Die 16-Jährige bekommt leuchtende Augen, wenn sie von ihrer Zeit in Neuseeland spricht.

Ratingen. Was treibt eine 16-Jährige an, sich für ein ganzes Jahr in ein Kaff aufzumachen, das gut 18.000 Kilometer Luft-(nicht Flug-)linie vom behüteten Zuhause entfernt liegt und damit so weit zu reisen.

Bei Lydia Rogall war es sicher jugendliche Unternehmungslust. Sie ist seit dem Sommer wieder in Ratingen und bekommt leuchtende Augen, wenn sie von ihrem Aufenthalt in Clyde, einem Ort mit rund 700 Einwohnern auf der neuseeländischen Südinsel spricht. So bald wie möglich will sie wieder dorthin – diesmal nur für fünf Sommerferienwochen, weil sie ihr Abitur in Ratingen machen will.

Eltern loben die positive Entwicklung ihrer Tochter

Die Eltern Rogall haben mit dem Auslandsjahr nicht allein den innigen Wünschen ihrer Tochter nachgegeben, sondern schon ihrer eigenen Ansicht entsprochen, dass „Kinder sich umtun und ihre eigenen Erfahrungen machen müssen“, so Karsten Rogall, und: „Als Vater oder Mutter ist man ja leicht versucht, oft mit Rat und Tat zur Seite zu stehen – damit aber eigentlich nichts Gescheites zu bewirken. Unsere Tochter hat sich wacker durchgeschlagen und sich auch in diesem Auslandsjahr sehr zur Selbstständigkeit entwickelt“.

Mit 16 Jahren hat ein Ratinger Kind meist noch nicht die Welt aus den Angeln gehoben, auch Lydia Rogall nicht. Aber sie hat nach der Grundschule ein eher nicht so begeisterndes Schuljahr an einer Privatschule in Neuss hinter sich gebracht, ist an eine Ratinger Schule gewechselt, in das Programm ambitionierter Töchter eingestiegen: Klavier, Ballett, Schwimmen, Chorgesang. Der Gesang ist geblieben. In Neuseeland konnte sich Lydia dann beim Rugby erproben und auch beim Rudern. Sie hat im Haushalt der Gasteltern geholfen und auch im Garten. Und das wirklich gerne.

Manchmal sagt Lydia „meine Eltern“, wenn sie von ihren Gastgebern spricht, und „meine Leute“. Damit meint sie allerdings sowohl die neuseeländischen Freunde wie auch die deutschen. Die wiederum mussten sich wieder genauso an sie gewöhnen wie umgekehrt. Manche Zuneigung blieb, manche verstummte.

Sie hat mit selbstsicherem Auftreten und ihren sehr guten englischen Sprachkenntnissen inzwischen einen Praktikumsplatz in einem international besternten Düsseldorfer Hotel bekommen. Nach dem Abitur, so schwebt es ihr jetzt vor, möchte sie Hotelmanagement studieren – sicher nicht zuletzt vom Restaurant- und Hotel-Geschäft ihrer Eltern inspiriert und durch eigenen Einsatz bestens erprobt: Schließlich muss sie große Teile der kommenden Urlaubstour nach Neuseeland selber verdient haben.

Lydia Rogall hat sicher einige Vorteile, die ihr das frohe Naturell und ihre zuversichtliche Art bescheren, die sogar ihre Ungeduld im Zaum zu halten erleichtern. Aber – sie nimmt das Leben, wie es kommt, packt kräftig mit an und langt manchmal den Geschehnissen in die Speichen. Das kann man Spaß am Leben nennen.

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