In Ratingen hat der Kampfmittelräumdienst begonnen, entlang der Bayer-CO-Pipeline nach Bomben, Granaten und Munition zu suchen.

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Mit einem Traktor zieht der Kampfmittelräumdienst auf einen Anhänger montierte Metalldetektoren über die Flächen in der Nähe der CO-Pipeline, hier am Rheinufer in Krefeld. (Archiv

Mit einem Traktor zieht der Kampfmittelräumdienst auf einen Anhänger montierte Metalldetektoren über die Flächen in der Nähe der CO-Pipeline, hier am Rheinufer in Krefeld. (Archiv

Andreas Bischof

Mit einem Traktor zieht der Kampfmittelräumdienst auf einen Anhänger montierte Metalldetektoren über die Flächen in der Nähe der CO-Pipeline, hier am Rheinufer in Krefeld. (Archiv

Ratingen. In Duisburg wurden schon ein Bombenblindgänger und "Bombenschrott" in der Nähe der von Bayer gebauten und heftig umstrittenen Kohlenmonoxid-Pipeline geborgen. In Krefeld hat der Kampfmittelräumdienst Anfang der Woche mit der Untersuchung von Verdachtsflächen begonnen. Jetzt wird auch in Ratingen nach explosiven Relikten aus dem Zweiten Weltkrieg gesucht. Damit hat die Untersuchung so genannter Verdachtsflächen im Kreis Mettmann begonnen.

Flakstellung in Eggerscheid und Laufgräben am Kreuz Ratingen-Ost

Eine Sprecherin des Kampfmittelräumdienstes erklärte am Mittwoch auf Nachfrage der WZ, dass es sich in Ratingen im Groben um zwei Gebiete handele: ehemalige Flakstellungen in Eggerscheid und Laufgräben in der Nähe des Autobahnkreuzes Ratingen-Ost.

"Wir haben alle Verdachtsflächen entlang der CO-Pipeline bestimmt", sagte Bezirksregierungssprecherin Stefanie Paul. Unter Verdachtsflächen werden ehemalige militärische Einrichtungen wie zum Beispiel Schützengräben oder auch stark bombardierte Objekte verstanden. Die systematische Untersuchung aller gefährdeten Gebiete im Umkreis der Pipeline ist eine zwingende Voraussetzung für die Inbetriebnahme der Leitung.

28 solcher Verdachtsflächen in der Nähe der CO-Pipeline hat die Bezirksregierung auf dem Gebiet des Kreises Mettmann durch Auswertungen von Luftaufnahmen ermittelt. "Die Flächen im Kreis Mettmann befinden sich in zehn unterschiedlichen Bereichen", erklärte Stefanie Paul.

Wo diese genau liegen, gibt die Bezirksregierung nicht preis, bevor die Untersuchungen durch den Kampfmitelräumdienst abgeschlossen sind. "Wir wollen da kein Risiko eingehen, dass Souvenirjäger auf eigene Faust suchen und womöglich verletzt werden", erklärte die Sprecherin Bezirksregierung. Nicht einmal die Ratinger Stadtverwaltung wusste gestern, wann und wo die Untersuchungen begonnen haben.

Mit Metalldetektoren wird das Gelände abgefahren

Die Alliierten haben im Zweiten Weltkrieg während und nach ihren Luftangriffen systematisch Luftaufnahmen gemacht, anhand derer sie ihre Erfolge feststellen wollten.

Nach dem Krieg haben die Alliierten die Luftbilder dem Kampfmittelräumdienst überlassen. Auf den bildern sind teilweise Blindgänger zu erkennen. Auf jeden Fall können aber Aussagen getätigt werden, wo es Bombardierungen, Geschützstellungen und Infanterieeinrichtung gab, wo teilweise Munition zurückgelassen wurde.

Der Bayer-Konzern baut die Pipeline aus Stahrohren für den Transport des gasförmigen Kohlenmonoxids (CO) zwischen den Werken Dormagen und Uerdingen.

Im Kreis Mettmann berührt die Pipeline die Städte Ratingen, Erkrath, Hilden, Langenfeld und Monheim.

In den betroffenen Städten haben sich Protest-Initiativen gebildet. Außerdem haben mehrere Privatpersonen, Städte und auch der Kreis Mettmann gegen das Vorhaben geklagt.

Angewandt werden in Ratingen wie schon in Duisburg und Krefeld Verfahren der Geomagnetik, Elektromagnetik und Georadar. Einfacher ausgedrückt: Mit Metall-Sensoren wird das Gelände nach möglichen Bombenblindgängern, Granaten und sonstiger Munition abgesucht.

Auch am Donnerstag soll die Suche in Ratingen fortgesetzt werden. Welche Flächen als nächste angegangen werden, sei unter anderem von der Witterung abhängig, hieß es aus der Bezirksregierung. "Unsere grobe Vorgehensrichtung geht von Nord nach Süd", erklärte der Kampfmittelräumdienst. Und Stefanie Paul von der Bezirksregierung betonte: "Auf alle Fälle werden wir ohne Ausnahme alle Flächen untersuchen."

Gegen die Inbetriebnahme der Kohlenmonoxid-Pipeline hat sich jetzt auch der Verband Wohneigentum Rheinland, der ehemalige Deutsche Siedlerbund, ausgesprochen. Die Gefahrenabwendung werde vom Bayer-Konzern auf die Kommunen verschoben. "Schäden durch äußere Einwirkungen auf die Leitung sind selbst bei einer ohne Baumängel verlegten Leitung nie auszuschließen", erklärte der Verband in einem Schreiben an den Umweltausschuss des Landtages.

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