Ein Mal jährlich überprüfen Gartenbaumeister und Steinmetz, ob die Steine auf den Friedhöfen sicher sitzen.

Esther Klemmt und Heribert Müller überprüfen mit Hilfe eines Kipptesters die Standfestigkeit eines Grabsteins.
Esther Klemmt und Heribert Müller überprüfen mit Hilfe eines Kipptesters die Standfestigkeit eines Grabsteins.

Esther Klemmt und Heribert Müller überprüfen mit Hilfe eines Kipptesters die Standfestigkeit eines Grabsteins.

Dietrich Janicki

Esther Klemmt und Heribert Müller überprüfen mit Hilfe eines Kipptesters die Standfestigkeit eines Grabsteins.

Was wirklich in ihm steckt, sieht man ihm nicht an. Er ist klein und handlich, wirkt fast niedlich und macht einen unscheinbaren Eindruck: der Kipptester. Was sich nach einer Spielerei aus der Kneipenszene anhört, ist ein wichtiges Instrument zur Sicherheit. Ein Mal jährlich überprüfen Steinmetzmeisterin Esther Klemmt und Gartenbaumeister Heribert Müller mit dem etwa 2,5 Kilo schweren Gerät, ob die Grabsteine sicher stehen.

Angehörige haben vier Wochen Zeit, sich zu melden

„Das ist keine Druckprobe“, erklärt der Fachmann, „dafür müssen langsam und mit Gefühl 0,5 Kilonewton gleichmäßig auf das Objekt verteilt werden.“ Klingt simpel, ist es aber nicht. Denn mindestens zwei Sekunden müssen sich Esther Klemmt und der Kollege mit besagtem Kipptester gegen den zu überprüfenden Stein stemmen. „Das geht ganz schön an die Substanz“, wissen beide. Ein akustisches Signal gibt das Zeichen, ob alles okay ist.

Wichtigste Accessoires sind außer dem Kipptester ein Plan, auf dem sämtliche Grabstätten verzeichnet sind, sowie leuchtend gelbe Aufkleber. „Unfallgefahr!“ steht darauf unübersehbar. Sie werden auf dem betreffenden Grabstein platziert, wenn er den Anforderungen nicht entspricht. Postalisch wird der Grabhalter angeschrieben, dass vom Fachmann die Grabstelle wieder instand gesetzt werden muss. Sind vier Wochen ergebnislos verstrichen, folgt ein Erinnerungsschreiben. „Hat jemand kein Geld, den Schaden zu regulieren, erfolgt eine Umbettung.“ Oft ist es Detektivarbeit, die geleistet wird.

„Anschriften ändern sich, Menschen heiraten und haben neue Namen“, sagt Heribert Müller. Fünf städtische Friedhöfe zählt die Stadt, etwa 16 000 Grabstellen gibt es insgesamt, die Hälfte davon ist mit einem Grabstein geschmückt. Sie alle müssen gecheckt werden. Und beim Kontrollgang geht es natürlich dann am schnellsten, wenn der Prüfling frei zugänglich ist. So schön also Buchen und Zypressen rund um Gräber aussehen, „wenn alles zugewachsen ist, müssen wir uns unseren Weg suchen“, sagt das Duo.

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