Beratung: Häufig geraten Menschen in einen finanziellen Engpass. Wer Verbindlichkeiten nicht mehr zahlen kann, beantragt Insolvenz.

Wenn sich die Schulden anhäufen, bleibt die Privatinsolvenz ein Ausweg. Die Beratungsstellen können dabei helfen.
Wenn sich die Schulden anhäufen, bleibt die Privatinsolvenz ein Ausweg. Die Beratungsstellen können dabei helfen.

Wenn sich die Schulden anhäufen, bleibt die Privatinsolvenz ein Ausweg. Die Beratungsstellen können dabei helfen.

dpa

Wenn sich die Schulden anhäufen, bleibt die Privatinsolvenz ein Ausweg. Die Beratungsstellen können dabei helfen.

Kreis Mettmann. "Ich bin mittlerweile sehr erleichtert, weil nun die Zukunft für mich klarer ist. Die Folgen sind absehbarer und ich muss nicht mehr täglich mit der Angst leben, dass ein Gerichtsvollzieher vor der Tür steht", sagt JuliaR. mit fester Stimme. Denn seitdem der Antrag auf Verbraucherinsolvenz vor kurzem beim Wuppertaler Amtsgericht eingegangen ist, sieht die mit rund 130000 Euro verschuldete Krankenschwester aus Velbert wieder Licht am Ende des Tunnels,

"Natürlich mache ich mir noch Gedanken, wenn mein Konto für kurze Zeit gesperrt wird, damit der Insolvenzverwalter sich einen Überblick über meine Finanzen verschaffen kann, aber jetzt tut sich endlich etwas", sagt sie.

Teure Eigentumswohnung über Bankenkredite finanziert

Das war lange Zeit nicht so. Im Jahr 2005 trennte sich Julia R. von ihrem Mann, der sie und ihre beiden Kinder (8 und 12 Jahre) als Arbeitsloser nicht mehr unterstützen konnte. Das Problem war aber, dass sich das Ehepaar kurz vorher noch eine teure Eigentumswohnung über Bankenkredite finanziert hatte. "Mit damals zwei Einkommen konnten wir die Kredite abbezahlen. Dann ging nichts mehr und so wuchsen die Schulden an", sagt die 35-Jährige, die nur noch nachts arbeiten konnte, um tagsüber für ihre Kinder da zu sein.

Sie machte sich schnell auf die Suche nach einem Käufer für die Wohnung - und wurde sogar fündig. Allerdings stimmte die Bank der gebotenen Summe nicht zu. "Sonst hätte ich heute nur ein Viertel der aktuellen Schulden", sagt R., die daraufhin bis Ende 2008 warten musste, bis die Wohnung endlich verkauft werden konnte. "So lange konnte ich der Schuldnerberatung keine genauen Zahlen nennen und nichts tun, weil der Endwert der Wohnung nicht feststand", erinnert sie sich.

Die Schulden wuchsen derweil immer weiter. Immer häufiger wurden die Besuche von Gerichtsvollziehern und immer öfter kamen Mahnbriefe. "Erst als ich sagte, dass ich plane, Verbraucherinsolvenz anzumelden, wurden Bank und Finanzamt ruhiger", sagt die Krankenschwester, die aufgrund der bis zu acht Monate langen Wartezeit, erst im April einen Termin bei der Schuldner- und Insolvenzberatung der Diakonie des Kirchenkreises Niederberg bekam.

Nach sechs Jahren ist Julia R. dann komplett schuldenfrei

Sie ist seit 1999 in Kraft und bietet verschuldeten Privatleuten, die kein Gewerbe angemeldet haben, die Möglichkeit, innerhalb von sechs Jahren von ihren Schulden befreit zu werden. Wenn außergerichtliche Lösungen nicht möglich sind, wird vom Gericht ein Insolvenzverwalter bestimmt, der die Vermögenswerte kontrolliert und entsprechend jährlich unter den Gläubigern verteilt. Dem berufstätigen Schuldner steht in der Regel monatlich ein Betrag von 990 Euro zu, der pro Kind um 350 Euro erweitert wird. Alle weiteren Einnahmen muss der Schuldner an die Gläubiger abtreten. Nebenverdienste, Umzüge und weitere Veränderungen müssen dem Insolvenzverwalter gemeldet werden. Kommt der Schuldner sechs Jahre lang diesen Vorgaben nach, erhält er anschließend Restschuldenerlass.

Nachdem alle Vermögenswerte der Velberterin überprüft wurden und festgestellt wurde, dass sich wegen der großen Schuldenlast eine Verbraucherinsolvenz lohnt, wurde der Antrag eingereicht.

Jetzt heißt es für Julia R. warten und sich die sechs Jahre der "Wohlverhaltensperiode" an die Insolvenz-Richtlinien zu halten. Danach ist sie wieder komplett schuldenfrei. "Das funktioniert in 98 Prozent der von uns bearbeiteten Fälle. Und das waren allein in Velbert in den vergangenen zehn Jahren 1634 mit einer durchschnittlichen Verschuldung von 37500 Euro", sagt Jürgen Sevecke von der Diakonie.

Aus allen Personen, die ihre Verbindlichkeiten nicht mehr begleichen können, errechnet sich die so genannte Schuldnerquote. Im Kreis Mettmann beträgt die Quote 10,37 Prozent. Zum Vergleich: In Düsseldorf beträgt sie 13,85 Prozent, im Rhein-Kreis-Neuss liegt sie bei 10,36 Prozent und der zusammengefasste Wirtschaftsraum NRW hat eine Schuldnerquote von 11,6 Prozent.

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