Bei einer Führung des Fördervereins stellt Gerd Haun die Vergangenheit des Schlosses Hardenberg vor.

Schloss Hardenberg wacht eingerüstet im Hintergrund über die Besuchergruppe, die an der Führung des Vereins der Freunde und Förderer des Schlosses teilnahm.
Schloss Hardenberg wacht eingerüstet im Hintergrund über die Besuchergruppe, die an der Führung des Vereins der Freunde und Förderer des Schlosses teilnahm.

Schloss Hardenberg wacht eingerüstet im Hintergrund über die Besuchergruppe, die an der Führung des Vereins der Freunde und Förderer des Schlosses teilnahm.

Simone Bahrmann.

Schloss Hardenberg wacht eingerüstet im Hintergrund über die Besuchergruppe, die an der Führung des Vereins der Freunde und Förderer des Schlosses teilnahm.

Neviges. Bis zum Dach ist Schloss Hardenberg zurzeit eingerüstet, wartet auf die Fortsetzung der Sanierung.

Damit die alte Wasserburg nicht aus dem Fokus der Öffentlichkeit gerät, hat der Schlossförderverein jetzt wieder einen Rundgang um das Gebäude angeboten. Rund 30 Besucher ließen sich von Lokalhistoriker Gerd Haun in die bewegte Geschichte des jahrhundertealten Herrensitzes einführen.

Im Jahre 1354 wurde das Schloss für 6000 Brabanter Mark verkauft

Dabei ist über die ersten Herrscher der Region wenig bekannt. Etwa Mitte des neunten Jahrhunderts wird den Hardingern die Alte Burg auf halber Strecke nach Tönisheide zugeschrieben: „Mit 40 mal 45 Metern Grundfläche eine relativ kleine Anlage“, sagte Gerhard Haun, der die immer wieder kursierende Geschichte vom Tunnel zwischen Burg und Schloss ins Reich der Legenden verwies. Letzteres soll um 1250 entstanden sein.

Schriftlich verbürgt ist erst der Verkauf des „Hauses zu Hardenberg“ – die Bezeichnung „Schloss“ kam Ende des 14. Jahrhunderts auf – im Jahr 1354 an den Grafen von Berg zum Preis von 6000 Brabanter Mark. Ebenso ein Umbau für 800 Gulden im Jahre 1491: „Die noch erkennbaren Reste der Kragsteine zeigen, dass das Gebäude einmal Ecktürme besaß“, sagte Haun.

Von einem Wassergraben umgeben und mit Schildmauern zwischen den heute noch vorhandenen vier Wehrtürmen war die Wasserburg, obwohl im Tal gelegen, wohl gut zu verteidigen, weil schwer erreichbar: „Damals führten alle Wege über die Höhen. Die heutige Bernsaustraße als Verbindung nach Langenberg entstand erst 1825.“ Einen gewaltigen Einschnitt brachte ein Feuer am 13. Mai 1785, das große Teile des Gebäudes in Schutt und Asche legte. Erst dann erhielt das Schloss seine heutige Gestalt mit dem typischen Mansarddach.

Die Nutzung in der Neuzeit ist vielfältig

Nach etlichen Anläufen, eine Nutzung für das Schlossensemble zu finden, ist jetzt ein Museum für Rheinische Alltagsgeschichte geplant. Als planerische Sündenfälle bezeichnete Gerd Haun die gescheiterten Versuche, die Musik- und Kunstschule in dem Ensemble anzusiedeln bzw. ein Hotel mit Tiefgarage neben dem Schloss zu plazieren.

Letzte herrschaftliche Bewohnerin war bis 1896 Clothilde von Wendt, die nach ihrem Tode 1912 auch als letzte in der heutigen Pfarrkirche St. Mariä Empfängnis bestattet wurde. 1903 pachtete ein Gastwirt das Anwesen, bot Tanz im Rittersaal, eine Gartenschänke und Ruderbootfahren auf dem Mühlteich an – heute Schlosswiese und Pilgerparkplatz.

1939 verkaufte der letzte adelige Eigentümer, Graf von Wladimir Marchant und Ansembourg, erst das Schloss, 13 Jahre später auch die Ländereien an die Stadt Neviges. Im Zweiten Weltkrieg Außenstelle des Essener Postscheckamtes, richtete die Pfadfinderschaft St. Georg 1947 ein Jugend- und Lehrlingswohnheim in dem Herrensitz ein.

In den 1960er-Jahren umfangreich saniert, war das Schloss nach 1975 kulturelle Begegnungsstätte mit Konzerten und Kunstausstellungen sowie Sitz des Stadtarchivs, bis es im Oktober 2003 wegen erheblicher Bauschäden geschlossen werden musste.

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