Das Duo kommentiert seit Jahren mit Witz und Charme den Zug.

Karneval
Die Krönung der Session: Alexander I. und Gaby III. genossen den Rosenmontagszug in vollen Zügen.

Die Krönung der Session: Alexander I. und Gaby III. genossen den Rosenmontagszug in vollen Zügen.

Diese lustige Damentruppe ließ die Sonne aufgehen.

Achim Pohlmann und Mike Gans (r.) begleiten seit Jahren mit viel Witz die Karnevalszüge in Ratingen und Lintorf.

Stefan Fries, Bild 1 von 3

Die Krönung der Session: Alexander I. und Gaby III. genossen den Rosenmontagszug in vollen Zügen.

Ratingen. „Ratingen, Helau! Seid ihr gut drauf?“ Achim Pohlmann (58) und Mike Gans (58) machen gute Stimmung: In wenigen Augenblicken wird der Rosenmontagszug den Marktplatz erreichen. Die beiden Kommentatoren stehen in einem Hubsteiger neben dem Bürgerhaus. In luftiger Höhe und eisigem Wind haben sie das ganze Geschehen im Blick, sehen, welche Gruppen und Wagen die Düsseldorfer Straße heraufkommen, und geben zu allem ihren Senf dazu. „Die schmucken Kostüme der Jungs sind übrigens echt“, albert Pohlmann drauf los, als einige Mann der Besatzung des Schnellbootes „Wiesel“ sich einen Platz am Zugweg suchen. Dank der Partnerschaft mit der Stadt ist jedes Jahr an Karneval eine Abordnung dabei.

„Achim ist bekannter. Er kennt eben jeden und jeder kennt ihn.“

Mike Gans, Co-Kommentator über Achim Pohlmann

Mike Gans übernimmt das Mikro und ruft ein „Helau auf die grünen Funken“ aus. Die beiden Polizisten, die mit ihren Motorrädern dem Zug vorausfahren, grinsen etwas verlegen und nicken kurz zu den Kommentatoren hoch. Dann treffen die ersten Zugnummern am Marktplatz ein. Pohlmann und Gans haben das komplette Zugprogramm zur Hand, hinter mancher Nummer sind Notizen gekritzelt: „Kleine Zusatzinfos, wer wo auf welchem Wagen mitfährt“, erklärt Mike Gans. „Aber der Achim kennt sowieso alle.“

Wie bereiten sich die beiden auf die Kommentierung vor? „Gar nicht. Wir treffen uns eine halbe Stunde vorher und albern ein bisschen rum“, sagt Gans. „Das meiste wird improvisiert und geht spontan“, ergänzt Pohlmann. Routine haben beide. „Gefühlte 100 Jahre“ geben sie schon ihre Kommentare zu den Rosenmontagszügen, aber auch zum Lintorfer Kinderzug ab. Apropos Kinderzug: „Dort ist es fast immer kälter, weil der Wind in den offenen Hubwagen pfeift“, weiß Pohlmann. Beide haben sich mit mehreren Kleidungsschichten warm eingepackt. „Wir sind hier oben auch schon einmal eingeschneit worden“, erinnert sich Gans. „Diesmal ist das Wetter super: kalt, aber trocken.“

Seit Jahrzehnten im Karneval, bei den Schützen und im Sport dabei

Achim Pohlmann schaut auf den Zugplan, dann auf die nächsten Gruppen und stutzt. „Da haben zwei die Reihenfolge getauscht – blöd, wenn man das nicht rechtzeitig merkt.“ Aber Pohlmann hat es rechtzeitig gemerkt und kündigt die richtige Zugnummer an. Der Wagen mit den Ex-Schirmherren rollt unter den Kommentatoren vorbei. Pohlmann kennt sie alle – trotz Verkleidung – und grüßt sie namentlich: ein Helau für diesen, ein Helau für jenen. Pohlmann ist seit Jahrzehnten im Karneval, bei den Schützen, im Sport und in der Politik dabei – „da kennt man eben schon ein paar Leute“, untertreibt er. So gibt er immer wieder ein Anekdötchen zum Besten.

„Jetzt kommen 500 Meter Rote Funken“, witzelt Mike Gans in Anbetracht von sieben Motivwagen, Reiter- und Fußgruppen der Stadtgarde. Pohlmann ruft deren Präsidenten noch einen Geburtstagsgruß übers Mikrofon zu. „Das hat mir gerade jemand gesteckt“, grinst er. Plötzlich ist eine Lücke im Zug: 100 Meter lang nichts. „Hier sehen Sie die virtuelle Gruppe der Dumeklemmergarde. Man nennt sie auch die ,Unsichtbaren’“, rettet Pohlmann spontan die Situation.

Vor dem Bürgerhaus wird der zweite Durchgang des Zuges kommentiert

Die weiteste Anreise hatte die Gruppe des Stadtfelder Carnevalsvereins SCV aus Eisenach/Thüringen. Die Gäste hatten einen Wagen mit einem Grill dabei, auf dem sie 500 Thüringer Rostbratwürste brutzelten und an die Jecken verteilten.

Neben Kamelle gab es Schokokekse, Popcorn, Chips und Kaubonbons, aber auch Obst, Eier und Gemüse, Bälle, Blumensträuße und jede Menge Konfetti.

Die Polizei schätzt die Besucherzahl beim Rosenmontagszug sehr niedrig auf lediglich 35.000, die Veranstalter sprachen von mindestens 50.000. Die Hilfskräfte sprachen von einem ruhigen Verlauf. Lediglich drei Besucher mussten durch den Sanitätsdienst versorgt werden.

Dann gibt’s Komplimente: „Ein dreifaches Helau für den besten Moderator des Rosenmontagszuges“, ruft Euronics-Chef Dirk Wittmer von seinem Motivwagen aus. „Und wie heißt dein Kollege?“ Mike Gans zuckt die Schultern: „Achim ist bekannter. Er kennt eben jeden und jeder kennt ihn. Ich sehe das ganz entspannt.“

Kurz vor 12 Uhr ist auch der Prunkwagen des Prinzenpaares vorbeigerollt. Der Hubsteiger wird abgesenkt, Pohlmann und Gans steigen aus dem Korb und vertreten sich kurz die kalten Füße. Auf einer kleinen Bühne vor dem Bürgerhaus werden sie gleich den zweiten Durchgang des Zochs moderieren.

Leserkommentare


() Registrierte Nutzer