Christian Halsband besitzt 12 000 Platten – hauptsächlich mit Musik aus den „Goldenen 20ern“.

Christian Halsband präsentiert stolz seine Lieblingsscheiben.
Christian Halsband präsentiert stolz seine Lieblingsscheiben.

Christian Halsband präsentiert stolz seine Lieblingsscheiben.

Simone Bahrmann

Christian Halsband präsentiert stolz seine Lieblingsscheiben.

Velbert. Acht Jahre ist es her, da entdeckte Christian Halsband auf einem Wuppertaler Trödelmarkt ein paar alte Schellackplatten. Er nahm sie mit, und eine Leidenschaft begann. Mittlerweile platzt sein Archiv aus allen Nähten, regalweise stapeln sich die „alten Schätzchen“ im Haus des 47-jährigen Langenbergers. Über 12 000 Platten nennt er sein Eigen, hauptsächlich mit Musik der 1920er- und 30er-Jahre.

„Ich lebe schon im Hier und Jetzt und bin nicht völlig abgehoben“

Christian Halsband

Die schwarzen Scheiben legt er sogar bei Veranstaltungen in Essen und Wuppertal, in Altenheimen oder bei privaten Parties auf. Mit flottem Swing und Jazz – Musik, die im Nationalsozialismus verboten war – bringt Christian Halsband gar so manches Tanzbein zum schwingen, auch wenn die meisten Gäste erstmal erstaunt sind über die ungewöhnlichen Klänge.

Viele Besucher fragen den „Discjockey“, wo man solche Musik nach der Veranstaltung noch einmal hören kann. Deshalb würde er gerne ein regelmäßiges Treffen veranstalten, eine „Schellack-Party“ oder auch ein Sonntagscafé mit musikalischer Untermalung. Noch ist er auf der Suche nach geeigneten Partnern.

Die Anfänge seiner Liebhaberei gehen zurück in seine Kindheit. „Meine Oma hatte eine alte Kuba-Truhe mit Plattenspieler. Damals interessierte mich vor allem die Technik“, erinnert sich Halsband. Die Authentizität der Aufnahmen, die live eingespielt und eins zu eins aufgenommen wurden und weniger steril klingen als Studioaufnahmen von heute. Dazu kam schnell das Interesse an der Zeit, in der diese Platten gespielt wurden. Halsband ist Nostalgiker, der das Bild der vergangenen Zeit, vor allem der großen Revuen des Berlins der 20er Jahre, nachempfinden möchte. „Aber keine Sorge, ich lebe schon im Hier und Jetzt, bin nicht völlig abgehoben“, fügt er schmunzelnd hinzu.

Momentan arbeitet der Sammler an einer aufwändigen Dokumentation

Durch seine Leidenschaft hat er sich viel Wissen über die damalige Zeit angeeignet. Momentan arbeitet er an einer Dokumentation mit dem Arbeitstitel „Vergöttert, Vergast, Vergessen“, in der er das Leben und Wirken von jüdischen Musikern der 1920er-Jahre aufbereiten will, die später von den Nazis geächtet wurden.

1896 erfand der Deutsche Emil Berliner die Schellackplatte.

Berliner nutzte eine hauptsächlich aus Schellack gepresste Form statt dem üblichen Hartgummi, um darauf Schallwellen durch eingepresste Rillen festzuhalten. Die Platten sind zehn oder zwölf Zoll groß.

Der Klang wurde früher per Grammophon mit einer Nadel und Klangtrichter hörbar gemacht. Halsband verwendet zum Abspielen einen umgebauten Plattenspieler. Interessenten für Veranstaltungen können sich bei ihm unter Telefon 02052/81 33 00 melden oder ihm eine Mail schicken.
musikfreund1930@yahoo.de

In Deutschland gibt es laut Halsband nicht mehr viele Sammler. Er selbst ist auch eher ein Liebhaber. Wichtig ist, dass ihm die Musik gefällt. „Die richtigen Sammler kaufen die Platten, um sie im Archiv stehen zu haben. Ich höre sie mir auch an – täglich.“ Durch Zeitungsanzeigen in ganz Deutschland, Flohmärkte, Tauschgeschäfte und Sammlungsauflösungen kommt der Handwerker an seine Schätzchen.

Lieblingsscheiben hat er viele. Bekannte Künstler wie Zarah Leander oder Heinz Rühmann genauso wie eher unbekannte á la Oskar Dénes und Renate Müller. Herausragend ist für ihn „Die Welt ist klein geworden“ von Dora Gerson.

Laut einem befreundeten Sammlerkollegen ist Halsband der Besitzer von einem der weltweit nur noch zwei erhaltenen Exemplare dieses zeitkritischen Liedes über die Verfremdung der Menschen untereinander. „Das war für mich ein Glücksfall, es ist ein unbeschreibliches Gefühl, diese Platte zu hören.“

Anzeige

 

Leserkommentare (5)


() Registrierte Nutzer