Porträt: Der 65-Jährige gelernte Landwirt aus Ratingen ist einer von wenigen Experten, die ein Schaf scheren können.

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Ran ans Fell: Adalbert Zirr (l.) und Helfer Etienne Meuschke zeigen an Schaf Paulchen auf dem Abenteuerspielplatz in Hilden, wie die Wolle abgeschoren wird.

Ran ans Fell: Adalbert Zirr (l.) und Helfer Etienne Meuschke zeigen an Schaf Paulchen auf dem Abenteuerspielplatz in Hilden, wie die Wolle abgeschoren wird.

Dirk Thom

Ran ans Fell: Adalbert Zirr (l.) und Helfer Etienne Meuschke zeigen an Schaf Paulchen auf dem Abenteuerspielplatz in Hilden, wie die Wolle abgeschoren wird.

Ratingen. „Es ist eine Fähigkeit, die nicht viele können“, sagt Adalbert Zirr selbstbewusst. Vorsichtig setzt er mit der einen Hand die scharfe Schermaschine an, während er mit der anderen die schon mal 100 Kilogramm schweren Schafe festhält.

„Man braucht viel Kraft, um die Tiere unter Kontrolle zu haben. Gleichzeitig ist Gefühl gefragt, denn man schneidet sehr knapp über der Haut“, beschreibt der Ratinger die Tätigkeit. Seit mehr als 30 Jahren schert der 65-Jährige Schafe, als einer von wenigen in der Region.

Im Mai und Juni hat der Schafscherer Hochsaison

Mittlerweile ist Zirr Rentner, doch Schafe befreit er immer noch von ihrem Fell. „Die Besitzer sind meist heilfroh, jemanden zu finden, der die Arbeit machen kann“, sagt er. Etwa 50 Schafe hat er in diesem Juni geschoren, unter anderem die vom Abenteuerspielplatz in Hilden. „Mai und Juni ist die Hauptsaison. Manchmal kommt noch jemand, der spät dran ist.“

Die Weltbesten scheren ein Schaf in 30 Sekunden

Angefangen hat Zirr Ende der 1970er-Jahre. Als gelernter Landwirt kannte er sich mit den Tieren schon ein wenig aus. „Von ’78 bis ’91 besaß ich selbst Schafe“, sagt er. Um diese eigenständig zu scheren, belegte er einen Lehrgang in Kleve. „Da haben das wir von erfahrenen Scherern erklärt bekommen und dann zu dritt tagelang geübt.“

Schnell schor Zirr auch die Tiere von anderen. Vor allem von Personen, die keine großen Herden haben. „Die holen sich auch heute noch Profis, die mit mehreren Mann anrücken“ – und schnell sind. Zwei bis drei Minuten brauchen geübte Scherer, um die Wolle vom Schaf zu holen.

In Deutschland gibt es wenige professionelle Schafscherer. Die meisten üben die Tätigkeit als Nebenerwerb aus. In Neuseeland und Australien, wo der Beruf seinen Ursprung hat, gibt es hingegen tausende professionelle Schafscherer.

Im Schafscheren werden auch Wettkämpfe ausgetragen bis hin zur Weltmeisterschaft. Dabei geht es um Schnelligkeit im Einklang mit sauberem Scheren und dem Wohl des Schafes.

Die besten der Welt schaffen es in 30 Sekunden. „Ich bin vielleicht nie der Schnellste geworden. Aber fünf bis zehn Minuten zu brauchen, ist ja auch nicht schlimm. Lieber gründlich als gefährlich“, sagt Zirr.

Schlimmes ist weder ihm noch seinen Schafen bislang passiert. „Kleine Verletzungen sind schon mal vorgekommen. Einmal habe ich ein Schaf an der Zitze verletzt. Es hatte zum Glück keine Kinder“, sagt der Rentner, der auch noch im Bereich der Landschaftsgärtnerei aktiv ist: Er pflegt und gestaltet andere, aber auch den eigenen Garten.

Und er befasst sich mit Entwicklungspolitik. Früher war er jahrelang in Senegal aktiv und hat bei der ländlichen Entwicklung geholfen. „Landwirtschaftliches Wissen vermitteln, Brunnen bauen“, nennt Zirr Beispiele.

Geld lässt sich mit Wolle nicht verdienen

Schafe hat er dort aber nicht geschoren. Kompliziert kann dabei – neben „dem Zappeln mancher Tiere“ – die Beschaffenheit des Fells sein. „Wenn es filzig ist, ist es schwer, einen Anfang zu kriegen“, erklärt Zirr.

Im Winter, bei niedrigen Temperaturen, benötigen die Schafe ein dickes Fell. Damit die Tiere im Sommer keinen Hitze-stau erleiden und sich keine Parasiten im Pelz einnisten können, ist das Scheren dann erforderlich. Zirr macht der gerne. „Gute Worte reichen nicht, man muss auch mit Taten helfen.“ Und natürlich sei es auch ein kleiner Nebenverdienst. Mit der Wolle lasse sich bei den geringen Preisen heute aber kein Geld mehr verdienen.

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