Am Diakonissenweg leben 13 Jugendliche aus Syrien und Afghanistan, die ohne ihre Eltern in Deutschland angekommen sind. In ihren Wohngruppen wird gekocht und gelacht, aber auch das Trauma der Flucht aufgearbeitet. Das Ziel der Gruppe ist ein geregelter Alltag.

Rita Dittmer spielt mit Faramoz, Musa und Idris (v.l.) auch schon mal Karten.
Rita Dittmer spielt mit Faramoz, Musa und Idris (v.l.) auch schon mal Karten.

Rita Dittmer spielt mit Faramoz, Musa und Idris (v.l.) auch schon mal Karten.

Dietrich Janicki

Rita Dittmer spielt mit Faramoz, Musa und Idris (v.l.) auch schon mal Karten.

Wülfrath. 15 Minuten. Und nur nach Rücksprache mit dem Betreuer. Die Playstation in der Wohngruppe für minderjährige Flüchtlinge ist heiß begehrt und die Spielzeiten scharf rationiert. Das oberste Ziel in der sogenannten „Clearing“-Gruppe, die es seit Ende Januar bei der Bergischen Diakonie Aprath gibt, ist eben der geregelte Alltag. „Die Jugendlichen haben hier eine klare Tagesstruktur. Sie haben Deutschunterricht, kochen gemeinsam und gehen fast alle bereits zur Schule – aufs Gymnasium Wülfrath in die Integrationsklasse“, berichtet Klaus Schmitt, Abteilungsleiter der Jugendhilfe Aprath. In zwei Wohngruppen und zwei Einzelappartements leben derzeit 13 Jugendliche im Alter zwischen 13 und 17 Jahren, die nach ihrer Flucht ohne erwachsene Begleitung in Deutschland ankamen. Sie alle haben einen Vormund, die Jüngeren werden in ihrer Gruppe rund um die Uhr betreut, während die Älteren zumindest nachts unter sich sind.

Schlaflosigkeit ist keine seltene Erscheinung

Die Wohngruppen sind ihre erste echte Auffangstation. Die Fluchtgeschichte wird aufgearbeitet, der Bildungsstand geklärt, die Perspektiven für den Aufenthalt durchdacht – es gibt viel zu tun. Gruppenleiterin Rita Dittmer weiß: „Es gibt Jungen, die noch gar nicht angekommen sind, weil sie durch die Flucht traumatisiert sind.“ Schlaflosigkeit ist keine Seltenheit am Diakonissenweg.

Trotzdem: Es wird auch viel gelacht in der Wohngruppe. Für Said Daoud (16) ist es ein aufregender Tag. Nach sechs Monaten hat er seinen 17-jährigen Bruder wiedergesehen, der bislang in Bonn untergebracht war und mit dem er ab sofort zusammenleben darf. Der junge Afghane strahlt. Er kam vor fast einem halben Jahr in einer großen Fluchtgemeinschaft nach Deutschland und wurde von einigen Familienmitgliedern getrennt. „Hier ist alles sehr schön. Ich mag die Schule und fahre gerne Fahrrad“, kann er auf Deutsch sagen. Was er sich für die Zukunft wünscht? Da muss er sein Handy zücken, das ihm noch, ebenso wie seinen Betreuern, bei der Übersetzung hilft. Schon nach wenigen Sekunden liest er die Antwort vom Display ab: „Ich möchte Jura studieren.“

Bis dahin ist es noch ein langer Weg. Erst muss bei jedem der Jungen – sie stammen allesamt aus Syrien oder Afghanistan – geklärt werden, wie es nach den drei bis sechs Monaten in der Auffang-Wohngruppe weitergeht. Können sie zu ihren eigenen Verwandten? Findet sich eine Pflegefamilie? Sind Sie selbstständig genug, um unter Betreuung allein zu leben? Diese Fragen müssen geklärt werden. Said Daoud und seine Mitbewohner machen einen aufgeräumten Eindruck. Betreuerin Kirsten Mesch war ganz überrascht, als die Jungen plötzlich selbst einen Plan für das Spülen und Staubsaugen aufgestellt hatten. Sie sagt: „Das ist nicht vergleichbar mit dem, was wir normalerweise aus der Jugendhilfe gewöhnt sind.“

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