Karneval ging bei bestem Wetter in die heiße Phase. Gäste lernten Brauchtum kennen.

Alt Weiber Ratingen
Das war ihr Tag: Die Möhne feierten den Beginn des Straßenkarnevals.

Das war ihr Tag: Die Möhne feierten den Beginn des Straßenkarnevals.

Fries, Stefan (fr)

Das war ihr Tag: Die Möhne feierten den Beginn des Straßenkarnevals.

Ratingen. „Yes, we can!“ Lieutenant Ryan Costanzo hat sich sehr schnell an die Gepflogenheiten im Rhineland gewöhnt. Mit einem Glas Alt in der Hand („wirklich lecker“) verfolgte er das Treiben um sich herum, musterte aufmerksam die Menschen in den bunten und phantasievollen Kostümen, die um ihn herumwuselten.

Karneval heißt bei ihm zu Hause Mardi Gras und wird auch ein bisschen anders gefeiert. Von einem Rathaussturm hat er allerdings noch nie gehört.

Amerikaner und Rostocker lernen schnell das närrische Alphabet

Und so tat sich der junge Amerikaner mit derart revolutionären Attacken auf Obrigkeiten noch etwas schwer. Schließlich hat der junge Lieutenant das System von Befehl und Gehorsam gleichsam verinnerlicht – von Berufs wegen: Costanzo ist bei der US Navy. Aber wie kommt der junge Mann aus Maryland zum Karneval nach Ratingen? Costanzo ist quasi als Austauschsoldat bei der Bundesmarine in Rostock stationiert. Dort liegt auch das Schnellboot „Wiesel“, mit dem Ratingen eine Patenschaft hat.

Und jedes Jahr kommt an den tollen Tagen ein Teil der Besatzung des „Wiesel“ zum Feiern – diesmal eben mit Ryan Costanzo. „Es gefällt mir sehr gut“, sagte er, und zuckte heftig zusammen, als auf dem Rathausvorplatz die Böllermarie der Rot-Weißen ihren zweiten Kanonenschlag abfeuerten.

Lars Roscher war ebenfalls hellauf begeistert. Als Rostocker ist er karnevalistisch völliger Analphabet, hat aber das närrische ABC recht schnell gelernt. Das eine oder andere „Helau“ ging ihm schon locker über die Lippen. Die Besuche an Karneval in Ratingen sind bei den „Wiesel“-Besatzungen schon legendär. So gibt es immer reichlich Freiwillige, die sich zum närrischen Landgang nach Ratingen melden.

Während er das Programm der nächsten Tage aufzählte, feuerte hinter seinem Rücken Bürgermeister Harald Birkenkamp aus allen Rohren: Als Zirkusdirektor verkleidet, schoss er vom Ratstrakt aus eine Konfettikanone nach der anderen auf die belagernden Jecken herab. „Der Dreck-weg-Tag war eine Woche zu früh“, flachste dazu Dezernent Dirk Tratzig, der sich in die Kluft eines schottischen Highlanders geworfen hatte.

„Aufgeben, aufgeben!“ forderte die jecke Menge, die sich zahlreich wie schon lange nicht mehr auf dem Rathausvorplatz getroffen hatte. Und der Bürgermeister knickte ein: Um 11.08 wehte die weiße Fahne aus dem Fenster. „Ne, is schon 11.11 Uhr“, verteidigte Bürger-Unionist Paul Feldhoff, der sich als Mafiosi verkleidet hatte. Klar, wenn man die Uhr vorstellt. . .

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