Die Wuppertaler Pläne, im Gebiet Kleine Höhe Windräder zu errichten, sieht die Verwaltung aus optischen Gründen kritisch. Velbert selbst ist gefordert, demnächst spezielle Windkraftzonen auszuweisen.

Energie
Windräder werden immer höher und leistungsfähiger. Auch Velbert muss definieren, wo solche Anlagen gebaut werden sollen. Archiv

Windräder werden immer höher und leistungsfähiger. Auch Velbert muss definieren, wo solche Anlagen gebaut werden sollen. Archiv

Andreas Fischer

Windräder werden immer höher und leistungsfähiger. Auch Velbert muss definieren, wo solche Anlagen gebaut werden sollen. Archiv

Velbert/Neviges. Windräder statt Gewerbegebiet: Lange Zeit hatte die Stadt Wuppertal die Absicht, an der Kleinen Höhe Gewerbe anzusiedeln. Diese Pläne sind inzwischen vom Tisch, nun plant der Nachbar den Bau von Windkraftanlagen unmittelbar an der Grenze zu Neviges.

Eine erste Prüfung der Wuppertaler Stadtwerke als potenziellem Betreiber hat zwei denkbare Varianten ergeben: eine Anlage von knapp 180 Metern Gesamthöhe oder zwei Windräder von je 150 Metern Höhe.

Da Velbert bei der fälligen Änderung des Flächennutzungsplanes am Verfahren beteiligt wäre, hat sich jetzt – nach den Bezirksausschüssen – der Umwelt- und Planungsausschuss mit dem Thema befasst.

NRW hat die Genehmigung von Windenergieanlagen erleichtert

Nicht zuletzt durch das veränderte Bewusstsein für erneuerbare Energien nach der Atomkatastrophe im japanischen Fukushima ändern sich derzeit die Rahmenbedingungen: So hat die Landesregierung im vergangenen Sommer einen Erlass zum Ausbau der Windenergie verabschiedet, der die Genehmigung von Windkraftanlagen erleichtert und deren Wirtschaftlichkeit mehr Gewicht zumisst.

Danach wird zum Beispiel auf die Nennung pauschaler Abstände verzichtet, außerdem kann die Höhe eines Windrades nur noch mit besonderer Begründung auf 100 Meter beschränkt werden.

Möglich wäre an der Kleinen Höhe zum einen der Bau von zwei Anlagen mit je 105 Meter Nabenhöhe und einer Gesamthöhe von 150 Meter mit je zwei Megawatt (MW) Leistung und einem Windertrag von etwa 10 900 Megawattstunden (MWh) pro Jahr. Damit ließen sich ein Jahr lang etwa 3100 Haushalte versorgen. Die Alternative wäre eine Einzelanlage mit 138 Meter Nabenhöhe bei 179 Meter Gesamthöhe, einer Leistung von 2,3 bis drei MW und einem Ertrag von etwa 6500 MWh/a – entsprechend dem Jahresstrombezug von etwa 1800 Haushalten.

In Velbert gibt es bereits zwei Windräder: Eines an der Kupferdreher Straße nahe Kupferdreh, das zweite an der Werdener Straße kurz vor Heidhausen.

Bauen nun die Wuppertaler ihre Anlage, hätte das in erster Linie Auswirkungen auf den Bereich „Auf den Pöthen“: Nur 1,5 Kilometer vom Gebiet Kleine Höhe entfernt, wäre wegen der sehr guten Sichtbarkeit das Landschaftsbild erheblich beeinträchtigt, befürchtet die Stadtverwaltung. Sie würde die Windräder kritisch sehen und Bedenken im Planverfahren anmelden.

Gewerbegebiet an der Stadtgrenze zu Neviges wäre aber vom Tisch

Weniger kritisch sehen das die Grünen und die SPD. Volker Münchow (SPD) betrachtet das Wuppertaler Vorhaben mit einem lachenden und einem weinenden Auge: „Die Anlage würde natürlich die Optik stören.“

Andere Beeinträchtigungen etwa durch Schattenwurf oder Lärmemission werde es aber nicht geben. Andererseits wolle man die Windenergie, und schließlich käme damit auch das Gewerbegebiet Kleine Höhe endgültig zu den Akten.

Ohnehin steht Velbert noch eine Diskussion in Sachen Windenergie bevor: Bei der Aufstellung des neuen Flächennutzungsplanes 2020 im Oktober 2009 hatte man die Ausweisung von Konzentrationszonen für Windenergie bewusst ausgeklammert, um einen möglichst breiten politischen Konsens zu erzielen.

In einem im April 2010 eingeleiteten Änderungsverfahren sollten die Zonen nachträglich ausgewiesen werden. Wegen der komplexen Anforderungen bei der Ermittlung möglicher Konzentrationszonen sollen nun Gutachter eingeschaltet werden.

„Mit Erschrecken“ hat Manfred Bolz (CDU) dagegen auf die Vorgabe aus Düsseldorf reagiert, wonach künftig zwei Prozent Fläche des Regierungsbezirks vorrangig für erneuerbare Energien ausgewiesen werden sollen: Das gehe am Machbaren vorbei, so der Ausschussvorsitzende.

Für Velbert hält auch Münchow zwei Prozent nicht realisierbar, sieht aber noch Ausbaupotenzial für Windräder etwa am Pollen, hinter dem Hordtberg oder in Windrath. Allerdings solle Velbert nicht „zugespargelt“ werden.

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