Kaufleute in der Innenstadt haben eine Telefon-Hotline eingerichtet, um vor Ganoven warnen zu können.

Julius Egenberger überwacht sein Geschäft per Video – und per What’s App hält er Kontakt zu Kollegen in der Ratinger Innenstadt.
Julius Egenberger überwacht sein Geschäft per Video – und per What’s App hält er Kontakt zu Kollegen in der Ratinger Innenstadt.

Julius Egenberger überwacht sein Geschäft per Video – und per What’s App hält er Kontakt zu Kollegen in der Ratinger Innenstadt.

Achim Blazy

Julius Egenberger überwacht sein Geschäft per Video – und per What’s App hält er Kontakt zu Kollegen in der Ratinger Innenstadt.

Die Angst geht um im Ratinger Einzelhandel: Die Ganoven werden bekanntlich immer dreister, Überfälle am hellichten Tag sind in der beschaulichen historischen Kulisse der Dumeklemmerstadt zwar noch die absolute Ausnahme – doch die Kaufleute setzten lieber auf Vorbeugung. Alarmanlagen, Video-Überwachung, Eingangstüren, die erst nach Klingeln aufgemacht werden – und seit einem Jahr gibt es eine What’s App-Gruppe namens Hotline Ratinger Händler, über die man sich gegenseitig vor verdächtigen Personen warnt.

Portemonnaie-Dieb wurde beobachtet

Kürzlich beispielsweise wurde der Diebstahl eines Portemonnaies aus einem Laden zeitnah verbreitet. „Ziemlich dreiste Typen“, erinnert sich Julius Egenberger. Die beklaute Mitarbeiterin hatte nach ihrer Mittagspause bloß kurz ihre Tasche unbeaufsichtigt gelassen. Allerdings schlummerte nicht das Auge der Überwachungskamera. Dank deren Aufzeichnung konnte eine exakte Täterbeschreibung gemacht werden. Man hielt die Augen auf.

Es stellte sich schnell heraus, dass der Täter bereits ein paar Läden weiter „aktiv“ gewesen war. Nämlich im Spielzeugwarengeschäft. Dank der Kamerabilder sowie Zeugenaussagen wurde er von der Polizei festgenommen. „Wichtig ist, sich selbst nie in Gefahr zu bringen. Und so viele Informationen über Verdächtige so schnell und gut wie möglich an die anderen Einzelhändler weiter zu geben“, sagt Egenberger über die aktuelle Situation.. Zu den bereits im Geschäft installierten Kameras ist der Personalraum zusätzlich gesichert worden.

Für Ganoven und deren Methoden sensibilisiert

Alle Mitarbeiter, die neu ins Team kommen, werden auf Diebe und deren Methoden „so gut es geht“ sensibilisiert. „Wirklich was tun kann man nicht“, sagt Juwelier Gerhard Schuster. Das von ihm und Tochter Andrea geführte Geschäft mit der weiten Fensterfläche ist aus Panzerglas. „Das ist sicher.“ Aber was tun, wenn jemand bereits im Ladenlokal ist? „Wenn da drei bis vier Mann drin sind und plötzlich sagen, man soll seine Sachen herausrücken - da machen sie nichts.“

Trotz der Vorfälle der vergangenen Wochen sitzt der Goldschmied nicht mit pochendem Herzen im Geschäft. Entlang der Bechemer Straße ist allerdings auch immer „gut Betrieb“. Die Hoffnung ist, dass ein Überfall durch die Glasscheiben von Flaneuren bemerkt würde. Darauf setzen die Juweliere an der wesentlich stilleren Lintorfer Straße nicht. Bereits im Sommer 2009 war Schmuckdesigner Willy Badry in seinem Geschäft überfallen und ausgeraubt worden. Das gleiche Unglück passierte vergangene Woche wieder. Jetzt wurde der Zugang zu seinem Geschäft anders gestaltet. Das Ladenlokal ist nicht länger frei zugänglich, es muss zunächst geklingelt werden, Der Schrecken über den erneuten Überfall bleibt, der Austausch mit Geschäftskollegen ist intensiviert worden. Gruppen-Administrator (so heißt das in der What’s App-Sprache) ist Detlef Mayer vom DEMA Schuh-Fachgeschäft: „Die Gruppe wurde von uns Mitte Mai 2014 gegründet. Mittlerweile sind bereits 15 Händler in dieser Gruppe und werden direkt informiert.“

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