Der Begriff „Neanderland“ soll jetzt auch noch Markenbegriff für Kultur und Freizeit im gesamten Kreis Mettmann werden.

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Könnte eine solche Postkarte mit Motiven aus dem Neanderland wie der Baumberger Seenplatte, dem Langenberger Dom, dem Rhein oder Regiobahn Karriere machen? Die Meinungen darüber gehen auseinander.

Könnte eine solche Postkarte mit Motiven aus dem Neanderland wie der Baumberger Seenplatte, dem Langenberger Dom, dem Rhein oder Regiobahn Karriere machen? Die Meinungen darüber gehen auseinander.

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Könnte eine solche Postkarte mit Motiven aus dem Neanderland wie der Baumberger Seenplatte, dem Langenberger Dom, dem Rhein oder Regiobahn Karriere machen? Die Meinungen darüber gehen auseinander.

Kreis Mettmann. Professor Bernd Günter ist ein gern gesehener Gast im Kreishaus in Mettmann. Mindestens einmal pro Jahr lässt es sich der Gelehrte für Betriebswirtschaft mit Schwerpunkt Marketing nicht nehmen, über sein „liebstes Kind“ zu referieren: die Marke „Neanderland“.

In der kommenden Woche wird er wieder in Mettmann sein und die Marke erneut lobpreisen. Seine These: Sie kann den Kreis Mettmann populärer machen. Und das klingt in vielen Ohren im Kreishaus wie eine wunderschöne Melodie. Diese Menschen sind wie Günter davon überzeugt, „dass sich die Marke in den Köpfen der Menschen durchsetzen wird“. Bisher scheint die Strahlkraft von „Neanderland“ jedoch eher schwach.

„Ich finde, dass das der beste Begriff für unsere Region ist, mit dem der Kreis werben kann.“

Johannes Sühs, Betreiber der Wasserskianlage in Langenfeld

„Ich persönlich kenne den Begriff nicht und habe auch noch nie gehört, dass der Kreis Mettmann sich als Neanderland bezeichnet“, sagt Birgit Ströter vom Landschaftsverband Rheinland, dem Träger etlicher Museen, zum Beispiel des Industriemuseums Cromford in Ratingen. Grundsätzlich findet sie die Idee gut, dass eine Region sich einheitlich mit einer Marke präsentieren will.

Auf offene Ohren mit seiner Idee stößt der Kreis Mettmann ausgerechnet im Süden des Kreises Mettmann, wo in der Regel eher die Kritiker der Marke sitzen. Sagte der Langenfelder Bürgermeister Frank Schneider doch vor einiger Zeit, dass „wir hier nicht Neanderland sind. Langenfeld ist viel zu weit weg vom Neandertal, als dass es mit der Marke assoziiert wird“.

Doch Johannes Sühs, Betreiber der Wasserskianlage, befürwortet die Marke. „Ich finde, dass das der beste Begriff für unsere Region ist.“ Er würde sich nicht davor verschließen, mit der Marke zu werben, zum Beispiel mit dem Slogan: „Wasserskianlage Langenfeld im Neanderland“. „Doch da müsste der Kreis uns mit ins Boot holen und auf uns zukommen“, sagt er.

Kein Verständnis für die Gegner der Marke

Ende der 1990er-Jahre riefen die Kulturamts- und Kulturabteilungsleiter aus den Städten und der Kreisverwaltung sowie Leitungen der Museen die kulturtouristische Marke „Neanderland“ ins Leben. Seit einigen Jahren präsentiert sich der Kreis auf Tourismusmessen daher als Neanderland.

Professor Dr. Bernd Günter (65) ist Dekan der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf und Inhaber des Lehrstuhls für Betriebswirtschaft mit Schwerpunkt Marketing. Günter lebt seit rund 20 Jahren in Mettmann und gilt als Kenner der Marke überhaupt.

Auch Manfred Parageit, der den Campingplatz in Monheim betreibt, könnte sich Werbung unter der Marke vorstellen. „Ich kann nicht verstehen, dass es hier im Südkreis so viele Gegner der Marke gibt. Wenn es der Werbung für Kultur- und Tourismusangebote dient, warum sollte das schlecht sein?“, sagt er.

Bereits unter dem „Neanderland“ firmiert das Neanderthal Museum auf Messen wie der Internationalen Tourismusmesse Berlin. „Bei den Besuchern kommt das gut an“, sagt Marketingchef Roland Ebbing. „Der Begriff Neanderland ist deshalb so vorteilhaft, weil er Neugierde weckt.“

Die Meinung der Kulturamtsleiter zur Marke ist zwiegespalten. Der Kulturdezernent der Stadt Ratingen, Dirk Tratzig, ist einer der großen Kritiker der Marke. Für ihn käme es nicht infrage, kulturelle Veranstaltungen mit der Marke Neanderland zu bewerben. So sagte er gegenüber der WZ: „Das ist alles völliger Unsinn. Der Kreis Mettmann sollte das Geld, dass er zur Vermarktung der Marke ausgibt, lieber sparen.“

Anders ist die Position der Wülfrather Kulturamtsleiterin Andrea Gellert. Sie spricht sich für die Vermarktung Wülfrather Kultureinrichtungen unter der Marke Neanderland aus. Und das, obwohl der Kreis der Stadt erst vor kurzem eine herbe Absage erteilt hat, als Wülfrath in Mettmann anfragte, ob der Kreis nicht die Trägerschaft des Museums Zeittunnel, übernehmen könne. Das ist nämlich von der Schließung bedroht.

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