Das Natur- und Indianercamp verlässt nach acht Jahren Ratingen und zieht in die Eifel.

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Besonders beliebt waren die Ferienaktionen und Kindergeburtstage im Indianercamp.

Besonders beliebt waren die Ferienaktionen und Kindergeburtstage im Indianercamp.

Archiv Pierre-Claude Hohn

Besonders beliebt waren die Ferienaktionen und Kindergeburtstage im Indianercamp.

Ratingen. In und mit der Natur das einfache Leben entdecken, die Hektik des Alltags vergessen, schlafen in originalen Indianertipis, kochen über dem Lagerfeuer, Holz sammeln, Feuer machen ohne Feuerzeug, Traumfänger basteln, Bogen schießen, aber auch sich selbst besser kennenlernen, entspannen und Zeit füreinander haben: Im Natur- und Indianercamp am Blauen See haben sich in den vergangenen acht Jahren Hunderte Kinder und Erwachsene auf eine Reise in eine andere Welt begeben. Wohlstandsverwöhnte Kinder haben eine Woche lang das Leben in der Natur ohne Strom und fließend Wasser kennengelernt, Erwachsene saßen gedankenverloren am prasselnden Lagerfeuer und lauschten Geschichten. Firmen schickten ihre Mitarbeiter für ein Wochenende in den Wald, um ihre bislang verborgenen Kräfte und Fähigkeiten zu entdecken.

Am Blauen See dürfen keine festen Bauten errichtet werden

Mit dieser Attraktion, die Besucher und Teilnehmer aus der ganzen Region zum Blauen See gelockt hat, ist es jetzt aber vorbei: Das Indianercamp „Citiescape“ baut die Tipis ab und verlässt Ratingen. „Es ist ein wohlüberlegter, aber gleichzeitig auch schmerzhafter Schritt, aus Ratingen fortzugehen“, sagt Organisatorin und Leiterin Marleen Item (41). Sie wird die Zelte in der Schnee-Eifel in der Nähe von Prüm wieder aufschlagen. Dort bieten sich ihr andere Möglichkeiten, ihr Konzept zu verwirklichen. Auf dem gepachteten Areal am Blauen See durfte sie aus Naturschutzgründen keine festen Bauten errichten. In der Eifel will sie Blockhütten, eine Gemeinschaftsküche, sanitäre Anlagen und einen Seminartraum errichten, um sich verstärkt der Arbeit mit Erwachsenen zu widmen. „Dazu kommt, dass für eine solche Investition in Ratingen die Planungssicherheit nicht gegeben ist“, nennt sie einen weiteren Grund.

Wegen Sturmwarnung wurden Dutzende Veranstaltungen abgesagt

Ein weiterer Nachteil ergab sich aus den Wetter-Kapriolen der vergangenen Jahre: Wegen Sturm- und Unwetterwarnungen mussten Dutzende Veranstaltungen absagt werden, da im Wald rings um die Lichtung, auf der das Camp stand, die Gefahr von herabstürzenden Ästen bestand. Dauerregen wie im vergangenen Sommer hat sie und die Teilnehmer dagegen nicht gestört: „So ist Natur.“ Auch die Wintermonate waren immer wieder eine harte Zeit, weil dann Geschäftseinbrüche verkraftet werden mussten. Dennoch zieht die 41-Jährige, die ihre Kindheit in den Schweizer Bergen verbracht und vor einigen Jahren bei Indios in den Anden gelebt hat, eine positive Bilanz: „Es waren acht wunderbare Jahre.“ Und ein Teil ihrer Stammkunden wolle auch in die Eifel nachkommen.

Mit dem Wegzug des Indianercamps verliert das Freizeitgelände Blauer See eine seiner Hauptattraktionen – es bleiben neben kleinen Spielstationen nur noch der Hochseilgarten und die Naturbühne.

Andrea Töpfer, Leiterin des Amtes für Kultur und Tourismus, erfuhr von der WZ von dem Wegzug des Camps. „Das ist schade für den Blauen See. Ich hoffe, dass es bald wieder aufwärts geht.“ Ihr Amt sei dienstlich jedoch nicht an dem Gelände beteiligt.

Acht Parteien gibt es derzeit rund um den Blauen See – alle sind selbstständig und voneinander unabhängig: Zwei Erlebniswelten (Minigolf, Trampolin), Märchenzoo, Bootsverleih, Naturbühne, Hochseilgarten und Imbiss.

Die meisten Einrichtungen – bis auf den Märchenzoo – sind während der Wintermonate geschlossen.

Mitte der 1930er-Jahre wurde der Park auf einem ehemaligen Steinbruch angelegt. Von 1949 bis 1994 fanden dort Karl-May-Festspiele statt.

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