Innerhalb von 48 Stunden wird im Keller des Gebäudes Erfurter Straße zweimal vorsätzlich Feuer gelegt. Die Bewohner sind geschockt.

Nach dem Brand in der Nacht zu Samstag musste die Feuerwehr am frühen Montagmorgen erneut zu einem Großeinsatz ausrücken.
Nach dem Brand in der Nacht zu Samstag musste die Feuerwehr am frühen Montagmorgen erneut zu einem Großeinsatz ausrücken.

Nach dem Brand in der Nacht zu Samstag musste die Feuerwehr am frühen Montagmorgen erneut zu einem Großeinsatz ausrücken.

Die Polizei sperrte für ihre Ermittlungen den Keller ab. Die Untersuchungen ergaben klare Hinweise auf Brandstiftung.

Blick in den von Ruß geschwärzten Kellerraum. Die Täter hatten dort abgestellten Sperrmüll in Brand gesteckt.

Polizei Mettmann, Bild 1 von 3

Nach dem Brand in der Nacht zu Samstag musste die Feuerwehr am frühen Montagmorgen erneut zu einem Großeinsatz ausrücken.

Ratingen. Die Bewohner des Hochhauses Erfurter Straße 19 in Ratingen West kommen nicht zur Ruhe: Nachdem dort in der Nacht zu Samstag wegen eines Kellerbrandes – in einem Flur standen abgestellte Polstermöbel in Flammen – 109 Menschen von der Feuerwehr evakuiert werden mussten und 21 durch Rauchgase verletzt wurden, hat es in der Nacht zu gestern erneut in dem achtstöckigen Gebäude gebrannt. Diesmal wurde nach Angaben der Polizei in einem anderen Kellerbereich Sperrmüll angezündet.

Feuerwehr holt Mieter mit Drehleiter vom Balkon

18 Menschen erlitten eine Rauchgasvergiftung, sieben von ihnen mussten zur Behandlung in umliegende Krankenhäuser gebracht werden. Insgesamt wurden 54 Bewohner evakuiert. Die Feuerwehr rettete sie mit Fluchthauben durch den Hausflur und mit Drehleitern von den Balkonen – wie beim ersten Einsatz.

Vorübergehend wurden die Menschen in der benachbarten Astrid-Lindgren-Grundschule untergebracht und von Notärzten untersucht. Die meisten konnten im Laufe der Nacht wieder in ihre Wohnungen zurückkehren. Manche sind bei Verwandten untergekommen, wie eine Lehrerin der ebenfalls benachbarten Gesamtschule am Montagmorgen berichtete.

Dass bei dem zweiten Einsatz überhaupt so viele Bewohner wieder in ihren Wohnungen waren, wunderte auch die Feuerwehr. Schließlich war das Hochhaus nach dem Brand am Samstag komplett vom Stromnetz getrennt worden, nachdem das Feuer die elektrischen Anlagen im Keller zerstört hatte.

„Das war ein Mordversuch, ganz klarer Mordversuch.“

Ein Mieter des Hochhauses Erfurter Straße 19

„Ich gehe jetzt zur Polizei und erstatte Strafanzeige“, sagte eine Bewohnerin (82) noch sichtlich aufgeregt. Sie wohne seit 40 Jahren in dem Haus, noch nie sei etwas passiert. „Die ganze Wohnung stinkt nach Rauch, das ist furchtbar.“

Als besonders schwere Brandstiftung gilt, wer dabei eine schwere Gesundheitsschädigung eines anderen Menschen verursacht. Das Gesetz sieht dabei eine Freiheitsstrafe von mindestens zwei Jahren vor.

Sie war nach dem ersten Brand in ihre Wohnung in der fünften Etage zurückgekehrt. „Die Heizung funktioniert ja, es gibt nur keinen Strom.“ Also habe sie sich mit Kerzen beholfen. Als die Rauchmelder in der Nacht zu Montag erneut Alarm gaben, sei sie barfuß nach unten gerannt. Erst draußen habe sie sich die Schuhe angezogen.

„Das ist ein Mordversuch, ganz klarer Mordversuch“, regt sich ein anderer Mieter auf. Sein 13-jähriger Sohn liege noch mit Rauchvergiftung im Krankenhaus. Er wurde am Samstag mit der Drehleiter aus dem sechsten Stock gerettet. Der Mittvierziger, der seinen Namen ebenfalls nicht nennen wollte, war auf dem Weg zu Nachbarn, um in einer großen Thermoskanne heißes Wasser holen.

Rauch wird durch Lüftungsleitung im ganzen Gebäude verteilt

Dass sich der Brandrauch so schnell im Haus ausbreiten konnte, sei auch baulich bedingt, erklärte Feuerwehrchef René Schubert. Neben dem Aufzugschacht durchzieht eine Lüftungsleitung (für die innenliegenden Badezimmer) das ganze Haus. Ein Bewohner habe geschildert, dass der Qualm bei ihm aus dieser Lüftung gekommen sei.

Die Polizei geht in beiden Fällen von Brandstiftung aus. Die Ermittler haben beide Brandorte im Keller beschlagnahmt und untersucht. Zudem wurden Zeugen vernommen. Die Polizei schätzt den Schaden auf mindestens 80 000 Euro.

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