WZ-Serie Museen im Kreis Mettmann: Wer diese Frage beantwortet haben will, ist im Museum Haus Bürgel an der richtigen Stelle.

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Im Römischen Museum Haus Bürgel in Monheim wird die Geschichte der Römer am Rhein lebendig. Im alten Kastell finden im Sommer regelmäßig Römerlager statt. Archiv

Im Römischen Museum Haus Bürgel in Monheim wird die Geschichte der Römer am Rhein lebendig. Im alten Kastell finden im Sommer regelmäßig Römerlager statt. Archiv

Stefan Fries

Im Römischen Museum Haus Bürgel in Monheim wird die Geschichte der Römer am Rhein lebendig. Im alten Kastell finden im Sommer regelmäßig Römerlager statt. Archiv

Monheim. Der wohl unbestritten stärkste Römer-Schreck flicht sein Haar zu Zöpfen, arbeitet in einem "kleinen gallischen Dorf" als Lieferant für Hinkelsteine und verschlingt im Gasthaus gleich eine Herde von Windschweinen. Wobei: Er ist nach eigenem Emfinden dabei nicht dick. Dennoch trägt er auf seiner Hose als optische Schlankmacher blau-weiße Längsstreifen.

"Die spinnen, die Römer!", ist für Obelix zur Lebensweisheit geworden, nachdem er bei handfesten Raufereien, bei denen statt Fetzen die Römerhelme flogen, des öfteren die Faust gegen die aufmüpfigen Römer hob.

Wer weiß, ob das unbesiegbare Comic-Gespann Asterix und Obelix jemals seinem Dorf in der Bretagne den Rücken kehrte und sich auf die Reise ins Römische Reich zum Fleckchen Erde namens Monheim machte. Ohne geschichtlichen Wahrheitsgehalt stellt sich die Frage: Hatte Obelix mit seiner Römerschelte Recht? Das muss jeder für sich selbst beantworten - eine Hilfe bei der Meinungsfindung kann ein Museumsbesuch sein.

Wie das tägliche Leben der Legionäre in der römischen Provinz Monheim am Rhein aussah, erfahren Interessierte bei Führungen im Römischen Museum Haus Bürgel, wenn sie mit "Salvete omnes" begrüßt werden.

Was römische Soldaten im Auftrag des Kaisers Konstantin I. im vierten Jahrhundert als Militärkastell mit zwölf Wehrtürmen zum Schutz der Rheingrenze gegen die Germanen in der Auenlandschaft der Urdenbacher Kämpe erbaut haben, diente im Mittelalter als Königsgut, später als Herrensitz und heute als Gestüt und Römisches Museum.

Und so bleibt das Privatleben der römischen Soldaten nicht geheim: Weil der römische Soldat die Heirat verschmähte wie der Teufel das Weihwasser, zu schlussfolgern, er sei ein bindungsunfähiger Weiberheld gewesen, ist zu kurz gegriffen. Denn: Er unterlag in der frühen Kaiserzeit schlichtweg einem Heiratsverbot, damit er kurz vor der Versetzung keine emotionale Bindung zu einer Geliebten in der Ferne aufbaute. Das war Weisung von ganz oben. Trotzdem gab es Liebeleien im Kastell. Woher die Wissenschaftler das wissen? Ein kleines Accessoire hat es verraten: eine Haarnadel, die sie bei Ausgrabungen aufspürt haben.

Funde beweisen, dass bis zu 150 Soldaten mit ihren Familien auf Bürgel lebten. Aber: Dabei handelte es sich tatsächlich oft gar nicht um "echte" Römer, sondern befreundete Germanen, die als Söldner im Dienst des Römischen Reiches standen. Spinnen nun statt der Römer die Germanen? Pardon, die germanischen Römer?

Fisch stand selten auf dem Tisch - obwohl der Rhein doch so nah lag

Germanisch war jedenfalls auch der Speiseplan. Darauf stand etwa das Getreide Hirse - ein kulinarischer Affront gegen die Römer aus Italien. Vielleicht widmeten sie sich gerade deshalb der Zucht von Kühen, Enten und Wildschweinen. Auf die Jagd gingen die Soldaten nur gelegentlich. Verwunderlich: Die Römer aßen wohl nur selten Fisch, obwohl das Rheinufer zum Angeln so nah lag. Auf Kulinarisches aus dem Ausland mussten die Gaumen der Legionäre nicht verzichten, denn ein ausgefeiltes Im- und Export-Geschäft versorgte sie: Wein aus Palästina, Öl aus Spanien, Keramik aus der Eifel - was die Grabbeilagen später bewiesen haben.

Was den technischen Fortschritt angeht, waren die Römer Baumeister ihrer Zeit. So gab es im Kastell ein Bad mit Fußbodenheizung (Hypokauste), Warmwasser- (Caldarium) und Kaltwasserbecken (Frigidarium).

Draußen im Garten des Kastells empfindet ein gepflasterter Pfad den Grundriss der Kastell-Anlage nach. Das Ausmaß spricht für sich: Auf 64 mal 64 Metern hinter Mauern mit einer Stärke von bis zu 2,30 Metern führten die Legionäre in einer Enklave ihr tägliches Leben. Immer als Feinde in der Nähe: die Germanen.

Wenigstens in einer Sache nähern sich die Römer und Obelix an: Weil sie in Monheim mit schlechterem Wetter als in Rom zu kämpfen hatten, übernahmen die Römer schon im ersten Jahrhundert eine Tradition der Germanen, die sie zuvor verpönt hatten: Die römischen Soldaten trugen Hosen - ob mit oder ohne Längsstreifen, ist leider nicht überliefert.

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