Die Insolvenz der Menuhin-Stiftung könnte das Aus des Mus-e-Projektes zur Folge haben.

Schule
Auch an der Erich-Kästner-Schule werden die Kinder künstlerisch gefördert.

Auch an der Erich-Kästner-Schule werden die Kinder künstlerisch gefördert.

Archiv Pierre-Claude Hohn

Auch an der Erich-Kästner-Schule werden die Kinder künstlerisch gefördert.

Ratingen. „Das ist eine Katastrophe für uns. Das ist ganz bitter!“ Vera Segreff vom Amt für Stadtentwicklung hatte gerade erfahren, dass die Yehudi-Menuhin-Stiftung Insolvenzantrag wegen Zahlungsunfähigkeit gestellt hat. Zehn Grundschulklassen in Ratingen West droht damit das Aus des Mus-e-Projekte, das seit 1999 erfolgreich an der Erich-Kästner- und Astrid-Lindgren-Schule läuft. Mus-e steht für „Multikulturelles soziales Schulprojekt in Europa“.

Den Beteiligten schwante, dass die Stiftung Schwierigkeiten hat

Den Beteiligten schwante schon seit Tagen, dass die Stiftung in Schwierigkeiten sein musste. In der vergangenen Woche schlug die Kästner-Schule Alarm: Die in das Projekt eingebundenen Lehrkräfte hätten schon seit November kein Honorar mehr bekommen. Johannes Kraft, Leiter des Schulamtes, schickte daraufhin eine Mail an die Stiftung – und erhielt bis Dienstag keine Antwort.

„Ich kann nur noch hoffen, dass es weitergeht“, sagte Horst Bischof, Leiter der Erich-Kästner-Schule, als er am Dienstag von dem Insolvenzantrag erfahren hat. Er wünscht sich, dass die Politik jetzt über die Landtagsabgeordneten Druck ausübt, um die bürokratischen Hürden zu überwinden, die seiner Ansicht nach die Menuhin-Stiftung in Schieflage gebracht haben. „An der Wertigkeit von Mus-e gibt es ja keinen Zweifel.“ An der Kästner-Schule sind sechs Klassen, an der Lindgren-Schule vier Klassen betroffen.

Woche für Woche kamen bisher Künstler aller Gattungen in die Klassen und führten die Kinder in eine Welt ein, die viele von ihnen wegen ihres schwierigen sozialen Hintergrundes sonst nicht kennen lernen würden.

Es wird getanzt, gemalt, musiziert oder Theater gespielt. „Die Kinder können dabei ihre Stärken zeigen, und die Lehrer lernen die Schüler von einer ganz anderen Seite kennen“, erklärt Vera Segreff.

„Durchweg positive Erfahrungen“ an der Astrid-Lindgren-Schule

Die „Mus-e“-Stiftung wurde von dem weltberühmten und im Jahr 1999 in Berlin verstorbenen Geiger und Dirigenten Yehudi Menuhin ins Leben gerufen. Seine Philosophie ist, dass Kinder die nötige Toleranz durch die Beschäftigung mit Musik, Theater und Malerei erwerben.

Die Stiftung wird vom Land finanziell unterstützt. Voraussetzung für die Schulen ist, dass es sich um so genannte Brennpunkt-Schulen handelt, in den Kinder aus vielen Nationalitäten und Kulturen unterrichtet werden.

In Stadtteilen mit „besonderem Entwicklungsbedarf“ arbeiten Künstler aller Kunstformen landesweit in 491 Grundschulklassen mit mehr als 11 000 Schülern zusammen.

Durchweg positive Erfahrungen hat auch Marita Bischof, Leiterin der Astrid-Lindgren-Schule, mit dem Mus-e-Projekt gemacht. „Wir wären todtraurig, wenn es nicht weitergeht.“ Der Erfolg von Mus-e sei unübersehbar: Die Kinder hätten eine viel bessere Sozialkompetenz bekommen. „Die Künstler können dabei auch ganz andere Impulse setzen als die Lehrer.“

Die beiden Grundschulen in West sind von Anfang an dabei: Seit 1999 haben fast drei Grundschulgenerationen Mus-e erlebt und davon profitiert. Den besonderen Stellenwert konnte man auch daran erkennen, dass Kinder der Kästner-Schule immer wieder auch den Ratinger Kulturtag mitgestaltet haben oder bei einer Unicef-Gala in Düsseldorf ihr Können zeigen durften. Segreff hat festgestellt, dass die Kinder sich durch Mus-e verändern, anders miteinander umgehen und ein Gemeinschaftsfgefühl entwickeln.

Der hohe Nutzen des Projektes – gerade für Ratingen West – ist auch in der Ratinger Politik unumstritten. Vor wenigen Wochen hat sich der Stadtrat dafür ausgesprochen, das Projekt, das zum Schuljahresende auslaufen würde, um drei weitere Jahre zu verlängern.

Dafür will die Stadt insgesamt 135 000 Euro locker machen. Ob die nun gebraucht werden, ist völlig offen. Segreff: „Die Stadt kann nicht die Rolle der Stiftung übernehmen, sonst müsste sie mit den Künstlern die Verträge abschließen.“

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