Einzelhändler im Einkaufszentrum am Berliner Platz plagen Existenzängste.

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Leergefegt: Nur wenige Kunden verirren sich in die Passage, beklagt Apothekerin Margret Schläder.

Leergefegt: Nur wenige Kunden verirren sich in die Passage, beklagt Apothekerin Margret Schläder.

Stefan Fries

Leergefegt: Nur wenige Kunden verirren sich in die Passage, beklagt Apothekerin Margret Schläder.

Ratingen. „Hier kämpfen alle ums Überleben.“ Margret Schläder, Apothekerin am Berliner Platz, schlägt Alarm. Seit vielen Monaten verfolgt sie den schleichenden Niedergang des Einkaufszentrums in West. Schläder: „Der Leerstand ist so vernichtend, dass ich mich inzwischen selbst mit meiner großen Apotheke in einer existenzbedrohenden finanziellen Schieflage befinde – von kleinen Unternehmen ganz zu schweigen.“

Geschäfte schließen – Kundenfrequenz nimmt ab

Mit einem Brandbrief an die SPD hat Schläder versucht, die Politik wachzurütteln. In der kommenden Woche wird sich der Bezirksausschuss West mit der Problematik befassen. Vor allem die Schließung des Lotto- und Schreibwarengeschäftes habe schlimme Auswirkungen auf die Kundenfrequenz gehabt, sagt sie.

Aber nicht nur die Aufgabe dieses Geschäftes sorgt für das Fernbleiben der Käufer: Das Bistro „Kaffeeböhnchen“ ist schon seit einem Jahr geschlossen, und mit der Schließung der Gaststätte „Berliner Bär“ im Oktober sei ein weiterer Anziehungspunkt entfallen. „Und niemand vermisst offenbar die Kegelbahn“, wundert sich die Einzelhändlerin.

Sie verzeichnet in diesen Tagen einen Umsatzrückgang von 38 Prozent. „Sobald das Ärztehaus schließt, verirrt sich niemand mehr dorthin.“ Allerdings sei auch das Umfeld am Berliner Platz wenig einladend. Vor allem, wenn es im Winter früh dunkel wird, „läuft die Angst mit.“

„Die Lage hat sich dramatisch verschlechtert, weil sich die Kundenströme total verändert haben: Die Leute fahren nur noch zu den Lebensmitteldiscountern und finden nicht mehr den Weg ins Einkaufszentrum“, sagt Schläder. Dabei gebe es genug Leute, die dort ihr Geld loswerden wollen.

„Die Flächen werden nicht richtig vermietet“

Aber allein an den Geschäften in ihrer Passage werde das Dilemma deutlich: Lottogeschäft – geschlossen; die Metzgerei – nur wenige Stunden geöffnet; Streetworker und Beerdigungsinstitut – „das sind keine Frequenzbringer“. Die Mieten seien nicht zu hoch, will die Apothekerin, die auch Vorsitzende der Werbegemeinschaft „Best in West“ ist, eine Ursache ausschließen.

Wenn die Flächen richtig vermietet wären, könne man dort „gut Geld“ verdienen. Sie sieht vielmehr die LEG in der Pflicht. „Da wurden bei der Vermietung in der Vergangenheit viele Fehler gemacht.“ Nur Billigläden und Discounter könnten das Einkaufszentrum nicht retten. „Das wollen die Leute gar nicht, zumal in West genügend Kaufkraft vorhanden ist.“

Reiner Heinz von der städtischen Wirtschaftförderung sind die Probleme bekannt. „Wir haben auf unserer Internetseite die leeren Ladenlokale aufgelistet und führen der LEG auch Interessenten zu.“ Außerdem führe die Stadt Verhandlungen, um für die Gaststätte, die dringend modernisiert werden muss, einen neuen Pächter zu finden „Wir nehmen die Probleme ernst.“ Aber Aktionen für mehr Sauberkeit, Sicherheit, bessere Beleuchtung kosten Geld und müssten politisch gewollt sein.

Bei der LEG kann Pressereferentin Carolin Gauglitz die Vorwürfe der Apothekerin nicht verstehen: „32 von 34 Gewerbeeinheiten sind vermietet. Das ist eine Vermietungsquote von 94 Prozent.“ Man sei optimistisch, dass die noch leerstehenden Immobilien bald neue Pächter haben.

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