Für ältere Menschen sei die neue Querung der Schienen in Lintorf kaum zu bewältigen, kritisiert der BUND.

Ratingen. Brücken sollen verbinden, nicht trennen. Hinter diese Binsenweisheit setzt die Ortsgruppe des Bundes für Umwelt- und Naturschutz (BUND) angesichts der aktuellen und geplanten Brückenbauten und Unterführungen ein Fragezeichen: Nach der bisherigen Planung gebe es dabei nur eine Gruppe von Gewinnern: die Autofahrer. Auf der anderen Seite gebe es jedoch viele Verlierer: ältere Radfahrer und Fußgänger. Sie seien nicht oder kaum in der Lage, die Steigungen und Gefälle zu bewältigen. Sie würden lieber vor den Schranken warten als die Steigungen bezwingen zu müssen, schreibt BUND-Sprecher Jürgen Lindemann. „Eine absolute Trennwirkung haben Brücken und Unterführungen für Leute mit Rollstühlen. Wie sollen sie beispielsweise in Lintorf künftig ins Zentrum kommen?“ fragt er.

„Es liegt in der Natur einer Brücke, dass Höhenunterschiede zu bewältigen sind.“

Rüdiger Schlothane, Planungsamt

„Es liegt nun mal in der Natur einer Brücke, dass Höhenunterschiede zu bewältigen sind. Wir haben beim Bau der neuen Brücke Tiefenbroicher Straße die Steigungswinkel der Rampen so angelegt, dass sie gut zu bewältigen sind“, sagt Rüdiger Schlothane vom Planungsamt. Brückenexperte Gerhard Odenthal vom Hochbauamt kennt die genauen Zahlen: „Sechs Prozent Steigung – die gelten als behindertengerecht.“ Um einen sanfteren Anstieg zu erreichen, habe man die Rampe auf der Seite der Tiefenbroicher Siedlung sogar noch verlängert, doch mehr sie aus Platzgründen nicht möglich.

Aus Sicht von Jürgen Lindemann müsste es selbstverständlich sein, bei Brücken und Unterführungen „Nachteile für alle Verkehrsteilnehmer zu verhindern.“ Bei Brücken sollte es automatisch zur Planung gehören, „durch Aufzüge und Rampen eine unbeschwerliche Querung zu ermöglichen.“ Die Zusatzkosten würden angesichts der Summen, die Brücken verschlingen, kaum ins Gewicht fallen.

Ein Aufzug würde laut Stadt rund 300.000 Euro kosten

Tun sie doch, widerspricht Schlothane. Rund 300.000 Euro würde ein Aufzug kosten, die Wartung noch gar nicht mitgerechnet. Und anders als bei der Brücke, die jeweils zu einem Drittel von Bund, Bahn und Stadt finanziert wird, müsste die Stadt die Aufzüge selbst bezahlen.

Bei der geplanten Unterführung am Konrad-Adenauer-Platz werde aber darauf geachtet, dass Steigung und Gefälle des Fuß- und Radweges deutlich geringer ausfällt als bei der Fahrstraße. Der Weg braucht keine so große lichte Höhe und müsse deswegen auch nicht so tief verlegt werden.

Dass Brücken tatsächlich zu unüberwindlichen Hindernissen werden können, bestätigt Dieter Puls, Beisitzer im Freundeskreis der Rollstuhlfahrer: „Die Brücke am Stadion ist für einen Rollstuhlfahrer alleine nicht zu schaffen. Und beim Schieben muss man schon eine durchtrainierte Person dabei haben.“ Allenfalls mit einem Elektrorollstuhl könne man die Steigung bewältigen.“

Odenthal weiß, dass Rampen kräftezehrend sind – je länger sie sich hinziehen. Andererseits habe man doch ohne Schranken mehr Mobilität. 160 Meter – mehr Umweg ist es nicht. „Die läuft man in einer Minute. was ist das gegenüber 20 Minuten Wartezeit?“

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