Die Stadt hat in einer Satzung Details für die Dichtheitsprüfung von privaten Hausanschlüssen festgelegt.

Abwasser
Prüfen dürfen nur sachkundige Firmen.

Prüfen dürfen nur sachkundige Firmen.

Für den mit einem lilafarbenen Pfeil markierten Bereich ist der Grundstückseigentümer zuständig. Skizze: Stadt Ratingen

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Prüfen dürfen nur sachkundige Firmen.

Ratingen. Lange wurde in den politischen Gremien über das Thema Dichtheitsprüfung von privaten Abwasserleitungen diskutiert (wir berichteten). Jetzt gibt es konkrete Ergebnisse, wie und wann Hausbesitzer ihre Kanäle untersuchen lassen müssen. Denn die Satzung, die die Stadt Ratingen erstellt hat und die den Ablauf der Prüfung beschreibt, liegt nun endgültig vor. Der Stadtrat hatte sie am 19. Juli abgesegnet. Sie ist eine Art Rezept, das den Hauseigentümern eine Hilfestellung bei der Umsetzung der gesetzlichen Vorgaben gibt. Denn die Dichtheitsprüfung ist Pflicht.

Erster Beigeordneter rechnet nicht mehr mit Satzungsänderungen

Laut Klaus Konrad Pesch, dem Ersten Beigeordneten der Stadt, der gestern die Satzung im Rathaus präsentierte, wird sich „sehr wahrscheinlich daran nichts mehr ändern“. Nur wenn der Bund oder das Land jetzt noch mal die Gesetzgebung umschmeißt, sollte dies geschehen. „Das ist aber derzeit sehr unwahrscheinlich.“

Aus der Satzung geht hervor, dass das Stadtgebiet in zwölf Gebietszonen aufgeteilt wurde. Nach bestimmten Kriterien – wie Alter des Gebäudes, Standort oder Flächennutzung – ist festgelegt, in welchen Zonen Hauseigentümer zuerst mit der Prüfung der Kanäle beginnen müssen, beziehungsweise wo die Prüfungen als erstes abgeschlossen sein müssen.

Hauseigentümer in Lintorf und Tiefenbroich sind zuerst dran. Denn die beiden Stadtteile liegen in Wasserschutzgebieten. Und dort hat die Prüfung der Kanäle Priorität. Die Eigentümer müssen bis 2013 den Nachweis erbringen, dass ihre Kanäle geprüft worden sind. Die Eigentümer in Homberg-Süd haben dagegen bis 2022 Zeit. Generell gilt aber auch: Die Kanäle von Gebäuden, die vor 1970 gebaut wurden, müssen ebenfalls als erstes überprüft werden.

Differenzierte Fristen sollen Druck von den Hauseigentümern nehmen

„Ursprünglich sind wir davon ausgegangen, dass alle 20 700 Gebäude in Ratingen bis 2015 geprüft werden müssen. Da wir nun aber eine sehr differenzierte Satzung haben, bleibt eben etwas länger Zeit bis 2022. Somit kommen die Hauseigentümer nicht so unter Druck“, sagt Wilfried Georg, Abteilungsleiter Stadtentwässerung.

Undichte Abwassersysteme auf Grundstücken können zum Austritt von Abwasser oder auch Eintritt von Fremdwasser führen. Einerseits werden Boden und Grundwasser verunreinigt und schlimmstenfalls auch das Trinkwasser. Treten diese Fälle ein, ist mit hoher Wahrscheinlichkeit ein Straftatbestand nach § 324 des Strafgesetzbuchs („Unbefugte Gewässerverunreinigung“) erfüllt. Der Gebührenzahler wird mit erheblichen Kosten belastet.

 

Zum Schutz des Grundwassers und zur Entlastung der öffentlichen Abwasseranlagen müssen deshalb die Leitungen überprüft und bei Schäden saniert werden. Die Kosten tragen die betroffenen Eigentümer.

Für neu erstellte Hausanschlüsse gilt, dass für alle Grundleitungen und Anschlusskanäle, die Schmutz- oder Mischwasser ableiten, eine Dichtheitsprüfung nach DIN EN 1610 durchgeführt werden muss. Die Kommunen verlangen, dass die Prüfung nach spätestens 20 Jahren wiederholt werden muss. Aktuell gilt als Stichtag der 31. Dezember 2015.

 

www.dichtigkeitspruefung-24.de

Die Satzung helfe den Bürgern auch, wenn sie ein Unternehmen, das die Prüfung vornimmt, beauftragen. Es habe schon einige Anrufe – vor allem von älteren Bürgern – im Tiefbauamt gegeben, die verunsichert seien, was da auf sie zukommt.

Und das müssen beauftragte Unternehmen leisten: Die Prüfung darf nur von Sachkundigen durchgeführt werden. Das Ergebnis der Prüfung muss einen Monat nach der Untersuchung der Kanäle bei der Stadt eingereicht werden. Das Unternehmen muss den Bürgern eine vollständige Dokumentation mit Bescheinigung der Dichtheitsprüfung, Lageplan, Haltungsbericht bei optischer Inspektion mit der Kamera, ein Prüfprotokoll bei der Druckuntersuchung und das Untersuchungsvideo auf CD oder DVD aushändigen.

„Das hat auch den Vorteil, dass bei einer möglichen Sanierung der Kanäle, diese Unterlagen gleich für eine genauere Planung verwendet werden können“, sagt Pesch.

Und in Sachen Sanierung gilt: Schwere Mängel müssen binnen sechs Monate behoben sein, mittelschwere innerhalb von fünf Jahren und für die Sanierung leichterer Defekte haben Hauseigentümer Zeit bis zur nächsten Dichtheitsprüfung – in 20 Jahren.

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