Die Postkarten- Ausstellung „Mit 5 Pfennig in alle Welt“ erinnert an Velbert um 1900.

Museum
„So schön ist Neviges“, das sollte diese mit Blumenmotiven verzierte Postkarte dem Empfänger deutlich machen. Zu sehen sind eine idyllische Stadtansicht, die Elberfelder Straße (links) und der frühere Bahnhof.

„So schön ist Neviges“, das sollte diese mit Blumenmotiven verzierte Postkarte dem Empfänger deutlich machen. Zu sehen sind eine idyllische Stadtansicht, die Elberfelder Straße (links) und der frühere Bahnhof.

Simone Bahrmann

„So schön ist Neviges“, das sollte diese mit Blumenmotiven verzierte Postkarte dem Empfänger deutlich machen. Zu sehen sind eine idyllische Stadtansicht, die Elberfelder Straße (links) und der frühere Bahnhof.

Velbert. Sie waren in alle Welt verstreut und sind nun von ihrer Reise zurück. Ihr Auftrag ist beendet: Sie haben in Bildern und Worten von Velbert erzählt. 240 historische Postkarten haben nach Hause gefunden und sind noch bis zum 6. März in der Ausstellung „Mit 5 Pfennig in alle Welt“ im Schloss- und Beschlägemuseum zu sehen.

Teils aus dem Bestand des Stadtarchivs, aber auch von Privatsammlern trugen Archivar Christoph Schotten, Museumspädagoge Johannes Vorberg und Ideengeber Reiner De Bruyckere die Auswahl zusammen. Die Ausstellung nimmt die Besucher mit auf eine Reise in die Zeit um 1900 durch die ehemals selbstständigen Städte Neviges, Langenberg und Velbert. Und sie weckt Erinnerungen an eine Zeit, in der die E-Mail noch nicht den handschriftlichen Gruß ersetzt hatte.

Die Menschen wollten zeigen: Hier wohne ich, hier lebe ich

Da genießen die Menschen in schicker Sonntagsgarderobe einen warmen Sommertag und paddeln in kleinen Booten über den Schlossteich in Neviges. Die Ecken der Karte sind etwas ausgefranst, die Farben trotz Schwarz-Weiß-Fotografie verblichen, doch die Schrift ist gut zu erkennen: „Gruß aus Velbert“ steht in schnörkeligen Buchstaben auf der Vorderseite. Der Poststempel verrät ein Datum um die 1920er- Jahre. Der Adressat ist unbekannt, doch die Intention deutlich: „Hier, an diesem schönen Fleckchen Erde, wohne ich.“

„Das sind hier keine Urlaubsgrüße. Die Menschen haben aus ihrer Stadt herausgeschrieben, um mitzuteilen wo sie leben, wie sie leben und was an ihrer Heimat so faszinierend ist“, sagt Schotten, der mit der Resonanz zufrieden ist. „Die Ausstellung ist gut angelaufen.“ Gerade die etwas ältere Generation komme gerne, versäume es jedoch nicht, auch die Enkelkinder mitzubringen.

Bei der Besichtigung der Postkarten bleibt es bei den meisten Besuchern nicht. „Der Rest des Museums wird danach auch noch besucht“, sagt Schotten. „Genau so muss es sein.“ Der neu gesetzte Schwerpunkt auf Ausstellungen mit regionalen Themen scheint zu stimmen. Kreativität und Ideenreichtum sind bei knappem Budget Pflicht. Museumsleiter Ulrich Morgenroth: „Wir mussten zahlreiche Kürzungen hinnehmen. Das zu überstehen, funktioniert nur mit viel Eigenleistung.“ Identifikation heißt das Schlüsselwort: „Die Menschen identifizieren sich mit Velbert, und die Bereitschaft, solche Ausstellungen anzunehmen, ist da.“

Besucher können Details mit der Lupe erkunden

Damit die Besucher der Kartenausstellung jedes Detail entdecken können, stellt das Museum Lupen bereit. „Die sind dafür da, um Tante Emma vor ihrem Kleinkrämerladen zu entdecken“, scherzt Morgenroth. Eine Karte von 1905 zeigt einen prächtigen Bau. „Das ist das Velberter Rathaus. Da wünschen sich viele, dass das heute noch so aussehen würde.“ Die älteste Postkarte – sie ist von 1896 – ist eine Lithografie des Velberter Wasserturms. „Damals hat man noch auf die Vorderseite der Karte geschrieben, da Briefmarke und Anschrift so groß waren, dass hinten kein Platz mehr blieb“, erklärt Vorberg. „Häuser waren noch nicht durchnummeriert, und so brauchte es eine genaue Beschreibung.“ Nach 115 Jahren ist auch diese Karte nun wieder zu Hause.

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