Noch ist der Begriff außerhalb des Kreisgebietes kaum bekannt. Ein Konzept für den Tourismus wird jetzt erstellt.

Bei einer Umfrage des Kölner Institutes für Freizeit- und Tourismusberatung wurde der Kreis Mettmann als interessant für Wanderer eingestuft.
Bei einer Umfrage des Kölner Institutes für Freizeit- und Tourismusberatung wurde der Kreis Mettmann als interessant für Wanderer eingestuft.

Bei einer Umfrage des Kölner Institutes für Freizeit- und Tourismusberatung wurde der Kreis Mettmann als interessant für Wanderer eingestuft.

Dirk Thomé

Bei einer Umfrage des Kölner Institutes für Freizeit- und Tourismusberatung wurde der Kreis Mettmann als interessant für Wanderer eingestuft.

Kreis Mettmann. In Sachen Tourismus ist der Kreis Mettmann verglichen mit anderen Regionen in Nordrhein-Westfalen ein fast noch unbeschriebenes Blatt. Lassen die Übernachtungszahlen in den Städten dank der Nähe zur Düsseldorfer Messe noch einen gewissen Zuspruch vermuten, so sieht es mit Urlaubern und ihren Zielen im Kreisgebiet - oder auch im Neanderland - etwas schlechter aus. Wenn es so etwas wie Tourismus gibt, dann nur für einen Tag und - wenn es sich machen lässt - für eine Nacht.

Ein Tourismuskonzept soll sagen, wie es zukünftig besser gehen könnte. Ideen sind gefragt. So, wie es die CDU-Fraktion im Kreisausschuss für Kultur und Tourismus jetzt mit dem Gedanken einer "Neanderlandroute" anregt. Ob der "Blaue See" in Ratingen, die historische Altstadt Langenbergs, der Nevigeser Dom, der Wülfrather Zeittunnel, das historische Dorf Gruiten, das Neanderthal Museum oder die Rheinpromenade in Monheim - der Freizeitwert dieser Orte ist unbestritten. Die CDU schlägt vor, eine "Neanderlandroute" durchs Kreisgebiet zu planen. Die Tagesetappen mit Ein- und Ausstiegen an möglichst vielen attraktiven Sehenswürdigkeiten sollen so organisiert sein, dass sie in der Nähe von Übernachtungsmöglichkeiten enden.

600 Personen wurden über den Kreis Mettmann telefonisch befragt

Glaubt man jedoch den Aussagen von 600 Personen - darunter 200Bürger des Kreises Mettmann -, die von dem Institut für Freizeit und Tourismusberatung (ift) telefonisch befragt wurden, so ist es allerdings mit einer "Neanderlandroute" alleine nicht getan. Die Kölner Tourismus-Berater wurden vom Kreis Mettmann beauftragt, eine Bestandsaufnahme und ein entsprechendes Konzept zu erarbeiten.

Auf die Frage nach Sehenswürdigkeiten oder Attraktionen im Kreis Mettmann wussten 64Prozent der 600 Befragten keine Antwort. Ein kleiner Trost, dass immerhin 63 Prozent der 200 Kreisbewohner eine Anziehungspunkt im Kreis nennen konnten. Es war - wie zu erwarten - das Neandertal und sein Museum.

Antwort: Mehr Wandern, weniger Einkaufen

Bedenklich ist auch, dass nur 300Personen - die meisten von ihnen aus dem Kreis Mettmann - etwas mit dem Namen Neanderland anfangen konnten. Natürlich in Verbindung mit dem Neandertaler und dem Neanderthal Museum.

Seit Anfang Juni beschäftigt sich das Institut für Freizeit und Tourismusberatung (ift) in Köln mit dem Tourismuskonzept für den Kreis Mettmann. Die Referenzliste des Institutes ist ein "Who is Who" der deutschen Urlaubsziele: Die Kölner haben Konzepte für das Land Brandenburg und das Land Sachsen-Anhalt ebenso entwickelt wie das touristisches Zukunftskonzept Harz 2015. In NRW hat ift Eifel und Sauerland mit der nötigen Werbung und richtigen Strategien versorgt. Mit dem Konzept unternimmt der Kreis Mettmann eine weitere Anstrengung, um sich im hart umkämpften Tourismusmarkt behaupten zu können. Zusammen mit den Städten wurde bereits im Jahr 2001 der Arbeitskreis Tourismus - dazu zählt auch das Neanderthal Museum und die Neanderland-Biennale - ins Leben gerufen.

Interessant sind die Antworten auf die Frage, für welche Aktivitäten sich der Kreis Mettmann eignet. Demnach dürften Freunde der Freiluft besonders willkommen sein. Wandern nannten 69 Prozent und Radwandern 49 Prozent der Befragten. Die vielfältigen kulturellen Aktivitäten kannten nur 28 Prozent. Sightseeing und Besichtigungen, Sport wie Reiten und Golfen, aber auch Einkaufen blieben jeweils unter 20 Prozent.

Dabei scheint es im Kreisgebiet mehr Potenzial zu geben. Das Kölner Institut griff dafür auf Erhebungen des Deutschen Wirtschaftswissenschaftlichen Instituts für Fremdenverkehr zurück. Demnach schätzten die Kölner den touristischen Bruttoumsatz für den Kreis Mettmann im vergangenen Jahr auf 379 Millionen Euro. Davon entfallen 156 Millionen Euro auf den Übernachtungstourismus und 223 Millionen Euro auf den Tagestourismus. Der Einzelhandel profitiert mit einem Anteil von 35 Prozent und die Gastronomie mit einem Anteil von 32Prozent des Bruttoumsatzes am stärksten von Tagestourismus und der Naherholung.

Natürlich kann ein solches Konzept nicht alleine vom Kreis getragen werden. Auch die Städte werden mit einbezogen. So untersuchte das Kölner Institut, wie die Kommunen ihre touristischen Themen vermarkten. Und kam zu der Erkenntnis, dass diese Themen stiefmütterlich in den Rathausetagen - Ausnahmen sind Velbert und Ratingen - behandelt werden. Das Thema Tourismus würde überwiegend als ergänzende Maßnahme der Standortpolitik und nicht als Schwerpunktthema gesehen.

Mit der Erstellung des Tourismuskonzeptes werden auch die vom Land geförderten Projekte im Kreis Mettmann wie der "Masterplan NaturKultour Neandertal" berücksichtigt. Und auch der geplante Imagefilm für das Neandertal soll von den Erkenntnissen der Kölner Tourismus-Fachleute profitieren.

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