Manch einer denkt, montags arbeitet niemand bei der Post. Mitnichten: Raus geht es für die Boten bei Wind und Wetter - auch motorisiert.

Manch einer denkt, montags arbeitet niemand bei der Post. Mitnichten: Raus geht es für die Boten bei Wind und Wetter - auch motorisiert.
Abgehärtet: Anette Buschmann ist bei Wind und Wetter in Lintorf unterwegs.

Abgehärtet: Anette Buschmann ist bei Wind und Wetter in Lintorf unterwegs.

Dietrich Janicki

Abgehärtet: Anette Buschmann ist bei Wind und Wetter in Lintorf unterwegs.

Ratingen. Im Zustellstützpunkt (ZSP) Ratingen-Lintorf sind fünf Frauen und neun Männer dafür zuständig, die hier aus dem Briefzentrum Langenfeld eingehende Post zu verteilen. Das machen die 14 Zusteller sowie Stützpunktbetreuer Ralf Ruehs an sechs Tagen in der Woche.

Dass montags bei den meisten Bürgern die Briefkästen überwiegend leer sind, liegt nicht daran, dass im ZSP-Lintorf zu Wochenbeginn gefaulenzt wird. „Montag fallen nicht einmal fünf Prozent des Postvolumens wie an den anderen Werktagen an“, sagt Ralf Ruehs.

Seit 13 Jahren ist der Stützpunktbetreuer für den Betrieb an der Adresse Im Kreuzfeld zuständig. Morgens um 5.30 Uhr beginnt die Arbeit, der erste Wagen aus Langenfeld rollt dann mit der ersten Ladung Post an. „Alles, was Montagmorgen vorliegt, wird auch an die Bürger zugestellt.“ Nur dass es eben wesentlich weniger als im Verlauf der Restwoche ist.

Ausführliche Privatpost ist eine Rarität geworden

Dazu, erklärt der Fachmann, muss man bedenken, dass das Unternehmen Post bestrebt ist, Sendungen innerhalb eines Tages zuzustellen. Und am Wochenende eben nur wenig Briefe oder Karten verschickt werden. Privatpost nämlich, also ausführliche Korrespondenz, von Hand mit Liebe formuliert, sind im Zeitalter moderner Kommunikationsformen wie E-Mail, Twitter und anderen sozialen Netzwerken Rarität geworden. Es sei denn, es handelt sich um frequentierte Phasen wie Weihnachten, Ostern oder Konfirmations- und Kommunionszeiten.

Tagtäglich setzt sich die Masse der Sendungen, so sagt Ralf Ruehs, aus sehr vielen Werbesendungen oder Geschäftspost wie zum Beispiel Rechnungen zusammen. Da aber Ärzte, Anwälte und Handwerker selten sonntags ihre Abrechnungen rausschicken, sondern das eher werktags erledigen, haben die 14 Mitarbeiter im ZSP Lintorf montags nicht ihre durchschnittlichen 1500 Zustellungen in die sogenannten Spinde einzusortieren und später in die entsprechenden Bürgerbriefkästen zu werfen.

„Montags sind es um die 200“, wie Postzustellerin Anette Buschmann das „Mini-Volumen“ bestätigt. Wie an jedem Morgen bringt sie auch am Montagmorgen die Sendungen ihres Areals zunächst auf Gangfolge, sortiert also im Zustellungsbezirk, für den sie seit nunmehr 15 Jahre verantwortlich ist, von Hand so vor, dass sie später systematisch verteilen kann.

Raus geht es bei jedem Wetter

„Der Job ist knackig“, denn nach dieser Vorsortierung geht es „bei Wind und Wetter“ aufs Fahrrad – neuerdings einem E-Bike. „Viel Privates“ trägt Anette Buschmann unter der offiziellen Dienstkleidung, das schützt und wärmt selbst bei Regen und Schnee. „Nur bei Glatteis geht gar nichts.“

Für gewöhnlich sind ihre am Rad befestigten Posttaschen prall gefüllt mit Briefen, mehrfach steuert sie außerdem „ihren“ Postzwischenlagerplatz an, um weitere Sendungen für die kommenden Runden aufzunehmen. „An einem normalen Tag steuere ich diesen Kasten etwa fünf Mal an.“

Montag ist zwar kein Schontag, aber „deutlich weniger los“, da reicht die Zeit für einen Schwatz am Briefkasten oder um im Betrieb Überstunden abzubauen. Nur Nichtstun, das gibt es nicht.

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