Die Bäume auf der 110 Jahre alten Allee haben stark gelitten. Sie müssen wohl gefällt werden.

Die Blaue Atlas-Zeder ist wohl nicht mehr zu retten.
Die Blaue Atlas-Zeder ist wohl nicht mehr zu retten.

Die Blaue Atlas-Zeder ist wohl nicht mehr zu retten.

Manfred Fiene (l.) und Uwe Puzalowski empfehlen eine neue Begrünung des Parks.

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Die Blaue Atlas-Zeder ist wohl nicht mehr zu retten.

Ratingen. Zwei Orkane, Pilze, Bakterien, Kastanienminiermotten und nicht zuletzt der Klimawandel – die 110 Jahre alte Kastanienallee im Poensgenpark ist nicht mehr zu retten. Das sagt Manfred Fiene, Noch-Chef des Amtes für Kommunale Dienste. Er weiß: „Das wird Diskussionen geben.“ Denn auch die riesige Blaue Atlas-Zeder soll weg: Orkan „Ela“ hatte eine Kastanie der Allee gefällt, der Baum war in die Zeder gekracht, die seitdem schief steht. Ein Pilzbefall am Boden habe bereits für eine „Sollbruchstelle“ geführt, sagte Fiene. Und: „Eine schmerzliche Entscheidung. Das ist unwahrscheinlich schade.“

Viele Bruchstellen haben Befall mit Schädlingen beschleunigt

Die vergangenen Orkane hatten dem Poensgenpark stark zugesetzt. Zuletzt, nach „Ela“, musste er wochenlang gesperrt werden. Einige Kastanien mussten bereits beseitigt werden, den übrigen hat’s die Kronen weggeblasen. Das prächtige Blätterdach, das selbst im Hochsommer für angenehme Temperaturen sorgte, ist seitdem Vergangenheit. Teilweise ragen nur noch Stummel in den Himmel. „Das lässt sich nicht mehr formen, selbst in vielen Jahren nicht“, so Fiene. Die vielen Bruchstellen hätten den Befall mit Schädlingen und holzzersetzenden Pilzarten beschleunigt. Der Klimawandel, so Uwe Puzalowksi, Abteilungsleiter Stadtgrün, mache sich durch starke Wärmestrahlung und extreme Trockenheit bemerkbar – und schade besonders der Kastanie, die vor etwa 200 Jahren aus Persien eingeführt worden sei und eigentlich aus Weichholzauen im mediterranen Bereich stamme.

Gutachter schlägt Tulpenbäume als Ersatz für Kastanienbäume vor

Alles in allem: Der alte Charakter dieser Allee ließe sich auch mit viel Aufwand nicht mehr herstellen, und auch die Standsicherheit sei gefährdet, sind sich die Experten sicher. Das geht auch aus einem Gutachten hervor. Eine Teil- oder Gesamterneuerung mit Kastanien habe keine Perspektive.

Als Ersatz schlägt ein Gutachter Tulpenbäume vor. Die stammen aus Nordamerika und halten einfach mehr aus: Liriodendron tulipifera gilt laut Gutachten als „stresstoleranter, stadtklimaverträglicher und wesentlich robuster gegenüber den klimatischen Veränderungen als die Kastanie“. Der Tulpenbaum komme dem Erscheinungsbild einer Allee am nächsten, so Fiene. Außerdem habe er eine schöne, grün-weiße Blüte. Auf der anderen Seite der Allee kann man bereits einen Tulpenbaum bewundern.

Damit die Ratinger nicht wieder 100 Jahre auf ihre neuen Allee warten müssen, sollen im Frühjahr 2018 insgesamt 36 Tulpenbäume mit einem Stammdurchmesser von 35 bis 40 Zentimetern und einer Höhe von etwa sechs bis sieben Metern gepflanzt werden. Sie seien bereits mehrfach „verschult“ worden: „Die gehen ab wie Raketen“, ist sich Fiene da ganz sicher. In etwa zehn Jahren, grob geschätzt, gebe es wieder ein tolles Blätterdach über der Allee. Von den 30 Kastanien sind sechs schon gefällt worden, vier weitere haben starken Pilzbefall, 13 kaum noch eine Krone.

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