Die Idee, dass ein Abiturjahrgang das Schulbüdchen führt, entstand aus der Not heraus. Doch das Projekt läuft gut.

Die Idee, dass ein Abiturjahrgang das Schulbüdchen führt, entstand aus der Not heraus. Doch das Projekt läuft gut.
Franziska Klünner übernimmt die Kiosk-Leitung von Lennart Kiep.

Franziska Klünner übernimmt die Kiosk-Leitung von Lennart Kiep.

dj

Franziska Klünner übernimmt die Kiosk-Leitung von Lennart Kiep.

Wülfrath. Der Gong hat zur fünften Stunde geschlagen und die Mensa am Gymnasium leert sich. Im Kiosk nutzen die Schüler die Gunst der Stunde: Ausgestattet mit Besen, Lappen und Eimern putzen sie das „Büdchen“. „Die Reinigung gehört zu unseren Aufgaben“, erklärt Franziska Klünner. Seit einem Monat ist die 17-Jährige die neue Geschäftsführerin – nach den Weihnachtsferien war Staffelübergabe. Zuvor wurde der Schulkiosk von dem Abiturjahrgang unter der Leitung von Lennart Kiep geführt. Nun sind die neuen Q1-Schüler an der Reihe.

Dass die Schüler ihren eigenen Kiosk führen, ist aus der Not heraus entstanden. Ende 2014, als die ehemalige Betreiberin den Kiosk aus gesundheitlichen Gründen aufgeben musste, war das Ende nahe. Den Kiosk zu schließen kam nicht in Frage: Kurzerhand wurde der gemeinnützige Verein „SchuKi“ gegründet und wurde ein Projekt: „Das Geniale daran ist, dass die Schüler den Kiosk eigenverantwortlich betreiben und dabei in Kontakt mit betriebswirtschaftlichen Strukturen kommen“, sagt Stefanie Reuter, Vorsitzende des Trägervereins, die den Schülern bei Fragenunterstützend zur Seite steht.

Trotz weniger Mitarbeiter hat der kleine Laden weiterhin in den Pausen und Freistunden für die Schüler geöffnet: Frisch belegte Brötchen, Getränke und Süßigkeiten wandern über die Theke. „Jeder kommt zu seiner Schicht und die Dienste werden eingehalten“, lautet die Zwischenbilanz, die Klünner nach dem ersten Monat zieht.

„Die Aufgabe schweißt die Stufe als Mannschaft unglaublich zusammen.“

Lennart Kiep, Geschäftsführer

In den ersten Wochen sei es hauptsächlich darum gegangen, die Schülergruppe und die noch ungewohnten Aufgaben zu organisieren. Und die sind Vielfältig: Neben dem reinen Verkauf, zählen die Jungen und Mädchen die Bestände, schreiben Einkaufslisten, fahren am Wochenende zum Großmarkt nach Düsseldorf und setzen sich mit der Buchhaltung auseinander. Unterstützt werden sie dabei von Eltern. Bevor das neue Kioskjahr begann, haben sich Klünner und ihre Mitarbeiter mit dem vorigen Jahrgang getroffen. Der konnte ihnen einige Tipps geben. So erinnert sich auch der ehemalige Geschäftsführer Lennart Kiep daran, dass der Anfang nicht leicht war. Dennoch verlief das weitere Jahr erfolgreich:

„Wir haben gute Umsätze gemacht“ sagt er. Der Erlös kommt zu einem Teil der Unterstützung des Abiturjahrgans zu Gute, fließt aber auch in andere Projekte: „Wir haben im vergangenen Jahr zum Beispiel Stehtische für die Mensa gekauft“, erzählt Lennart Kiep. Darüber hinaus haben sie eine Gesundheitsförderung begonnen und auch Reparaturleistungen müssen die Schüler selbst bestreiten. Im Jahrgang von Klünner ist eine Kaffeemaschine kaputt gegangen – auch dafür müssen sie Geld einplanen: „Die Schüler übernehmen solche operativen Geschäfte weitgehend selbstständig“, sagt Schulleiter Joachim Busch..

Sie haben freie Hand bei der Gestaltung ihres Angebots. Lennart Kiep hat mit seinem Jahrgang einige neue Süßigkeiten und Mehrkornbrötchen an die Kiosktheke gebracht. Nach einer Umfrage unter den Schülern haben sie sich auch dafür entschieden, Smoothies anzubieten. Denn: Eine genaue Marktforschung von Angebot und Nachfrage sei wichtig.

Einiges möchten Künning und ihr Team vom Vorjahrgang übernehmen, aber auch neue Projekte sind geplant. „Wir werden mal sehen, welche Anregungen wir beim Einkaufen bekommen“, sagt die 17-Jährige. Besonders interessant finde sie es, durch das Projekt einen Einblick in Buchhaltung und Steuern zu bekommen. Ein BWL-Studium plane sie aber nicht. So erging es auch ihrem Vorgänger: Kiep begeisterten die betriebswirtschaftlichen Kenntnisse am meisten. Den Eindruck bestätigt Reuter: „Die Aufgabe schweißt die Stufe als Mannschaft unglaublich zusammen.“

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