Um den Kalkabbau in der Stadt zu sichern, möchten die Belgier Kreisstraße, Anger und Bahntrasse verlegen. Die Grünen stimmten als einzige Fraktion dagegen.

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Kalkabbau in Wülfrath.

Kalkabbau in Wülfrath.

Daniel Neukirchen

Kalkabbau in Wülfrath.

Wülfrath. Es sind große Eingriffe in Landschaft und Verkehrsstruktur, die Lhoist (ehemals Rheinkalk) plant, um den Abbaustandort Wülfrath auch in der Zukunft zu sichern. 650 Arbeitsplätze stehen am Standort Flandersbach auf dem Spiel. Und: Nach Angaben des belgischen Unternehmens waren die bisherigen Schätzungen, dass noch mindestens 35 Jahre Kalk abgebaut werden kann, zu positiv. Ändert sich nichts, gehen laut Lhoist spätestens in 23 Jahren die Lichter aus.

Im Idealfall will Lhoist bis 2055 in Wülfrath aktiv sein

Um das zu verhindern, hat sich jetzt der Rat zusammen mit der Stadtverwaltung klar für eine Änderung des aktuellen Regionalplan-Entwurfs ausgesprochen. Würde dieser nämlich so beschlossen werden, dann würde der Bereich Pfeiler Prangenhaus nicht für die Kalksteingewinnung genutzt werden können. Doch genau dort soll sich der Abbau fortsetzen. Das Unternehmen schätzt, dass sich bis etwa 2055 Rohstoffe in Wülfrath abbauen lassen. CDU-Fraktionschef Axel Effert machte sich für die Pläne und eine Stellungnahme der Stadt gegenüber der Bezirksregierung stark: „Dieser Rat steht hinter Rheinkalk. Hiervon können Unternehmen und Stadt profitieren.“ CDU-Kollege Walter Brühland war da etwas zurückhaltender mit der Zustimmung: „Wir müssen auch kritisch hinterfragen, was das Unternehmen vorhat.“ Besonders die Verlegung der Kreisstraße sei ein sensibeles Thema. „Ich befürchte, dass der Einkaufsweg für die Rohdenhauser nach Wülfrath zu lang wird“, sagte Brühland. Lhoist plant bekanntlich die Verlegung der Flandersbacher Straße (K34) nach Osten. Dort könnte dann nach Vorstellungen von Lhoist auch eine potenzielle neue Eisenbahntrasse entstehen. Die bestehenden Schienen der Angertalbahnstrecke müssten weichen.

Stellungnahme der Stadt enthält auch weitere Änderungswünsche

Die Grünen hoben als einzige Fraktion nicht die Hand für die Stellungnahme der Stadt zum Regionalplan, die neben dem Einspruch zu Lhoist auch weitere Änderungswünsche erhält. So soll etwa am Metzgeshauser Weg wieder ein „allgemeiner Siedlungsbereich“ hergestellt werden und der Ortsteil Düssel ebenso zum Siedlungsbereich werden, um der Stadt planerisch mehr Optionen einzuräumen.

Die Grünen hingegen möchten so viele Grünzüge wie möglich erhalten. „Im Zuge der Generationsgerechtigkeit wollen wir Grüne in Wülfrath ausreichend Freifläche für Landwirtschaft und Natur unseren Nachkommen hinterlassen“, heißt es in einer Mitteilung der Fraktion. Besonders die Erweiterung der Kalkabbaugebiete sehe man äußerst kritisch. „Hier stehen Arbeitsplätze für die nächsten 35 Jahre dem Verlust der Bahntrasse und Naturflächen gegenüber.“ Fraktionschef Stephan Mrstik führte in der jüngsten Ratssitzung aus: „Bei der Stadt kam das Für und Wider gar nicht zum Tragen. Uns fehlt etwa das Abwägen in Sachen Bahntrasse.“ Der Entscheidungsprozess ist noch ganz am Anfang. Derzeit befindet sich der Regionalplan in der Phase der Öffentlichkeitsbeteiligung. Selbst wenn die Bezirksregierung die Anregungen aus Wülfrath nicht berücksichtigt, hat Lhoist noch die Chance, ein Änderungsverfahren anzustreben.

Foto: Archiv/Red

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