In der Stadt gibt es viele Angebote von Ehrenamtlern für Flüchtlinge. Doch die Resonanz bleibt häufig einfach aus.

Ehrenamtliche Helfer organisieren zum Beispiel häufig Sprachkurse für Flüchtlinge. Symbol
Ehrenamtliche Helfer organisieren zum Beispiel häufig Sprachkurse für Flüchtlinge. Symbol

Ehrenamtliche Helfer organisieren zum Beispiel häufig Sprachkurse für Flüchtlinge. Symbol

Archiv/dpa

Ehrenamtliche Helfer organisieren zum Beispiel häufig Sprachkurse für Flüchtlinge. Symbol

Velbert. In Langenberg bieten 15 pensionierte Lehrer ehrenamtlich Deutschunterricht für Flüchtlinge an. Zum ersten Treffen kamen 25 Lernwillige, doch kurze Zeit später ließ sich kaum noch jemand blicken. Ein Ehrenamtler berichtete diese Geschichte jüngst bei einer Flüchtlings-Podiumsdiskussion der Velberter CDU (siehe Kasten) und zeigte sich fassungslos: „15 Lehrer, das ist doch ein ungenutzter Schatz, den wir da haben. Aber die Bereitschaft kontinuierlich teilzunehmen geht gegen Null.“

Direkt bei Null gestartet ist auch das Flüchtlingscafé von den Frauen des Teams Waldschlößchens, zu dem zum Start überhaupt niemand von der Zielgruppe aufschlug. Dabei leben derzeit rund 1200 Flüchtlinge in Velbert.

Einige können mit dem Begriff „Freizeitaktivität“ nichts anfangen

Warum läuft das Engagement manchmal ins Leere? Der städtische Flüchtlingskoordinator Timo Schönmeyer kennt die vielfältigen Ursachen. Eine ist die Nachwirkung des Fluchttraumas. „Viele Flüchtlinge haben erst einmal mit sich zu tun“, weiß der städtische Mitarbeiter. Wenn es um Freizeitangebote geht, liege auch oftmals die Priorität der Asylbewerber an anderer Stelle. „Viele wollen schnellstmöglich eine Wohnung finden. Nicht jeder möchte in dieser Situation zu einem Kaffee-Nachmittag gehen“, sagt Schönmeyer.

Spiel, Sport, Kunst und interkultureller Austausch – geschätzte 500 aktive ehrenamtliche Helfer reichen den Gästen in Velbert die Hand. Doch die wissen manchmal gar nichts damit anzufangen. Schönmeyer erinnert daran, dass einige Flüchtlinge mit dem Begriff „Freizeitaktivität“ gar nichts anfangen können, weil sie es einfach nicht kennen, freie Zeit zu haben. „Es ist manchen schwer zu vermitteln, dass man sich hier einfach mal zum Kaffeetrinken trifft.“ Eine Verabredung für die nächste Woche halten Flüchtlinge oft nicht ein. „Man muss die Menschen zeitnah ansprechen, am besten eine Stunde vorher, und sie dann abholen“, sagt der Koordinator.

Nicht selten treffen Angebot und Nachfrage jedoch nicht zusammen, weil es an der Schnittstelle zwischen Stadt und Ehrenamt quietscht. Bislang gibt es nur zwei Sozialarbeiter, deren Aufgabe es unter anderem ist, die Anliegen der Flüchtlinge ans Ehrenamt zu tragen. Klar ist: Bei dieser Zahl läge die Integrationsarbeit brach, wenn nicht längst freiwillige Helfer der unzähligen Initiativen des Stadtgebiets wie etwa die Integrationshilfe Langenberg, die Flüchtlingshilfe Velbert oder die diversen Kirchengemeinden und Wohlfahrtsverbände direkt in die Unterkünfte gehen würden, um ihre Sache bekanntzumachen.

In der Zukunft wird das nicht leichter, denn die Stadt setzt auf die Verlagerung von großen Unterkünften in angemietete Wohnungen. Timo Schönmeyer weiß: „Dort sind die Menschen nicht mehr so greifbar.“ Gleichzeitig will Velbert aber das Personal aufstocken. Sechs weitere Sozialarbeiter sollen spätestens zum Sommer eingestellt werden und ihre Aufgaben direkt aus den Wohlfahrtsverbänden heraus erledigen. Schönmeyer sagt: „Das Ziel ist, eine Quote von 1 zu 100 Flüchtlingen zu erreichen.“

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