Erst mixten die Schneiders ihre Farben heimlich, jetzt genießen sie das Rampenlicht.

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Tanja Schneider wagte den Sprung in die Selbstständigkeit – mit Erfolg.

Tanja Schneider wagte den Sprung in die Selbstständigkeit – mit Erfolg.

Simone Bahrmann

Tanja Schneider wagte den Sprung in die Selbstständigkeit – mit Erfolg.

Jahrelang mussten Tanja und Klaus Schneider die vielleicht größte Errungenschaft ihres Lebens geheim halten. Kaum einer wusste, dass das UV-Gel, mit dem Menschen auf der ganzen Welt ihre falschen Fingernägel bepinseln, in Neviges hergestellt wird. Eine unerzählte Erfolgsgeschichte. Bis heute.

„Dieses Geheimnis hat mich wahnsinnig gemacht“, berichtet Tanja Schneider (42), die sich sogar auf Messen in Hinterzimmern mit den großen Kosmetikfirmen treffen musste. In der Branche sei es verpönt, sich als Produzent erkennen zu geben. Der Endkunde soll nicht wissen, dass unzählige Labels ihr Nagel-Gel nur von einer kleinen Gruppe Hersteller beziehen. Schneider sagt: „Es gibt weltweit rund 15 Gel-Produzenten – das war’s.“

„Es gibt keine Rezepte, alles ist geheim“

Vor sechs Jahren starteten die Eheleute Schneider ihr Abenteuer. Als Hersteller von UV-Gel fängt man bei Null an. „Es gibt keine Rezepte, alles ist geheim“, sagt Tanja Schneider. So haben sich die Unternehmer zunächst einige bekannte Rohstoffe liefern lassen und ausprobiert. Ein Chemiker aus dem Bekanntenkreis habe sie unterstützt. „Wir sind ein sehr hohes Risiko eingegangen“, so die Velbertin. Doch das Experimentieren führte zum Erfolg. Noch heute weiht Klaus Schneider (47) niemanden in die geheime Rezeptur ein, die dem Gel aus Velbert seine einzigartige Honig-Konsistenz verleiht. „Noch nicht mal meine Frau kennt die Rezeptur“, sagt der gelernte Techniker und grinst.

Der Erfolg ließ nicht lange auf sich warten. Schnell verkaufte das Ehepaar nach eigenen Angaben rund 12 Tonnen Gel im Jahr und entwickelte 1200 eigene Rezepturen für künstliche Nägel aller erdenklicher Farben und Beschaffenheit. „Wir haben zwei Millionen Euro Umsatz im Jahr gemacht“, berichtet Klaus Schneider.

Das zunächst völlig unbekannte Unternehmen beschäftigte in den besten Zeiten 20 Angestellte und hatte über diverse Marken eine globale Reichweite von Brasilien bis Dubai. Doch dann änderte sich der Markt. „Der wirtschaftliche Druck wurde größer. Konkurrenz aus Polen drückte den Preis“, erklärt Tanja Schneider.

Vom Schattendasein zum erfolgreichen Direktvertrieb

Diese Entwicklung, zusammen mit dem Bedürfnis der Schneiders endlich aus dem unternehmerischen Schattendasein zu treten, führte zur Geburt von „Moritz Cosmetics“ – benannt nach dem gemeinsamen Sohn.

„Wir haben den Schritt in die Öffentlichkeit gewagt und bietet jetzt eine eigene Marke an“, sagt die Inhaberin. Die Firma ist seither geschrumpft – das Glück der Unternehmer aber gewachsen. Inzwischen macht der Direktvertrieb 60 Prozent des Umsatzes aus. Die Kunden kommen von weit her, um sich in Neviges mit den Trend-Farben einzudecken.

Tanja Schneider genießt den Kult, der sich um ihre Gels entwickelt hat: Frauen stehen vor den unzähligen bunten Töpfchen wie Kinder im Bonbonladen. Bei Facebook zeigen sie ihre Lieblingsfarben oder ausgefallene Kreationen mit kunstvoller Bemalung und Strass-Steinen. Wenn Tanja Schneider das sieht, strahlt sie: „Das ist jetzt meine Bestätigung.“

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