40 Jahre nach der Gebietsreform ziehen ehemalige Lokalpolitiker von CDU und SPD eine Zwischenbilanz.

Neviges wurde vor 40 Jahren der Stadt Velbert zugeordnete, vorher war es eine selbstständige Kommune.
Neviges wurde vor 40 Jahren der Stadt Velbert zugeordnete, vorher war es eine selbstständige Kommune.

Neviges wurde vor 40 Jahren der Stadt Velbert zugeordnete, vorher war es eine selbstständige Kommune.

Simone Bahrmann

Neviges wurde vor 40 Jahren der Stadt Velbert zugeordnete, vorher war es eine selbstständige Kommune.

Velbert. Die Wunden der kommunalen Neuordnung, die vor genau 40 Jahren zum Zusammenschluss der bis dahin selbstständigen Städte Neviges, Langenberg und Velbert führte, sind noch immer nicht verheilt. Bis heute fremdeln die Ortsteile miteinander. Das Misstrauen ist allgegenwärtig.

„Es wird noch lange dauern, bis sich Velbert als eine Stadt betrachtet“, sagt auch der letzte Stadtdirektor von Langenberg, Walter Grevener. Mit 44 Jahren ist er 1975 zum Pensionär geworden, weil der Velberter Rat den sozialdemokratischen Verwaltungschef aus dem eingemeindeten Ortsteil nicht in den Dienst übernehmen wollte.

Doch nicht nur deswegen sieht Grevener den Zusammenschluss der drei Städte bis heute kritisch: „Wäre Langenberg heute noch selbstständig, wären hier mehr Arbeitsplätze erhalten geblieben und es wären wohl auch nicht so viele Einwohner verloren gegangen“, vermutet der Pensionär.

Eugen: Versprechen wurden bis heute nicht eingelöst

Ähnlich denkt der damalige Ratsherr und Parteivorsitzende der Nevigeser CDU, Peter Eugen: „Ich sehe bis heute keinen sachlichen Grund für die Eingemeindung von Neviges.“ Eugen kritisiert vor allem die nicht eingehaltenen Versprechen, mit denen damals für größere Städte argumentiert wurde: „Es sollte alles günstiger und besser werden, doch tatsächlich wurde alles teurer und die Nähe zum Bürger ging verloren.“

Den Verlust der kurzen Wege zwischen Politik, Stadtverwaltung und Bürgern beklagt auch Walter Grevener: „Je größer eine Stadt ist, desto weniger Menschen engagieren sich und sind an den Dingen interessiert.“ Übereinstimmend berichten Beide, dass es früher viel mehr politisch Aktive in den eingemeindeten Ortsteilen gab und das Verhältnis zwischen Stadtrat und Bürgern viel enger als heute gewesen sei.

Doch obwohl sich an diese Zeit inzwischen nur noch die über 50-Jährigen erinnern können, bestätigen beide Politiker, dass sich an den grundsätzlichen Vorbehalten gegen Velbert-Mitte auch nach 40 Jahren nicht viel geändert hat. „Die Nevigeser fühlen sich bis heute benachteiligt“, sagt Eugen und verweist als jüngstes Beispiel auf den Streit um die Zukunft der Realschule: „Da herrscht in Neviges eine andere Grundstimmung als in Velbert.“

Kaum anders schätzt Grevener die Situation im anderen Ortsteil ein. Mit Blick auf die seit Jahren verschleppte Sanierung des Bürgerhauses und die Schließung des Freibades bestehe im Ort Einmütigkeit: „Die Langenberger fühlen sich von den Velbertern schlecht behandelt.“

Ob sich daran eines Tages doch noch etwas ändern wird? Zumindest Egen ist sich da nicht sicher: „Wuppertal bereits ist in den 20er Jahren gebildet worden und bis heute nicht zu einer Stadt zusammengewachsen.“

Trotzdem glauben beide nicht daran, dass Neviges oder Langenberg eines Tages wieder selbstständig sein werden. Der Trend gehe, so Grevener mit Blick auf das Ruhrgebiet, schließlich eher zu noch größeren Einheiten. Und auch Egen bleibt Realist: „Man muss jetzt das Beste aus der Sache machen, darf dabei aber die Wurzeln der Gemeinde nicht vergessen.“

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