Zeuge und mutmaßlicher Geschädigter psychisch krank: Beschuldigte freigesprochen.

Die JVA Ulmer Höh
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Thea Weires

Die JVA Ulmer Höh

Wuppertal/ Velbert. Mit einer überraschenden Wendung ist am Dienstag der Prozess l um angebliche Gewalt unter Gefangenen in der JVA Ulmer Höh vor dem Landgericht Wuppertal zu Ende gegangen. Nachdem der als Geschädigter geltende Zeuge und Nebenkläger (21) den Vormittag über zu seiner Haftzeit vor sieben Jahren in Düsseldorf ausgesagt hatte, kam das Gericht sofort zu Plädoyers und Urteil: Freispruch für einen 21-jährigen Solinger, Einstellung des Verfahrens gegen seinen 27-jährigen Mitangeklagten aus Velbert.

Während der Zeugenaussage war die Öffentlichkeit ausgeschlossen, weil es um den Intimbereich des zur Tatzeit 17-jährigen Gefangenen aus Krefeld ging. Laut Anklage soll er in der Zelle vergewaltigt und mit einem Messer am Arm verletzt worden sein. Der Zeuge gilt als psychisch krank – er war es schon vor den mutmaßlichen Taten.

Prozessbeteiligte sind sich einig: Anklage nicht zu belegen

Laut Gutachter leidet er unter Depressionen, Angst- und Wahnvorstellungen, sieht sich von Dämonen bedroht. In der vergangenen war seine Vernehmung offenbar abgebrochen worden, weil er im Richter den Teufel sah. „Es war nicht mehr zu erwarten, dass die Aussage des Zeugen dazu führen würde, die Angeklagten zu überführen“, sagte Thorsten Anger, Pressesprecher des Gerichts, nach dem Urteil. Es habe Übereinstimmung zwischen Staatsanwaltschaft, Verteidigung und Nebenklage darüber bestanden, das Verfahren zu beenden.

Damit schloss der ursprünglich auf sieben Tage geplante Prozess nach wenig mehr als der Hälfte. Für den angeklagten Familienvater aus Solingen-Merscheid ist das Ergebnis ein Freispruch. Sein älterer Mitangeklagter aus Velbert ist noch voraussichtlich bis 2015 wegen anderer Taten in Strafhaft. Gegen ihn wurde das Verfahren eingestellt.

Bereits vor einem Jahr hatte das Amtsgericht Solingen versucht, die Vorgänge im „Haftraum 310“ des Jugendhauses im Düsseldorfer Gefängnis aufzuklären. Damals hatten sie nach einer Aussage des gleichen Zeugen das Verfahren an das Landgericht verwiesen – eine schwerwiegende Verurteilung war damals möglich erschienen.

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