Die Stadtbibliothek hat ihren Bestand durchgeschaut und aussortiert. Das spielt den Besuchern des Büchertrödels in die Karten.

Die Stadtbibliothek hat ihren Bestand durchgeschaut und aussortiert. Das spielt den Besuchern des Büchertrödels in die Karten.
Regelmäßig prüfen die Mitarbeiter der Stadtbücherei die Bücher auf Aktualität und Zustand. Archiv

Regelmäßig prüfen die Mitarbeiter der Stadtbücherei die Bücher auf Aktualität und Zustand. Archiv

Achim Blazy

Regelmäßig prüfen die Mitarbeiter der Stadtbücherei die Bücher auf Aktualität und Zustand. Archiv

Ratingen. „Was nicht bezahlt wird, schreib ich an!“ scherzt Dr. Erika Münster und drückt dem Herrn mit Fahrradkorb und Gemüsetüte einen Stapel Bücher in die Hand. „Die hatte er vor seinem Einkauf zurückgelegt“, erzählt die Leiterin der Stadtbibliothek, die draußen neben der Kasse sitzt, „Wir haben zum dritten Mal einen Außenstand mit Kinder- und Hörbüchern. Das macht es besonders leicht, mal eben im Vorbeigehen etwas mitzunehmen. Außerdem komme ich gerne ins Gespräch mit den Leuten. “

Die Veranstaltung ist mehr als ein Geheimtipp

Der Büchertrödel findet ein- bis zweimal im Jahr statt und hat sich rumgesprochen: Männer und Frauen verschiedensten Alters wuseln, mit Fahrrad, Kinderwagen oder Einkaufstaschen durch die Regale, wo es Bücher von Alicante bis Zen gibt. Marlies Schieferstein möchte eine langjährige Freundin mit einem Hörbuch überraschen, „Sie wohnt weiter weg und ich freue mich, ihr für wenig Geld eine große Freude machen zu können.“ Bei einem Preis von ein bis zwei Euro pro Buch hat auch die zehnjährige Eleni Melikidou zugegriffen „Ich lese am liebsten Abenteuerbücher. Mir gefallen die vielen Details und dass man sich alles vorstellen kann.“

Der Erlös aus dem Bücherverkauf wird zum Erwerb neuer Bücher genutzt, so Münster. „Die Bibliothekare prüfen ständig Aktualität, Zustand und Ausleihzahlen der Bücher.“ Indes sucht Müzgan Çelik nach Kinderbüchern für ihren Sohn, der in die erste Klasse geht „Eine große Schrift und eine lehrreiche Geschichte sind mir besonders wichtig.“ Wenn sie selber liest, dann nur im echten Buch. „Es riecht, man kann es durchblättern und ich mache gerne Notizen neben den Text.“

Ein paar Meter weiter drinnen gibt es Sachbücher, Romane und eine Kaffeeecke. Dort sitzt Christa Matt (75) mit ihrer Freundin. „Ich bin Vorlesepatin und der Büchertrödel ist eine günstige Fundgrube für mich. Außerdem treffen wir uns hier regelmäßig, um uns zu unterhalten und Bücher auszutauschen.“ Ein Buch sei wie geschaffen zur Sprachförderung. „Kinder lieben es, beim Lesen ihre Kommentare und Ideen einfließen zu lassen. Oft erinnert sie etwas in der Geschichte an ein eigenes Erlebnis. Dann halten wir inne und sprechen darüber.“

Auch Erwachsene lassen sich von Büchern begeistern. Ein Herr sucht nach einer Tasche für die vielen Bücher und verrät „Zum Einschlafen lese ich gerne Krimis und Geschichtsbücher über Ritterorden.“ Joanna Fritsche, die im 4. Monat schwanger ist, sucht nach einem Geburtsvorbereitungsbuch und freut sich: „Nun habe ich auch noch Buch für meinen Französisch-Kurs gefunden.“

Überhaupt findet man hier mehr, als man sucht, wie Helmut Brass sagt. „Es macht Spaß zufällig etwas zu entdecken an das man nicht gedacht hat.“ Er verlässt strahlend den Büchertrödel mit einem Reiseführer unterm Arm „Amsterdam steht schon lange auf meiner Wunschliste und nun bin ich diesem Traum ein Stückchen näher gekommen.“

Der Büchertrödel besticht mit seinem breitgefächerten Angebot und hat auch die Literaturwissenschaftlerin Ute Hasenbeck restlos überzeugt „Ich suche gezielt nach bestimmten Eckdaten und die finde ich hier.“

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