Bis zum Sommer 2018 können Bürger die öffentlichen WC-Anlagen nutzen. Dann ist das Rathaus fertig. Der Rat kippt seinen Beschluss.

Bis zum Sommer 2018 können Bürger die öffentlichen WC-Anlagen nutzen. Dann ist das Rathaus fertig. Der Rat kippt seinen Beschluss.
Zahlreiche Ratinger wollen auf die Markttoilette mit den WC-Katakomben nicht verzichten. Archiv

Zahlreiche Ratinger wollen auf die Markttoilette mit den WC-Katakomben nicht verzichten. Archiv

Blazy

Zahlreiche Ratinger wollen auf die Markttoilette mit den WC-Katakomben nicht verzichten. Archiv

Ratingen. In allerletzter Minute hat der Rat seinen Beschluss korrigiert: Die Markttoilette, die zum Jahresende schließen sollte, bleibt nun mindestens bis zum Sommer 2018 geöffnet. Bürger können die öffentlichen WC-Anlagen weiter nutzen – was vor allem den Seniorenrat freut: Karin Weidner-Hegenbarth betonte stellvertretend für die Kollegen, dass man die Toiletten im Herzen der Stadt unbedingt benötige.

Bürger haben sich für den Erhalt der Anlagen ausgesprochen

Die Bürger Union hatte sich für den Erhalt der Anlagen eingesetzt und zahlreiche Unterschriften gesammelt. Tenor: Viele Ratinger wollen auf die Markttoilette nicht verzichten. Es könne nicht sein, dass eine finanzstarke Stadt wie Ratingen nicht in der Lage sei, diesen Service weiter anzubieten. Hannelore Hanning, die Fraktionsvorsitzende der FDP, ergänzte: „Die Bürger wollen diese unterirdischen Katakomben.“

Insgesamt kommt das Projekt „Nette Toilette“, das die Schließung der Markttoilette auffangen sollte, allmählich in Gang. Rote quadratische Aufkleber bei Gastronomie-Betrieben und im Einzelhandel weisen Bürger auf die Möglichkeit hin, dort unentgeltlich das „Örtchen“ aufsuchen zu dürfen. Im Vorfeld hatte es lange Diskussionen gegeben, auch waren zunächst kaum Gastronomen bereit, bei dem Projekt der Stadt mitzumachen.

„Auch in Ratingen stellen Gastronomen und Händler den Besuchern und der Öffentlichkeit ihre stillen Örtchen kostenlos zur Verfügung und erweisen so ihre Gastfreundlichkeit“, betonte Nina Bauer, Chefin der Ratingen Marketing GmbH (RMG). Das Vorhaben sei als Gemeinschaftsaktion vom Stadtmarketing und der Stadt Ratingen auf den Weg gebracht worden. Das Konzept habe seinen Ursprung in Aalen, Baden-Württemberg, und sei bisher in über 210 Städten und Kommunen umgesetzt worden. Ob große oder kleine Stadt sei dabei jedenfalls völlig unerheblich.

Es funktioniere immer nach dem gleichen Prinzip: Die Gastronomen und Unternehmen stellen ihre täglich gereinigten und gepflegten Sanitäranlagen kostenfrei und öffentlich zur Verfügung, dafür erhalten sie im Gegenzug ein monatliches Serviceentgelt von der Stadt.

Den Kompromiss, die Markttoilette bis zur Inbetriebnahme des Rathauses (mit öffentlichem WC) im Sommer 2018 zu öffnen, hatte SPD-Fraktionschef Christian Wiglow auf den Weg gebracht – zum Verdruss von Jochen Kral.

Der Technische Beigeordnete betonte, dass die alten Anlagen nicht barrierefrei seien und nur in einem beengten Zeitraum genutzt werden können. CDU-Fraktionschef Ewald Vielhaus sprach sich ebenfalls für die Schließung aus: Es gebe zum Beispiel im Bürgerhaus Frankenheim Toiletten, die man über den Seiteneingang erreichen kann. Doch dieser Eingang sei nicht immer geöffnet, antworteten Kritiker.

BU-Fraktionschef Alexander von der Groeben stellte fest, dass die Markttoilette für Marktbeschicker, die früh auf den Beinen seien, eine wichtige Rolle spiele. Die Grünen und die AfD schlossen sich dem Vorstoß von Wiglow an. AfD-Fraktionschef Andreas Dick betonte: „Wir geben 10 000 Euro für eine städtische Publikation aus, sind aber nicht in der Lage, die Markttoilette ordentlich herzurichten.“

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