Die Polizei setzte in der Gesamtschule mit Unfallfotos und eindringlichem Augenzeugenbericht auf Abschreckung.

Die Polizei setzte in der Gesamtschule mit Unfallfotos und eindringlichem Augenzeugenbericht auf Abschreckung.
Mit der Aktion „Crash Kurs NRW“ setzt die Polizei bei jungen Verkehrsteilnehmern auf Prävention durch Abschreckung.

Mit der Aktion „Crash Kurs NRW“ setzt die Polizei bei jungen Verkehrsteilnehmern auf Prävention durch Abschreckung.

Ulrich Bangert

Mit der Aktion „Crash Kurs NRW“ setzt die Polizei bei jungen Verkehrsteilnehmern auf Prävention durch Abschreckung.

Velbert. Ein junger Fahrer ist im Auto eingeklemmt und schreit vor Schmerz, ein Motorradfahrer liegt mit mehrfachen Knochenbrüchen auf der Autobahn, Eltern finden ihren schwer verletzten Sohn nach einem Unfall auf der Fahrbahn liegend. Es sind diese Szenen, die den vier Augenzeugen bei der Präventionsveranstaltung „Crash Kurs NRW“ nicht aus dem Kopf gehen. Eine Polizistin, ein Rettungssanitäter, ein Seelsorger und ein Unfallopfer berichteten in der Gesamtschule Velbert vor 500 Schülern – auch mit Gästen aus Heiligenhaus – von fatalen Unfällen, die sie ihr Leben nicht vergessen werden. „Wir sind alle Unfallopfer“, sagte Seelsorger Guido Boes mit Blick auf die Rednerbank. „Nicht körperlich, aber seelisch.“

Die längsten 60 Minuten aus dem Leben eines Seelsorgers

Die 17- bis 19-Jährigen ließen sich in die tragischen Geschichten hineinziehen, wurden mit der zunehmenden Intensität der Berichte immer angespannter. Als Polizistin Jessica Viehaus von einem Unfall am Silvesterabend mit einem eingeklemmten Jugendlichen in Ratingen berichtete, dessen Schreie ihr auch später nicht mehr aus den Ohren gingen, wurde es zunehmend ruhiger in der Aula. Als Rettungssanitäter Marcell Burowski von einem tödlichen Motorradunfall auf der A44 erzählte, hätte man eine Stecknadel fallen hören können. Und als schließlich Seelsorger Guido Boes im Detail schildert, wie er den Eltern einer 14-Jährigen die Nachricht vom Tod ihrer Tochter überbringen musste, nehmen sich zwei Schülerinnen im Publikum in den Arm.

Der Psychologe sparte kein Detail aus. Wie er mit zwei Polizisten gegen 17.30 Uhr in das Wohngebiet mit Reihenhäusern fuhr. Wie er das Fahrrad im Garten liegen sah. Wie er im Blick der Mutter beim Öffnen der Tür sehen konnte, dass sie bereits etwas ahnte. Wie sie eine Stunde lang nicht aufhören konnte zu weinen und nicht mehr in der Lage war zu telefonieren, als ihr Mann anrief. Und wie dieser eine Stunde brauchte, um von der Arbeit nach Hause zu kommen und Boes der Mutter diese Stunde schweigend gegenübersaß, weil kein Wort mehr Trost geben konnte. „Das waren die längsten 60 Minuten meines Lebens“, so Boes.

Die Polizei setzt mit der Veranstaltungsreihe „Crash Kurs NRW“ auf die eindringliche Wirkung – auch auf den Schockeffekt. Als das Bild eines mehrfach gebrochenen Arms übergroß auf die Wand projiziert wird, geht ein Raunen durch die Reihen. Auch das Foto des Verunglückten, der mit verdrehten Beinen im Rettungswagen liegt und später seinen Todeskampf verlieren sollte, ist schwer auszuhalten.

Die Schüler sollten am Ende eine klare Nachricht mitnehmen. Polizisten Ilka Steffens forderte auf: „Sorgt dafür, dass wir solche Bilder nicht wiedersehen müssen.“ Sie mahnte Vernunft am Steuer an und ein couragiertes Auftreten als Beifahrer: „Schweigt nicht. Traut euch zu sagen: ,Ey, du fährst zu schnell!’“

Die Geschichte von Unfallopfer Axel Augustin verdeutlichte, dass unvernünftige Fahrer auch das Leben Unschuldiger riskieren. Der Ratinger war auf dem Heimweg von der Arbeit, als ein Porsche frontal auf sein Auto zusteuerte. Am Steuer: Ein Fahranfänger, der den Wagen seines Vaters ohne dessen Wissens geliehen hatte. Der Freund des Unfallfahrers, Beifahrer im Porsche, wurde auf die Straße geschleudert. Noch heute erinnert ein Kreuz an seinen Tod.

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