Sahneersatz aus Hafer für Veganer, vegetarisches Holzfällersteak oder glutenfreies Bier: Neue Bio-Supermärkte decken auch den speziellen Bedarf.

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Nicht nur die Anhänger von Naturkost, sondern auch Allergiker und Veganer, die gänzlich auf tierische Produkte verzichten, werden im kürzlich eröffneten Bio-Supermarkt in Ratingen fündig.

Nicht nur die Anhänger von Naturkost, sondern auch Allergiker und Veganer, die gänzlich auf tierische Produkte verzichten, werden im kürzlich eröffneten Bio-Supermarkt in Ratingen fündig.

Stefan Fries

Nicht nur die Anhänger von Naturkost, sondern auch Allergiker und Veganer, die gänzlich auf tierische Produkte verzichten, werden im kürzlich eröffneten Bio-Supermarkt in Ratingen fündig.

Ratingen. Auf den ersten Blick ist es ein normaler Supermarkt: am Eingangsbereich die Backwaren, daneben die Regale mit Wein und Bier, dahinter Säfte. Im Kühlregal die verschiedensten Milchprodukte, daneben frisches Obst und Gemüse, Regale mit Cerealien, Süßwaren, Kaffee und Tee – das übliche Sortiment eben.

Die Überraschung kommt erst beim genauen Hinschauen: Reismilch, Ziegenmilch, Sojaquark, Sahneersatz aus Hafer, Tofu-Schnitzel, glutenfreies Bier, Würstchen aus Lupinen, Vollkorn-Spaghetti, Himbeerblütenhonig aus den Karpaten, nur biologisch angebautes Obst und Gemüse, ökologisch angebaute Weine, Rindergulasch vom heimischen Biobauern. Es gibt fast nichts, was es in dem neuen Bio-Supermarkt an der Düsseldorfer Straße nicht gibt – sofern es biologisch erzeugt wurde.

„Unser Sohn ist Veganer, das macht das Einkaufen schon schwierig.“
Ute Sigmund aus Ratingen

Doch nicht nur Anhänger von Naturkost werden fündig. Vor allem Allergiker, Vegetarier und Veganer, die gänzlich auf tierische Produkte verzichten, können ihre Speisezettel in Ratingen mit Lebensmitteln ergänzen, die es in üblichen Supermärkten gar nicht gibt.

Vor sechs Wochen wurde der Markt eröffnet. Ute Sigmund ist bereits Stammkundin. „Unser Sohn ist Veganer, das macht das Einkaufen schon schwierig. Bisher musste ich immer nach Essen fahren oder im Internet bestellen“, sagt sie.

Sohn Tobias (20) ergänzt: „Wir können hier auch ausprobieren und werden sehr gut beraten.“ Was ihm noch fehle, sei vegane Schokolade – die wird mit Reis- statt mit Kuhmilch hergestellt. „Doch die bemühen sich, die aufzutreiben“, sagt er.

Mitarbeiter in Ratingen können aus eigener Erfahrung beraten

Mitarbeiterin Petra Frenz fällt die Beratung leicht. „Ich kann aus Erfahrung sprechen. Früher war ich fast gegen alles allergisch. Seit ich nur Bio-Produkte esse, ist das kein Thema mehr.“ Sie vermutet Zusatzstoffe und die Verarbeitung der Lebensmittel als Gründe für die Allergien.

Dennis Klug ist selbst einer der besten Kunden im Geschäft. Der Abiturient (20) überbrückt die Zeit bis zum Studium mit einem Job im Supermarkt – und ist selbst Vegetarier. Einen Bogen um andere Supermärkte macht er dennoch nicht, allein schon aus Kostengründen. Getränke kauft er beim Discounter. Wasser ist Wasser – da gibt es kein Bio.

Vor allem bei Biofleisch und -wurst sind die Preise deutlich höher

Apropos Kosten: Bei manchen gängigen Lebensmitteln kann der neue Bio-Supermarkt mit seinen Preisen durchaus mit anderen Märkten konkurrieren. Bei einem stichprobenartigen Preisvergleich waren Kartoffeln, Tomaten, Nudeln, Äpfel und Gouda sogar günstiger. Vieles ist aber auch deutlich teurer. Bei vier Euro für 100 Gramm Bio-Salami will jede Scheibe gründlich überlegt sein. Ein Hähnchen in der Kühltruhe – immerhin ein 2,6-Kilo-„Brocken“ – schlägt mit rund 30 Euro zu Buche, ein Pfund Rindergulasch mit elf Euro.

Ausgefallenere oder gar exotische Produkte kosten ebenfalls richtig Geld. Ob naturtrübes oder glutenfreies Bier, ob Bio-Limonade, frische Ziegenmilch, vegetarische „Holzfäller Hacksteaks“, Tofu-Wurst oder fleischfreie Ravioli. Im Sortiment sind aber auch Tütensuppen, Konserven, Kekse, Chips und Schokolade – allerdings keine Massenproduktion.

„Bisher habe ich manche Sachen nur im Reformhaus bekommen“, sagt ein älterer Kunde, „und dort war es auch nicht billig.“ Bei manchen Lebensmittelpreisen frage er sich auch, wie die überhaupt möglich seien. „So billig kann gar nicht gut sein.“

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