Die Geschäftsführer des Flughafens informierte über die geplante Erweiterung der Kapazitäten. Die Bürger sind weiter in Sorge.

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Thomas Schnalke hatte in Ratingen keinen leichten Stand.

Thomas Schnalke hatte in Ratingen keinen leichten Stand.

Stefan Fries

Thomas Schnalke hatte in Ratingen keinen leichten Stand.

Ratingen. Ein einziger Satz bringt den Gefühlszustand vieler im Angersaal der Stadthalle auf den Punkt: „Jedes Schlachtvieh ist besser geschützt als wir.“ Mit dieser Aussage macht ein Bürger seiner Empörung auf dem Informationsabend Luft. Die Geschäftsführung des Flughafens hatte dazu am Montag eingeladen, um ihre Pläne zur Kapazitätserweiterung darzulegen.

Zwischenrufe und Gelächter nach einem Argument pro Flughafen

Nachdem Geschäftsführer Thomas Schnalke die Pläne zur Erhöhung der Starts und Landungen erläuterte, durften Bürger Fragen stellen und Bedenken vortragen – die Schlange am Mikrofon riss nicht ab. Wie emotional besetzt das Thema ist, wurde gleich zu Beginn deutlich. Als ein Bürger Argumente für mehr Flugbewegungen vorbrachte, wurde er durch erboste Zwischenrufe und Gelächter unterbrochen. Moderator Sven Präger mahnte Meinungsfreiheit an.

Die Mehrheit der anwesenden Bürger blieb sachlich, aber lehnte das Vorhaben des Flughafens rundweg ab. Der Vorsitzende der Initiative „Bürger gegen Fluglärm“, Christoph Lange, fordert von Schnalke Zahlen zur zusätzlich anfallenden Lärm- und Schadstoffbelastung. Die Initiative wirft den Betreibern vor, die lärm- und dreckgeplagte Bevölkerung allein zu lassen. Andere Bürger sahen durch die geplante Erhöhung von 47 auf 60 Flugbewegungen pro Stunde eine Gefährdung der Sicherheit für Anwohner und Flugpassagiere. Schnalke verwies auf ein Gutachten, das die Flugsicherung in den kommenden Monaten ausarbeiten werde.

Ulrich Neck von der IG Waldgemeinde kritisierte die „feingespülten“ Informationen seitens des Flughafens. Zudem mahnte er endlich konkrete Regeln für die Nutzung der Parallelbahn an.

Viele sind gegen noch mehr Flüge, aber nicht gegen den Flughafen

Ein Bürger erinnerte daran, dass der Flughafen heute an dieser Stelle niemals mehr gebaut werden dürfte, und bekam dafür viel Beifall. Aus vielen Stellungnahmen wurde deutlich, dass die oft lärmgeplagten Anwohner bloß eine Erhöhung der Flugbewegungen ablehnen – nicht aber den Flughafen an sich. Aber es wurden auch Grundsatzfragen gestellt: Warum müsse der Düsseldorfer Flughafen wachsen?

Insgesamt gibt es in den vom Fluglärm betroffenen Städten zehn Infoveranstaltungen. Sie werden akustisch aufgezeichnet. Interessierte können sämtliche Aussagen und Argumente noch einmal hören. Die Mitschnitte sind ab Februar abrufbar:

http://konzern.dus.com/nachbarflughafen/pf-verfahren/

Auch wie es weitergeht, wollten viele Bürger wissen. Sind alle Gutachten eingeholt und Formalitäten geregelt, will der Flughafen seinen Antrag beim Verkehrsministerium einreichen – voraussichtlich im Juni.

Ulrich Neck kündigte gestern einen Beschwerdebrief an den Verkehrsminister an. „Das Ministerium hat darauf gedrungen, dass der Flughafen die Bürger umfassend über sein Vorhaben informiert. Dieser Pflicht werde aber nicht genüge getan.“

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