Edith Feltgen tritt nach rund zwölf Jahren als Vorsitzende des Klimabeirats zurück.

Porträt
Mit 83 Jahren will Edith Feltgen lieber Ideengeberin, nicht mehr Verantwortliche sein. Foto.: Stefan Fries

Mit 83 Jahren will Edith Feltgen lieber Ideengeberin, nicht mehr Verantwortliche sein. Foto.: Stefan Fries

Mit 83 Jahren will Edith Feltgen lieber Ideengeberin, nicht mehr Verantwortliche sein. Foto.: Stefan Fries

Ratingen. Sie ist immer noch energisch. Das ist ihr Markenzeichen. Und viele, die sie kennen, wissen das. Edith Feltgen hat zwölf Jahre als Vorsitzende des Klimabeirates für den Umweltschutz gekämpft. Das ist ihre „Leidenschaft“, wie sie sagt. Jetzt hat sie das Amt niedergelegt. Aber nicht, weil ihr die Sache nicht mehr wichtig ist. Mit 83 Jahren will sie „es jetzt mal ruhiger angehen lassen“, sagt sie.

Wer versucht, mit ihr einen Termin zu vereinbaren, der hat es schwer

Doch das zu glauben, fällt einem schwer. Denn wer versucht, mit der grauen Eminenz des Klimaschutzes der Stadt einen Termin zu vereinbaren, der hat es schwer: Edith Feltgen ist immer noch durchaus aktiv, besucht Konzerte, liest viel, ist mit Freundinnen zu Einkaufstouren verabredet – oder geht eben zur nächsten Sitzung des Beirats.

„Nur es macht einen Unterschied, ob ich nur Ideen einbringen muss, wie ich das jetzt mache. Oder ob ich Verantwortung trage, so wie ich das als Vorsitzende getan habe“, sagt sie. Dann beugt sie sich mit Schwung in ihrem Stuhl nach vorne, schaut ihrem Gegenüber fest in die Augen und sagt: „Und irgendwie war auch klar, dass ich es nicht sein lassen kann, mich einzumischen.“

Das war im Leben der 83-Jährigen schon immer so. 1972 wurde sie in Sulingen nahe Bremen geboren. Ihre Familie zog später ins damalige Wartheland, das heute zu Polen gehört. 1945 musste sie flüchten. Nach Kriegsende arbeitete sie als Telefonistin, Exportfachkraft oder Fremdsprachensekretärin. „Ich habe mehrere Jobs gemacht. Da war Beharrlichkeit gefragt. Das ist mir irgendwie in die Wiege gelegt worden. Und dann hatte ich doch meine Berufung gefunden“, erzählt sie. Und zwar im Lehrberuf.

Mit 41 Jahren schrieb sie sich an der Universität Köln ein, mit 50 Jahren fing sie als Lehrerin an zu arbeiten. Bald schon war sie Mitglied im Bund für Umwelt und Naturschutz. „Irgendwie hat die Arbeit mit den Schülern mir gezeigt, wie wichtig es ist, den Planeten für sie zu schützen“, sagt Feltgen, die in den 1990-er Jahren dann neben ihrer Mitgliedschaft im BUND auch der Initiative Klimabündnis und später dann dem Klimabeirat angehörte.

„Klimaschutz ist eine Sache, die wenige interessiert“

1927 wurde Edith Feltgen in Sulingen bei Bremen geboren. Früh konzentrierte sie sich auf Fremdsprachen, lernte Englisch, Französisch, Latein und Spanisch, arbeitete bei verschiedenen Industriebetrieben. Nach Ratingen kam sie 1963, übernahm bei Calor Emag die Betreuung der Auszubildenden. Mit 41 studierte sie Wirtschaftspädagogik, mit 50 wurde sie Lehrerin, mit 62 ging sie vorzeitig in Rente, um sich ganz dem Umweltschutz zu widmen: BUND, ADFC (auch im Bundesvorstand), Klimabündnis und heute Klimabeirat. Edith Feltgen ist ledig und hat keine Kinder, findet aber: „Es gibt genug Kinder, für deren Zukunft man sich einsetzen sollte.“


Anfang September ist Edith Feltgen nach zirka 12 Jahren altersbedingt als Vorsitzende zurückgetreten. Das Amt übernommen hat Jürgen Lindemann.

Als Vorsitzende des Gremiums habe sie viel kämpfen müssen, „weil Klimaschutz ja eine Sache ist, die wenige Leute interessiert“. Das habe sie erfahren müssen. Doch es sei ihr egal gewesen. „Und ich habe darauf gepocht, dass mir niemand meinen Sitz in den Gremien streitig macht oder mich aus dem Protokoll streicht. Immerhin war ich ja nie offiziell Mitglied.“

Die Stadt sei auf einem guten Wege in Sachen Umweltschutz, sagt sie, ist aber dennoch nicht zufrieden: „Gebäudesanierung, die Einrichtung von Fahrradwegen, der Ausbau der Solartechnik. Das ist alles schön. Aber es kann mehr geschehen“. Und am Wichtigsten sei es, dass die nachfolgenden Generationen Umweltbewusstsein entwickelten. Und so apelliert sie an die Stadt: „Setzt endlich ein Programm für die Schulen auf, mit dem die Kinder stärker an das Thema herangeführt werden.“

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