Mehr als 1700 Interessierte kamen zum Infotag der Verwaltung. Auch die Fachfirmen wurden mit Fragen bestürmt.

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Serjoscha Kreutzer von einer Fachfirma zeigte, wie die Dichtheitsprüfungen durchgeführt werden.

Serjoscha Kreutzer von einer Fachfirma zeigte, wie die Dichtheitsprüfungen durchgeführt werden.

Stefan Fries

Serjoscha Kreutzer von einer Fachfirma zeigte, wie die Dichtheitsprüfungen durchgeführt werden.

Ratingen. Es gibt mit Sicherheit Spannenderes und Schöneres, als an einem wunderbaren Spätsommertag sich über Abwasserleitungen, Kanalratten, Roboterkameras und Dichtheitsprüfungen zu informieren. Und doch kamen am Samstag etwa 1700 Interessierte zum Infotag der Stadtverwaltung ins Stadttheater, um sich die Vorträge der Experten anzuhören. Der kaum endende Besucherstrom zeigt, wie sehr das Thema den Ratingern unter den Nägeln brennt.

Schon beim ersten Infovortrag war das Theater völlig überfüllt

„Mit diesem Andrang hatten wir nicht gerechnet, waren aber darauf vorbereitet. Immerhin sind circa 22 000 Ratinger von der gesetzlichen Pflicht zur Überprüfung ihrer Abwasserleitungen betroffen“, sagte Heinz-Willi Varlemann, Leiter des Tiefbauamtes. Damit auch jeder Interessierte sich informieren konnte, hatte die Stadt im Zwei-Stunden-Abstand vier Vortragsblöcke angeboten. „Gleich beim ersten Termin platzte das Theater aus allen Nähten, da waren wir schon ein wenig überrascht“, sagte Varlemann zufrieden.

Die verpflichtende Dichtheitsprüfung soll dem Umweltschutz dienen. Es soll verhindert werden, dass durch undichte Rohre Abwasser ins Grundwasser gelangt und dass umgekehrt auch sauberes Grundwasser in die Leitungen sickert, das dann in den Kläranlagen gereinigt werden muss. Deshalb muss jeder Hausbesitzer – je nach Stadtteil bis zu einer bestimmten Frist – auf eigene Kosten seine Leitungen auf die Dichtheit überprüfen lassen. Die Besucher konnten sich ihren persönlichen Termin ausdrucken lassen.

Auf dem Parkplatz gab es Vorführungen von Fachfirmen

Zudem gab es die Möglichkeit nach jedem Vortrag in einer offenen Frage- und Antwortrunde sich mit dem Thema auseinanderzusetzen. „Wir hatten schon befürchtet, dass sich einige Betroffene über die entstehenden Kosten beschweren würden. Zum Glück zeigten sich fast alle einsichtig und diskutierten sachlich über die verschiedenen Prüfverfahren“, freute sich Varlemann.

Neben den theoretischen Vorträgen konnten sich Interessierte auf dem Parkplatz des Theaters vorführen lassen, wie eine Dichtheitsprüfung durchgeführt wird. Fachfirmen hatten dazu ihre Ausrüstungen mitgebracht. Die Firma Egbers hatte zwei Rohr- und Kanalreinigungswagen aufgebaut und demonstrierte das Prüfungsverfahren. Kameraführer Andreas Kranz lud Neugierige in seinen Wagen ein und zeigte, wie er mit Hilfe eines Joysticks den Kameraroboter durch die aufgebauten Rohre steuerte. Sein bisher spannendster Einsatz: acht Kilometer Abwasserrohre unter einer Justizvollzugsanstalt.

Die Kosten für die Prüfung der Abwasserleitungen eines üblichen Einfamilienhauses betragen etwa 300 bis 500 Euro. Dagegen sind die Kosten für die Prüfung eines weit verzweigten Leitungsnetzes unter einem Mehrfamilienhaus höher und müssen im Einzelfall ermittelt werden. Beim Einholen der Angebote sollte man darauf achten, dass alle Leistungen, wie zum Beispiel die Reinigung der Rohre vor der Prüfung und die vollständige Dokumentation enthalten sind.

Wie wichtig und nötig der „Tag der Grundstücksentwässerung“ war, hörte man immer wieder. Viele Betroffene kamen auch miteinander ins Gespräch. Die wenigsten hatten sich vorher intensive mit dem Thema beschäftigt. Auch Thomas Kreidt: „Ich kann noch gar nicht sagen, was da genau auf uns zukommt. Die Länge der Rohre ist uns völlig unbekannt. Große Sorgen mache ich mir aber nicht“, sagte er. Michael Egbers rät, sich mit den Nachbarn zusammenzutun. Das könne die Arbeiten beschleunigen und möglicherweise Kosten ersparen.

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