Mit Ausnahme der Bündnisgrünen verlieren alle Parteien Mitglieder. Ursache ist nicht nur Politikverdrossenheit.

Noch 2400 Mitglieder hat die SPD im Kreis Mettmann. Vor zehn Jahren waren es 1200 mehr. Die Partei leidet unter Überalterung.
Noch 2400 Mitglieder hat die SPD im Kreis Mettmann. Vor zehn Jahren waren es 1200 mehr. Die Partei leidet unter Überalterung.

Noch 2400 Mitglieder hat die SPD im Kreis Mettmann. Vor zehn Jahren waren es 1200 mehr. Die Partei leidet unter Überalterung.

dpa

Noch 2400 Mitglieder hat die SPD im Kreis Mettmann. Vor zehn Jahren waren es 1200 mehr. Die Partei leidet unter Überalterung.

Kreis Mettmann. Auf der Beliebtheitsskala rangieren Politiker auf Augenhöhe mit Gerichtsvollziehern, Politessen und Geldeintreibern von Inkassobüros – behaupten böse Zungen. Tatsache ist: Politikverdrossenheit, Protestwahlverhalten und Wahlverweigerung sind keine vereinzelten Phänomene, sondern Alltag.

Und Affären wie die um Bundespräsident Wulff sind nicht dazu angetan, neue Begeisterung für den Berufsstand Politiker zu entfachen. Besonders gelitten hatte zuletzt die FDP durch die Rangeleien und Rochaden an der Parteispitze. In der Folge gab es massive Verluste an Stimmen und Sitzen in den Parlamenten – und auch an Mitgliedern. Viele Liberale kehrten der Partei den Rücken.

„Wir haben jedes Quartal deutlich mehr Eintritte als Austritte, aber ein Vielfaches an Todesfällen.“

Kerstin Griese, Kreisvorsitzende der SPD

Wie haben sich die Turbulenzen um die FDP im Kreis Mettmann auf die Parteien ausgewirkt? Hat die politische Konkurrenz von den negativen Schlagzeilen der Liberalen profitiert oder hat sie ebenfalls Federn lassen müssen?

„Der Schwund hält sich zum Glück in Grenzen“, sagt die Ratinger FDP-Vorsitzende Hannelore Hanning. Drei oder vier Austritte habe es auf Stadtebene gegeben, die rückläufigen Mitgliederzahlen resultieren hauptsächlich aus Umzügen oder Todesfällen. „Eigentlich ist es ja erfreulich, dass trotz der Ereignisse auf Bundesebene die meisten dabeibleiben.“ Das gelte auch für den Kreisverband, sagt die Vorsitzende des mitgliederstärksten Stadtverbandes.

Die Mitgliederzahlen sprechen allerdings eine andere Sprache. In Ratingen zählt die FDP derzeit 78 Mitglieder, nachdem sie noch kürzlich an der 100er-Marke gekratzt hat, auf Kreisebene sind es rund 400 Liberale, schätzt Hanning. Vor ein paar Jahren waren es noch 460. Die genauen Zahlen kennt Kreisvorsitzender Dirk Wedel, der aber nicht erreichbar war.

Auf Kreisebene etabliert sind CDU, SPD, Bündnis 90/Die Grünen, FDP, Die Linke. Diese Parteien sind auch im Kreistag.

 

Mit derzeit rund 3150 Mitgliedern ist die CDU immer noch stärkste Partei im Kreis Mettmann. Mitgliederschwund: rund 100 im Jahr. Die SPD zählt momentan 2400 Mitglieder, auch sie verliert knapp 100 Parteimitglieder im Jahr. Rund 400 Mitglieder kann die Kreis-FDP aufweisen, Tendenz sinkend. Einzig die Grünen verzeichnen ansteigende Mitgliederzahlen – aktuell 300.

 

„Kaum Austritte“, sagt SPD-Kreisvorsitzende Kerstin Griese erfreut, dennoch seien die Mitgliederzahlen rückläufig. Vor zehn Jahren hatten noch 3800 Menschen das SPD-Parteibuch, heute sind es 2400. Das Hauptproblem der Kreis-SPD ist der Altersdurchschnitt der Mitglieder von rund 60 Jahren. „Wir haben jedes Quartal deutlich mehr Eintritte als Austritte, aber ein Vielfaches an Todesfällen“, sagt Griese.

Austrittswelle wegen Unzufriedenheit mit Ortsverband

„Drei Prozent Minus – das liegt leider im normalen Rahmen“, beziffert Jan Heinisch, Vorsitzender der Kreis-CDU, den Mitgliederverlust. Aus seiner Sicht sind es weniger Bundes- oder Landesthemen, sondern lokale Gegebenheiten, die die CDU-Leute zum Austritt bewegen. Parteiinterner Streit in Hilden habe zehn Prozent Mitglieder gekostet. Noch dramatischer war es vor einigen Jahren in Ratingen, als aus Protest gegen die CDU-Politik die Bürger-Union gegründet wurde.

In Langenfeld steigen die Zahlen. Von dem Wirbel um die FDP hat die CDU allerdings nicht profitieren können. Rund 100 Parteimitglieder kehren ihr jährlich den Rücken, aktuell haben noch 3150 das Parteibuch.

„Tendenz steigend“ – Peter Knitsch, Kreisvorsitzender der Grünen hat gut lachen. Seine Partei legt stetig zu. In den vergangenen zwei Jahren schraubten 40 Eintritte die Mitgliederzahl auf rund 300. Vor zehn Jahren waren es erst 200. Die Grünen haben allerdings auch kein demografisches Problem, der Altersdurchschnitt liegt bei 40 bis 50 Jahren. „Mit fällt jetzt auch kein Fall ein, wo zuletzt jemand aus politischen Gründen ausgetreten ist“, sagt Knitsch. Das sei vor Jahren, als es um Kriegseinsätze im Kosovo und in Afghanistan ging, noch ganz anders gewesen.

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