Handwerk und Handel blicken optimistisch ins neue Jahr. Die Stimmung der Gesamtwirtschaft ist dagegen eher von Sorgen getrübt.

Handwerk und Handel blicken optimistisch ins neue Jahr. Die Auftragsbücher sind noch voll.  Symbol
Handwerk und Handel blicken optimistisch ins neue Jahr. Die Auftragsbücher sind noch voll. Symbol

Handwerk und Handel blicken optimistisch ins neue Jahr. Die Auftragsbücher sind noch voll. Symbol

Kahnert/dpa

Handwerk und Handel blicken optimistisch ins neue Jahr. Die Auftragsbücher sind noch voll. Symbol

Ratingen. Wenn es um die Einschätzung von Elektronikbedarf der Kunden geht, liegt Dirk Wittmer meist goldrichtig. Auch 2016 trafen die Voraussagen weitestgehend zu: Küchengeräte mit Kochfunktion, Smoothie-Maker und Kaffeevollautomaten liefen gut und Akkusauger, insbesondere die sogenannten „Handsticks“, verzeichneten Zuwächse um 370 Prozent.

Auch Elektronikspielzeuge wie Drohnen oder Waveboards erfüllten die Erwartungen. „Überrascht wurden wir hingegen von der Nachfrage nach Dyson-Haartrocknern“, sagt der Geschäftsführer von Johann + Wittmer in Ratingen. „Die trocknen mit Zentrifugalkraft und haben den Motor im Griff integriert, wodurch sie anders in der Hand liegen als herkömmliche Modelle. Die waren in der Zeit vor Weihnachten bereits zweimal ausverkauft.“

Auch mit der „Wurster“-Nachfrage hatten die Händler nicht gerechnet: Bei den Geräten wird die Wurst oben eingelegt und kommt gegrillt unten heraus. Auch in diesem Jahr werden derartige Küchengeräte im Einzelhandel eine Rolle spielen. „Dazu kommen dann noch Einbaugeräte für Küchen. Hier ergibt sich rund zehn Jahre nach dem Küchenboom Austauschbedarf.“

Das gelte auch für Alternativen zur Dunstabzugshaube. Inzwischen gebe es Techniken, bei denen der Abzug seitlich in die Ceranfelder integriert ist. Ein neuer Trend sind Fleischwölfe. „Die Leute kaufen sich wertigeres Fleisch und verarbeiten es selbst, beispielsweise für Burger.“

Ungebrochen bleibt der Trend bei Smartphones und Tablets, die immer mehr können und vor allem mehr Speicher benötigen. Sie dienen längst nicht mehr nur zur Kommunikation, sondern übernehmen immer mehr Steuerungsfunktionen, beispielsweise für Haushaltsgeräte oder die Heizung.

„Offenbar investieren die Menschen ihr Geld lieber in neue Wohnungen als es den Finanzinstituten zu überlassen.“

Isabell Fechner, Geschäftsführerin Lichtwerbung Fechner-Müller

Auch auf dem Fernsehmarkt erwartet Wittmer ein leichtes Wachstum. Dazu trägt der Wunsch nach immer größeren Formaten bei, aber auch die DVB-T-Abschaltung im März.

Das Handwerk blickt sehr zuversichtlich auf das nächste Jahr. „In nahezu allen Betrieben strecken sich die Aufträge bis in den Januar und Februar hinein, das ist eigentlich nicht üblich“, sagt Isabell Fechner, Sprecherin des Arbeitskreises Handwerk im Stadtmarketing Heiligenhaus und Geschäftsführerin von Neon-Lichtwerbung Fechner-Müller. „Offenbar investieren die Menschen ihr Geld lieber in neue Wohnungen und Sanierungen, als es zinslos auf den Finanzinstituten zu belassen.“ Auch im eigenen Betrieb spürt sie seit geraumer Zeit den Aufschwung und hat sich deshalb zum Jahresende mit dem Umzug in die ehemaligen KIMA-Hallen an der Hauptstraße 70 vergrößert. „Das große Problem im Handwerk ist allerdings, geeignetes Fachpersonal zu finden. Fast alle Betriebe könnten einstellen, um die Auftragslage zu bewältigen.“

Der diesjährige Kreisvorsitzende der Wirtschaftsjunioren Niederberg, Francesco Calio, blickt mit leichter Skepsis auf die kommenden Monate. „Die Landtagswahlen im Mai und Bundestagswahlen im August werden sich auf jeden Fall wirtschaftspolitisch auswirken“, sagt der Geschäftsführer des EDV-Systemhauses Rodiac in Velbert. „Nur zu prognostizieren, in welche Richtung es geht, wäre Kaffeesatzleserei. Das können wir nur abwarten und als Wirtschaftstreibende dann damit umgehen lernen.“ Für die Unternehmen der Region sieht er die zunehmende Digitalisierung sämtlicher Prozesse als Herausforderung. „Schon jetzt besteht ein hoher Beratungsbedarf, der sich durch alle Branchen zieht.“

Weiterhin werde viele Unternehmen der drohende Fachkräftemangel und nicht besetzte Ausbildungsplätze belasten. „In Teilen ist bereits kaum noch Fachpersonal zu finden. Auch darum gehen wir als Wirtschaftsjunioren mit unserem Berufsorientierungsprogramm gezielt in Schulen mit mittlerem Bildungsabschluss. Hier müssen die Unternehmen entgegen dem allgemeinen Trend, unbedingt zu studieren, junge Menschen für ihre Branchen und Berufsbilder interessieren.“

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