Der alte Nevigeser Bahnhof erstrahlt in neuem Glanz. Für die Zukunft kann sich die Familie Sitmalidis eine Nutzung als Musik-Café vorstellen.

Neviges. Ein richtiges Schmuckkästchen ist seit kurzem der alte Bahnhof: Frisch gestrichen erstrahlt die Fassade, das Fachwerk ist tiefschwarz lasiert, Türen und Fenster der alten Wartehalle wurden im Stil der Originalausstattung erneuert – auch die Bahnhofsuhr im turmförmigen Anbau zeigt wieder korrekt die Zeit an. Im Innern sind die Arbeiten noch nicht ganz abgeschlossen, aber auch hier hat sich schon sehr viel getan.

Eigentümer des unter Denkmalschutz stehenden Gebäudes ist Anastasios Sitmalidis, der in dem alten Bahnhof seit 30 Jahren mit Ehefrau Anatoli und Sohn Nikolaos die Gaststätte „Tassos“ betreibt. An einer der ältesten Eisenbahnlinien Deutschlands gelegen, hatte das 1908 eingeweihte Empfangsgebäude an der Bernsaustraße mit dem Ausbau der Strecke zur S-Bahn im Dezember 2003 seine Funktion verloren.

Optik der historischen Vorbilder ist erhalten geblieben

Im Jahr darauf kaufte Sitmalidis den historischen, von der Deutschen Bahn nicht sonderlich gepflegten Bahnhof, und hat seither einiges investiert: So wurden 2010 in der Gaststätte Toilettenanlagen und Küche saniert, und vor einem Jahr nahm sich der 65-Jährige zusammen mit seinem Sohn die Fassade und die ehemalige Wartehalle vor. „Die Fenster waren zum Beispiel nicht mehr zu retten, wie uns ein Gutachter bestätigte“, berichtet der Junior. Sie wurden durch doppelverglaste, neue Fenster ersetzt. Auch die völlig maroden Fensterbänke wurden ersetzt, wobei die Optik der historischen Vorbilder erhalten blieb. Auch die dunkelbraunen Flügeltüren sehen aus wie die Originale, sind aber ebenfalls neu. Vieles musste extra angefertigt werden, weil die Maße, wie bei alten Gebäuden häufig, keinem heute gängigem Standard entsprechen, sagt Nikolaos Sitmalidis.

Fachwerk wurde von der alten Farbe befreit und frisch lasiert

Viel Aufwand war die Überholung des Fachwerks: „Zu Zeiten der Bahn ist das einfach mit Farbe bepinselt worden.“ Jetzt sind die Holzbalken, von der alten Farbe befreit, nicht nur optisch ansprechender, sondern auch fachgerecht wieder mit Lasur gestrichen. Frischer Glanz auch in der Wartehalle: Goldfarben tritt die Struktur der weißen Kassettendecke hervor.

Eher an eine Kirche erinnert der hintere Teil der Halle, rund acht Meter hoch, mit einem Bogengewölbe wie in einem Sakralbau. Was noch fehlt, ist eine Heizung: Zurzeit überlegt die Familie, einen großen Kaminofen zu installieren. Auch die Möblierung fehlt noch. Derzeit stehen Tische und Stühle aus dem Biergarten in der rund 150 Gäste fassenden Halle: „Das Geld will erst mal verdient sein“, sagt Anastasios Sitmalidis, der nicht ohne Stolz auf die zum großen Teil in Eigenregie durchgeführte Sanierung blickt. „Das sollte richtig schön werden, und das ist es jetzt auch. Aber es war viel Arbeit.“

Während über die Entstehung des ersten Nevigeser Bahnhofs heute nichts mehr bekannt ist – er diente noch 70 Jahre bis zum Abriss Anfang 1976 als Wohnhaus – ist für 1906 der Baubeginn und am 15. Juni 1908 die Einweihung des neuen Bahnhofs dokumentiert. Dessen Ära endete Ende 2003 mit dem Umbau der einstigen „Prinz-Wilhelm-Eisenbahn“ zur S-Bahn.

 

Nach dem Bau einer Pferdebahn zwischen Kupferdreh und Nierenhof für den Kohlentransport im Jahr 1831 wurde die Strecke ab 1844 nach Überruhr beziehungsweise über Langenberg und Neviges nach Vohwinkel auf 32 Kilometer verlängert. Sie wurde am 1. Dezember 1847 als eine der ersten dampfbetriebenen Eisenbahnlinien Deutschlands eingeweiht. Erhebliche Bedeutung erhielt die Strecke nicht zuletzt durch die Wallfahrt.

 

Als künftige Nutzung kann Nikolaos Sitmalidis sich gut ein Musik-Café vorstellen: „Kultur im alten Bahnhof – das hätte doch was“, sagt der Nevigeser. Für den 37-Jährigen ist das nach der Wallfahrtskirche wohl am zweithäufigsten fotografierte Gebäude des Ortes zugleich Herausforderung und Lebensaufgabe.

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