Renate Weisemann verabschiedet sich vom Café Schwan und übergibt das Lokal, das sie zehn Jahre lang geführt hat, an Elke Kuchta.

Renate Weisemann übergibt das Café Schwan in neue Hände.  Archiv
Renate Weisemann übergibt das Café Schwan in neue Hände. Archiv

Renate Weisemann übergibt das Café Schwan in neue Hände. Archiv

Dietrich Janicki

Renate Weisemann übergibt das Café Schwan in neue Hände. Archiv

Wülfrath. Am Ende wurde sie dann doch ein wenig sentimental. Und bei der Verabschiedung durch Kollegen und Stammgäste flossen Tränen. Nach zehn Jahren hat Renate Weisemann heute ihren letzten Arbeitstag im Café Schwan. „Natürlich ist die Wehmut groß“, bekennt die Neu-Pensionärin. „In den vergangenen zehn Jahren habe ich das Lokal aufgebaut“, jetzt zu gehen, „tut auch weh“. Einzig den Stress rund ums Geschäft wird sie „sicher nicht vermissen“. Allerdings denkt sie rückblickend wenig an Stress. „Ich hatte in den vergangenen Jahren riesigen Spaß und vor allem Freude“, an der Arbeit, an den Besuchern, die sie eben nie als Arbeit gesehen hat, weil sie so gerne Gastgeberin war – und dem Drumherum wie Lesungen und Ausstellungen.

In einem bekannten Unternehmen arbeitete sie als Chefsekretärin

Zur Kaffeehausbesitzerin wurde sie quasi zufällig. Dem eigenen Grundsatz folgend, „nicht lange reden. Sondern es tun“, eröffnete die inzwischen Endsechzigerin 1996 das Café Schwan. Von ihrem bis dahin ausgeübten Job als Chefsekretärin in einem bekannten Unternehmen, das alljährlich eine Familienmanagerin kürt, hatte sie damals genug. „Eigentlich wollte ich ein Weinlokal aufmachen.“ Denn erstens ist die Mutter von zwei Töchtern Weintrinkerin und zweitens war das so etwas wie eine Angebotslücke. „Es gab so ein Lokal nicht. Aber ich bin kein Nachtmensch.“ Die Offerte, das Lokal im Haus aus dem 17. Jahrhundert an der Schwanenstraße zu übernehmen, war perfekt.

Ihre Nachfolgerin übernimmt das erfolgreiche Gastronomiekonzept

Als Erstes prüfte sie, was für Mitbewerber es gibt: zwei Eissalons. „Daraus ließ sich etwas machen.“ Und weil die gebürtige Elberfelderin, deren Herz „leidenschaftlich fürs malerische Wülfrath, eine süße Stadt“ schlägt, kurz zuvor an anderer Stelle das Konzept einer funktionierenden Cafeteria umgesetzt hatte – in der Schulmensa am Gymnasium Bayreuther Straße in Wuppertal – klaute sie bei sich selbst die besten Ideen. Und kopierte sie fürs Café. Ein Erfolgsmodell, das Nachfolgerin Elke Kuchta dem Vernehmen nach weitestgehend übernehmen will.

Veranstaltungen wie die Kinofilme fürs Ohr mit Josef Schoenen werden beispielsweise fortgesetzt. „Er hat mir schon verraten, dass sich beim nächsten Abend um einen weltberühmten Detektiv und seine Fälle drehen wird“, verweist Neu-Schwänin auf einen Termin im Februar. Eine Veranstaltung, auf die sich auch Renate Weisemann freut. „Endlich werde ich auch mal entspannt sitzen können, um zuzuhören.“ Allerdings müsse sie diese Art des süßen Nichtstuns erst einmal lernen.

Überhaupt will sie Wülfrath nicht aus den Augen verlieren. Zwar lebt sie in Wuppertal, aber jeden Dienstag führt ihr Weg weiterhin in die Kalkstadt. Dann nämlich findet in ihrem Ex-Café ihr Frauenstammtisch statt. Vier Frauen, alle in „einer Altersklasse“, wie sie sagt, treffen sich, um über die Dinge des Lebens, nächste Ausflüge und den traditionellen einwöchigen gemeinsamen Urlaub zu plaudern. Irland steht ganz oben auf der Reisezielliste für de Eheleute Weisemann. „Vielleicht reisen wir im kommenden Jahr wieder dort hin.“ Zeit hat sie nun endlich, „da hat mein Mann auch mal wieder mehr von mir“. Ebenso wie ihr Garten, um den sie sich zukünftig mehr kümmern möchte. „Nun werde ich viel mehr Ruhe haben. Das kenne ich nicht. Aber ich freue mich darauf.“

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