Die Ratinger Feuerwehr probte am Mittwoch den Ernstfall: die Bergung eines Menschen aus dem ein Grad kalten Wasser des Grünen Sees.

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Markus Rasp zieht seinen ins Eiswasser eingebrochenen Kollegen Jörn Dietrich auf den Rettungsschlitten.

Markus Rasp zieht seinen ins Eiswasser eingebrochenen Kollegen Jörn Dietrich auf den Rettungsschlitten.

Pierre-Claude Hohn

Markus Rasp zieht seinen ins Eiswasser eingebrochenen Kollegen Jörn Dietrich auf den Rettungsschlitten.

Ratingen. Mühsam zwängt sich Jörn Dietrich in den Rettungsanzug. "Ein bisschen Magengrummeln hab ich schon", gibt der 35-jährige Brandmeister zu. Schließlich habe er einen solchen Einsatz nicht allzu oft vor der Brust. Sein Auftrag lautet: sich in die eiskalten, halb gefrorenen Fluten des Grünen Sees zu stürzen und auf Hilfe zu warten. Allein der Gedanke daran lässt ihm das Blut in den Adern gefrieren.

"Eisrettung" heißt die Übung, zu der Mittwochnachmittag die Ratinger Feuerwehr ausrückte. Am und im ehemaligen Baggersee im Westen der Stadt sollte der winterliche Ernstfall geübt werden.

Die Overalls sind wasserdicht, schützen vor Kälte und geben Auftrieb

Während also Jörn Dietrich das Opfer spielt, mimt sein Kollege Markus Rasp (27) den Retter. Auch Rasp steckt in einem der Ganzkörper-Spezialanzüge aus Kunststoff, wie sie sonst auf Bohrinseln oder Segelschiffen zum Einsatz kommen. Die orangefarbenen Overalls sind wasserdicht, schützen vor der arktischen Kälte und geben obendrein Auftrieb.

Wenige Augenblicke, nachdem Dietrich eingebrochen ist, macht sich Rasp an die Arbeit. Er steht auf dem Rettungsschlitten, einem Katamaran-ähnlichen Gefährt, das weder umkippen noch sinken kann und zudem mit einem Seil von Land aus gesichert ist. Um auf der glatten Oberfläche vorwärtszukommen, nutzt Markus Rasp sein Paddel wie einen Eispickel und zieht sich langsam, aber sicher nach vorne. Nach wenigen Metern ist die Einbruchsstelle erreicht. Rasp packt seinen Kollegen und zerrt ihn auf den Mittelteil des Rettungsschlittens.

Nicht jeder hält sich an die Verbotsschilder

"In den vergangenen Jahren wurden wir von solchen Unfällen zwar verschont", erklärt Brandamtmann Michael Wolfsdorf. "Aber wir müssen stets auf alles gefasst sein." Denn gerade der Grüne See locke ganzjährig die Besucher an. Im Frühjahr und Sommer kommen die Sonnenhungrigen und die Wasserratten, im Winter die Spaziergänger - und vor allem die Kinder, die auf dem vermeintlich zugefrorenen See Hockey spielen. Zwar sind Schwimmen und das Betreten der Eisdecke verboten, entsprechende Schilder gibt es überall - aber lange nicht jeder hält sich daran.

"Bricht jemand ins Eis ein, nicht hinterherstürmen", sagt Brandamtmann Michael Wolfsdorf. "Hinlegen, um das eigene Gewicht zu verteilen und langsam Richtung Einbruchsstelle robben. Aber nicht bis direkt ans Loch, dort kann das Eis nachbrechen."
Der Experte empfiehlt, dem Verunglückten "irgendetwas Langes" zu reichen. "Das kann ein Ast sein, ein Schläger, wenn Kinder Eishockey gespielt haben, ein Schirm oder einfach nur eine Jacke. Etwas, an dem sich das Opfer festhalten und mit dem es herausgezogen werden kann."

An erster Stelle steht: Verbotsschilder unbedingt beachten. Und für Eltern: ihre Sprösslinge sensibilisieren, welche Gefahren von zugefrorenen Seen ausgehen.

"Im Sommer haben wir hier regelmäßig Probleme", berichtet Wolfsdorf. "Die Leute unterschätzen die Strömung und die unterschiedlichen Wassertemperaturen." Todesfälle sind am Grünen See keine Seltenheit.

Jetzt, im Winter, lauere die Gefahr schon wenige Meter jenseits des Uferbereichs. "Man muss sich das mal vorstellen", sagt Michael Wolfsdorf. "In dieser Eiseskälte hält der Mensch maximal drei, vier Minuten aus. Schließlich hat der See zurzeit gerade ein, zwei Grad." Dabei sinke die Körpertemperatur dramatisch ab, und das Reaktionsvermögen lasse nach.

"Selbst, wenn es will: Das Opfer kann einen greifbar nahen Ast nicht mehr packen." Daher sei eine schnelle Rettung umso wichtiger. "Ein Eingebrochener muss so schnell wie möglich raus aus dem Wasser", sagt Michael Wolfsdorf. "Und dafür üben wir. Sonst ist es zu spät."

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