsvorsorge optimal erfüllen könne. Dass dabei ein wenig „getrickst“ wurde, erzählt der frühere FDP-Ratsherr Friedhelm Kohl: „Wir haben damals bei der Busfahrt Solingen über schmale Nebenstraßen angesteuert. Das war für den Fahrer ziemlich mühsam und erweckte den Eindruck, die Verkehrsverbindung von Haan in die Klingenstadt wäre nicht gut und spräche insofern gegen eine Eingemeindung nach Solingen.“ Die Haltung des damaligen Innenministers Willy Weyer gab Hoffnung: Der wollte Haan und Gruiten zusammen als selbstständige Gemeinde erhalten.

Anfang Mai 1974 verlautete, die Orte sollten Wuppertal bzw. Solingen zugeschlagen werden. Spontan bildete sich ein Initiativkreis, der den Kampf um die Eigenständigkeit aufnehmen wollte. Eine Unterschriften-Sammlung begann, Spruchtafeln wurden in der freigeräumten Feuerwehr-Halle gepinselt. Mit Flugblättern und per Lautsprecher-Wagen wurden Bürger aufgerufen, zur Demo zu kommen. Am 25. Mai strömten Tausende zum Neuen Markt, kletterten in Dutzende von Rheinbahn- und Reisebussen. Vom Vorplatz des Schauspielhauses aus zog die Invasion über die Kö zum Landtag.

Der damalige Haaner Landtagsabgeordnete Klaus-Dieter Völker (CDU) vermittelte einen Termin beim Landtagspräsidenten, dem 16 000 Unterschriften für die Selbstständigkeit übergeben wurden. Die dritte Lesung des Neugliederungsgesetzes am 10. Juli 1974 verfolgten viele Haaner, darunter auch die Verwaltungschefs, von der Tribüne des Plenarsaales aus. Als der Punkt Haan aufgerufen wurde, stimmten einige der mit – von Bäckermeister Rainer Schüren – gebackenen Hähnen ausgestatteten Parlamentarier das Lied „Haan bleibt Haan“ an.

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