Nach dem dritten Brand sind viele Bewohner der Hochhäuser in Sorge. Die Polizei setzt mehr Kräfte in West ein, hat aber noch keine heiße Spur.

Feuer
Die Bewohner wurden nach der Räumung des Hauses vorübergehend in einem Rheinbahnbus versorgt und betreut.

Die Bewohner wurden nach der Räumung des Hauses vorübergehend in einem Rheinbahnbus versorgt und betreut.

Zum dritten Hochhaus-Einsatz innerhalb weniger Tage musste die Feuerwehr Sonntagnacht ausrücken.

Feuerwehr, Bild 1 von 2

Die Bewohner wurden nach der Räumung des Hauses vorübergehend in einem Rheinbahnbus versorgt und betreut.

Ratingen. Die einzige gute Nachricht: Die ins Krankenhaus eingelieferte Schwangere sei nur leicht verletzt worden, teilte die Polizei auf Anfrage mit. Ansonsten geht nach dem dritten Brand in West die Angst um. „Die Sorge im Haus ist riesig. Einigen älteren Leuten schlottern immer noch die Knie.“ Werner Graf, Vorsitzender des Verwaltungsbeirats des „Lindwurms“, war am Montag pausenlos auf Achse – um zu beruhigen und zu organisieren.

Polizei verstärkt ihre Präsenz durch mehr Streifen- und Zivilbeamte

Die Brandserie treibt die Menschen um, täglich schießen Gerüchte ins Kraut. Tatsache ist, dass nach dem dritten Feuer in kurzer Zeit viele Bewohner der Hochhäuser in West ein „ungutes Gefühl“ haben, wie es Erwin Kaldenbach formulierte. In seinem Haus an der Berliner Straße habe die Verwaltung per Aushang darauf hingewiesen, dass die Türen immer verschlossen sein müssen. „Aber Paketdienste oder Handwerker legen schon mal den Riegel um.“ Recht sicher fühlen sich dagegen Margarete und Richard Pichola im Haus Nummer 85. „Ohne Schlüssel kommt man nicht in den Keller. Außerdem kontrolliert ein Mitbewohner abends alle Eingangstüren.“

Experten der Kripo hatten den Brandort im Haus Berliner Straße gestern noch versiegelt. Die Polizei hat eine Sonderkommission eingerichtet und wird „verstärkt Präsenz im Stadtteil West zeigen“, sagte Sprecher Frank Sobotta. Die „verdeckten und offensiven Maßnahmen“ würden intensiviert. Dabei seien nicht nur mehr Streifenwagen, sondern auch Zivilbeamte im Einsatz. Dafür hat die Polizei Verstärkung aus anderen Städten im Kreis angefordert. Zudem laufen noch die Befragungen von Zeugen. Wegen der räumlichen Nähe der Brandorte geht die Polizei zurzeit „verstärkt“ von einem Einzeltäter aus. Es könne sich aber auch um einen sogenannten Trittbrettfahrer handeln, sagte Sobotta. Noch sei alles „Stochern im Nebel“.

Zugang zum Brandbereich soll verschlossen gewesen sein

Während in dem Haus an der Erfurter Straße der Keller frei zugänglich war, soll der Raum im Erdgeschoss, in dem an der Berliner Straße das Feuer gelegt wurde, normalerweise abgeschlossen sein. Doch wurde dessen Tür kürzlich aufgebrochen. Verwunderlich ist aber, dass der Bereich, der zu dem aufgebrochenen Raum führt, in der Brandnacht verschlossen gewesen sein soll. Werner Graf: „Die Feuerwehr musste sich erst die passenden Schlüssel aus dem Depot holen, um Zugang zum Brandherd zu bekommen.“ Die Brandschutztür sei wie die Haustür durch eine Schließanlage abgesichert.

Der Verwaltungsbeirat des Lindwurms hat 1000 Euro Belohnung ausgesetzt. Der Sachschaden wird auf mehrere 10 000 Euro geschätzt.

Risiko Gerade Brände in Kellern seien für die Einsatzkräfte hochgefährlich, sagte Joachim Herbrand von der Feuerwehr. In den engen Räumen herrsche null Sicht, die Wehrleute tasten sich auf allen Vieren voran, um den Brandherd lokalisieren zu können.

 

Sicherheit Herbrand rät allen Bewohnern in Hochhäusern, im Brandfall in der Wohnung zu bleiben. Wenn das Treppenhaus oben rauchfrei ist, kann es unten völlig verraucht sein. „Dann reichen schon zwei Meter, um sich völlig zu verlaufen.“

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