Wer den gefiederten Nachbarn ein Zuhause geben will, sollte sich sputen. Viele Vögel sind jetzt auf der Suche. Sogar Spatzen können Hilfe dringend brauchen.

Hilden/Haan. Noch denken die meisten beim Blick auf den Schnee in Zusammenhang mit der heimischen Vogelwelt an Futterhäuschen und Meisenknödel, da wirbt die Nabu-Gruppe Hilden schon für den Wohnungsbau der besonderen Art: Nistkästen. "Es wird nun höchste Zeit, wenn diese Brutsaison noch mitgenommen werden soll. Viele Vögel besetzen bereits die Brutreviere", sagt Wilhelm van Hurk vom Nabu Hilden.

Für diejenigen, die die Nistkästen des Vorjahres wieder nutzen wollen - was generell vollkommen in Ordnung ist - hat van Hurk einen wichtigen Hinweis, bevor die Kästen von den Resten der vorigen Brut befreit werden: "Vorher anklopfen. Es könnte sein, dass sich Vögel im Nistkasten ausruhen." Das Angebot fertiger Nistkästen für die verschiedenen Vogelarten im Fachhandel sei, wie die Hildener Naturschützer meinen, recht gut. "Eine Mischung aus verschiedenen Nistkastentypen hat sich bewährt." Es ist aber durchaus auch möglich, den gefiederten Nachbarn mit eigener Heimwerkerkunst unter die Flügel zu greifen.

Ein wahrer Spezialist für Nistkästen im Eigenbau ist der Gruitener Landschaftswächter Hans-Joachim Friebe, der seit Jahren Nistkästen für alle möglichen Vogelarten - vom Baumläufer bis zur Schleiereule - baut. Mit seinen Mitstreitern aus der Haaner Agnu bietet er auch preiswerte Bausätze an. "Für zehn Euro bekommt man einen super stabilen Kasten, der garantiert zehn Jahre hält", sagt der Fachmann und klopft lachend auf ein Exemplar aus massiven Holzplatten, das bei ihm im Keller liegt.

Vögel wollen es sicher haben - Design interessiert sie nicht

Die Einzelteile für die Bausätze lassen die Haaner Naturschützer in den Behinderten-Werkstätten des Mettmanner Benninghofs fertigen. Komplett mit Schrauben und Leim werden sie dann abgegeben.

Dass die Bruthöhle für Meise und Co. aber kein schlichter Holzkasten bleiben muss, zeigen einige Exemplare, aufwändig mit Stechbeitel und Lötkolben verziert , die bei Friebe an der Kellerwand hängen. Der Liebe zu Farbe und Schnickschnack ist keine Grenze gesetzt, wenn nur die Grundregeln von Größe und Einflugloch eingehalten werden, versichert Friebe: "Den Vögeln ist das vollkommen wurscht, die haben nichts anderes im Sinn, als einen sicheren Schlaf- und Brutplatz zu finden."

Die Kästen sollten möglichst wasserdicht sein und ein schräges Dach haben, damit Regen ablaufen kann. Das Einflugloch sollte je nach Vogelart einen Durchmesser von 26 bis 32 Millimeter haben.

Wichtig ist das die Kästen katzen- und mardersicher platziert werden, also an Häuserwänden oder Bäumen, so dass sie nicht von Räubern erreicht werden können. Allerdings müssen in der Nähe des Kastens Bäume stehen oder sogar ein Ast bis in die Nähe des Einflugloches reichen.

Die Kästen sollten sonnen- und windgeschützt gehängt werden. Das Flugloch sollte in Richtung Osten oder Südosten zeigen.

Und dass Vogel nicht gleich Vogel ist, und die unterschiedlichen Arten nicht nur unterschiedlich geformte und große Einfluglöcher brauchen, zeigt Friebe an einem ganz besonderen Exemplar, dessen Bauanleitung er aus Holland importiert hat: Das "Spatzenhotel". Das sind quasi drei Nistkästen in einem extra breiten Kasten mit weit überstehendem Deckel. "Der Spatz ist ein Kolonievogel und brütet am liebsten in Gesellschaft."

Und wenn auch an einigen Stellen wieder vermehrt Spatzen auftauchen, betont Friebe, dass dieser sprichwörtlich in Massen vorkommende, eher gewöhnliche Vogel stark bedroht ist: "Da darf man sich nicht von punktuellen Beobachtungen täuschen lassen. Der Spatz ist nah daran, auf die Rote Liste der bedrohten Arten zu kommen."

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