Aktion: Das neu gestaltete Industriemuseum Ratingen nutzte die Museumsnacht als Bühne.

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Im Brügelmannschen Speisezimmer mit Besuchern und den Herrschaften am Tisch (von links): Prinzessin Luise und ihre Erzieherin Salome Gelieu, Tuchfabrikant Johann Arnold von Clermont, Tante Johanna Maria Bredt und Köchin Marie, die gerade einen Kakao einschenkt.

Im Brügelmannschen Speisezimmer mit Besuchern und den Herrschaften am Tisch (von links): Prinzessin Luise und ihre Erzieherin Salome Gelieu, Tuchfabrikant Johann Arnold von Clermont, Tante Johanna Maria Bredt und Köchin Marie, die gerade einen Kakao einschenkt.

Pierre-Claude Hohn

Im Brügelmannschen Speisezimmer mit Besuchern und den Herrschaften am Tisch (von links): Prinzessin Luise und ihre Erzieherin Salome Gelieu, Tuchfabrikant Johann Arnold von Clermont, Tante Johanna Maria Bredt und Köchin Marie, die gerade einen Kakao einschenkt.

Ratingen. Der Tisch ist festlich gedeckt, die Kerzen in den Kandelabern flackern und spiegeln sich im blank polierten Tafelsilber. Zu Tisch sitzen die hohen Herrschaften von Cromford: Zwar sind die Hausherren Johann Gottfried und Anna Christine Brügelmann gerade außer Haus, doch eine Cousine vertritt die Eheleute bei diesem festlichen Diner. Zu Gast sind der Aachener Tuchfabrikant Arnold von Clermont, ein Geschäftsfreund Brügelmanns und die Prinzessin Luise von Mecklenburg-Strelitz, spätere Königin von Preußen, die Ratingen mit ihrer Gesellschafterin im Rahmen einer Bildungsreise besucht. Auf die junge Adelige macht das prachtvolle Herrenhaus wenig Eindruck: "Alles ist so klein, es kommt mir vor wie ein Puppenhaus!"

Das Industriemuseum ist frisch renoviert und konzipiert

Da fällt Arnold von Clermont aus der Rolle und ist plötzlich wieder Martin Schmidt, wissenschaftlicher Referent im Textilmuseum Cromford. Denn diese Zeitreise ins späte 18. Jahrhundert ist nur gespielt und ein Höhepunkt im Programm der Nacht der Museen.

Doch so oder so ähnlich hat es sich tatsächlich zugetragen. Der Besuch der Prinzessin ist historisch verbürgt. Allerdings waren damals die zahllosen neugierigen Augenpaare nicht mit im Gartensaal des alten Herrenhauses. Der Termin der Museumsnacht ist dem Industriemuseum Cromford gerade recht gekommen, das Haus ist frisch renoviert und erstrahlt nun in neuem, altem Glanz. Es riecht sogar noch ein wenig nach Farbe.

Auch ohne Schauspieler wird die Geschichte lebendig

Nun kann man wieder ganz hautnah erleben, wie die Menschen damals gelebt und gearbeitet haben. In jedem Raum ist eine kurze Erläuterung an die Wand gemalt, zudem ein passendes Zitat des jeweiligen Bewohners. So erfahren die Besucher vieles über den damaligen Alltag. Dass etwa nur zweimal im Jahr Wäsche gewaschen wurde.

Im alten Kontor kann man nicht nur den imposanten , übermannsgroßen Geldschrank bewundern, sondern auch einmal selber versuchen, mit Federkiel und "Krapptinte" auf Büttenpapier zu schreiben. Das ist nämlich gar nicht so einfach.

Nicht nur Herrschaften haben hier gewirkt, sondern auch und vor allem die zahlreichen Dienstboten. Gekocht wird an diesem Freitagabend nicht in der Küche, sondern für alle sichtbar im Foyer des Hauses. Mit anpacken ist ausdrücklich erlaubt.

"Das ist schon was anderes, so ganz ohne Mikrowelle und Pürierstab", bemerkt Besucher Günter Kremer anerkennend. Nicht einmal fließendes Wasser hatten die Vorfahren.

Währenddessen gibt Martin Schmidt ein Stockwerk höher einen Crashkurs in Sachen Benimm: Wie nähert man sich einer echten Prinzessin? Eine junge Besucherin macht es schon gar nicht so schlecht, findet Schmidt. Ein männlicher Proband bekommt den gut gemeinten Rat, den Handkuss noch einmal zu üben, zuhause mit seiner Frau.

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