Immer mehr Flugzeuge landen nach 23 Uhr. Für den Verein „Ratinger gegen Fluglärm“ ist das Maß längst voll.

Ein Flugzeug im Landeanflug in der Nacht über Tiefenbroich – dies ist keine Seltenheit.
Ein Flugzeug im Landeanflug in der Nacht über Tiefenbroich – dies ist keine Seltenheit.

Ein Flugzeug im Landeanflug in der Nacht über Tiefenbroich – dies ist keine Seltenheit.

Achim Blazy

Ein Flugzeug im Landeanflug in der Nacht über Tiefenbroich – dies ist keine Seltenheit.

Ratingen. In den Anrainerstädten des Düsseldorfer Flughafens herrscht große Verunsicherung. Und dies hat vor allem mit einer internen Statistik zu tun, die in der vergangenen Woche an die Öffentlichkeit kam. So tauchten von Anfang Juli bis Ende September 780 Jets auf, die zwischen 23 und null Uhr landeten oder zwischen fünf und sechs Uhr ankamen. Zum Vergleich: 2015 gab es im dritten Quartal nur 632 zu späte Landungen, 2014 waren es 491. Der Flughafen reagierte prompt und betonte unterdessen, dass „diese Zahlen uns nicht zufrieden stimmen können“.

Doch im Umfeld des Airports wächst die Sorge, dass eine gesicherte und verlässliche Nachtruhe gar nicht mehr garantiert werden kann.

Am nächsten Morgen müssen die Jets wieder zur Verfügung stehen

Ulrich Neck, der Vorsitzende des Vereins „Ratinger gegen Fluglärm“, geht noch einen Schritt weiter. Er betont, dass eine Anhebung des Stundeneckwertes beim Parallelbahnbetrieb von 45 auf 60 Flugbewegungen pro Stunde bei voller Ausnutzung dieser Zahl das Verspätungsproblem deutlich verschärfen wird.

Die Realität im Flugbetrieb sehe so aus: Im Laufe des Tages bauen sich ab sechs Uhr morgens bei den Umläufen der Maschinen Verspätungen auf, die zum Tagesende hin in der Regel zunehmen und nach 22 Uhr bei Starts und nach 23 Uhr bei Landungen (also in den Nachtstunden) kompensiert werden müssen. Grund: Am nächsten Morgen müssen die Jets für die geplanten Umläufe wieder zur Verfügung stehen. Das Problem: Kleinste Verzögerungen im Betrieb lassen sich laut Neck wegen fehlender zeitlicher Puffer im Plan nicht ausgleichen und summieren sich bis zum Tagesende. „Sehr zum Leidwesen der Ratinger“, wie Neck, der in der Fluglärm-Kommission sitzt, nachdrücklich betont.

Der Flughafen wiederum hofft, mit der beantragten neuen Betriebsgenehmigung nicht nur deutlich höhere Kapazitäten in Spitzenzeiten zu erreichen, sondern auch eine höhere Flexibilität beim Nutzen der Landebahnen, um auf Streiks oder Frost besser reagieren zu können. Die Kritiker sehen das allerdings ganz anders. Werner Kindsmüller, Necks Kollege vom Verein „Kaarster gegen Fluglärm“, betont: „Wenn mehr Maschinen starten und landen, ist absehbar, dass es auch mehr Nachtlandungen geben wird.“

Das NRW-Verkehrsministerium erklärt, dass die Bezirksregierung die Ursache der vielen späten Landungen prüfen werde. Das haben Neck und seine Mitstreiter zur Kenntnis genommen. Für sie ist aber klar: Mehr Flugbewegungen sind bei den gegebenen Verhältnissen am Flughafen nicht vertretbar, die Regelungen zum Nachtflugverkehr müssen deutlich strenger gefasst werden. Neck unterstreicht denn auch: „Wir brauchen eine feste und verlässliche Nachtruhe für die Ratinger Bürger.“

Und er fügt an: „Es hat den Anschein, dass bei der Planung des Antrags zur Kapazitätserweiterung Wunschdenken vorherrschte und der Realitätsbezug gefehlt hat.“ Der Airport hat übrigens in diesem Jahr mit 23 Millionen Passagieren einen weiteren Rekord vermeldet.

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