Die Stadt möchte das marode Gebäude für eine halbe Millionen Euro restaurieren – für den Schlossförderverein eine Geldverschwendung.

Blick in den als Werkstatt genutzten Raum im Inneren: Hier könnte sich früher einmal das Mahlwerk befunden haben.  Archiv
Blick in den als Werkstatt genutzten Raum im Inneren: Hier könnte sich früher einmal das Mahlwerk befunden haben. Archiv

Blick in den als Werkstatt genutzten Raum im Inneren: Hier könnte sich früher einmal das Mahlwerk befunden haben. Archiv

Das Mühlengebäude am Schloss Hardenberg bedarf dringend einer Sanierung.

Bahrmann, Bild 1 von 2

Blick in den als Werkstatt genutzten Raum im Inneren: Hier könnte sich früher einmal das Mahlwerk befunden haben. Archiv

Neviges. Früher war die Mühle am Schloss Hardenberg eine Goldgrube für den Müller, heute ist die Immobilie eher so etwas wie ein Millionengrab. So sieht das zumindest der Schlossförderverein. „Das Mühlengebäude sollte das Letzte sein, was am Ensemble restauriert wird“, sagt Heimathistoriker Gerhard Haun. Auch der Fördervereinsvorsitzende Peter Egen hat überhaupt kein Interesse daran, dass für das marode Gebäude Geld in die Hand genommen wird. Doch genau das soll jetzt passieren.

Mit den rund 8,3 Millionen Euro, die zur Hälfte vom Bund und zur Hälfte von der Stadt selbst kommen, möchte die Verwaltung nicht nur das Herrenhaus des Schlosses Hardenberg wieder der Öffentlichkeit zugänglich machen, sondern auch das gesamte Ensemble attraktiv machen. Eine halbe Millionen Euro ist für die Sanierung des Mühlgebäudes aus dem Jahr 1842 vorgesehen. Die Immobilie, in der bis zur Mitte der 2000er Jahre eine Familie als Mieter lebte, ist heute so vom Schimmel befallen, dass KVV-Projektmanager Björn Dröscher wegen der schädlichen Sporen keine Besucher mehr in die Räume lässt. Seit Jahren wird seitens der Stadt nur noch die Verkehrssicherheit gewährleistet. Aber: „Das Denkmalschutzgesetz verpflichtet uns zur Instandhaltung und wir sind jetzt an einem Punkt angelangt, wo wir einen Schritt machen müssen“, erklärt Dröscher.

Historiker Haun befürchtet Kosten von zwei bis drei Millionen Euro

Das Haus soll „nutzungsneutral restauriert“ werden. Dröscher könnte sich am Ende einiges in dem Holzbau mit Außenwänden aus Stein vorstellen. Als Beispiele nennt er eine Gastronomie, eine Galerie für bildende Künste oder eine Büronutzung. „Beschlossen ist bislang noch nichts“, sagt der KVV-Mitgeschäftsführer. Lediglich eine Wohnungsnutzung sei wohl mit dem Veranstaltungsbetrieb rund um Schloss und Vorburg heutzutage nicht mehr vereinbar.

Schlossförderer Peter Egen stellt sich unterdessen eine Lösung vor, bei der die Stadt am Ende gar kein Geld mehr in die Mühle stecken muss. „Wir sollten eine Künstlergruppe – vielleicht aus Wuppertal – finden, die das Gebäude in Eigenregie restauriert und dafür später mietfrei nutzen darf“, schlägt der Vorsitzende vor. Historiker Haun ist besorgt, dass eine Sanierung durch die Stadt unter Berücksichtigung des Denkmalschutzes am Ende „zwei bis drei Millionen Euro“ verschlingen wird. „Ich fürchte, dass das Geld dann beim Herrenhaus fehlt“, sagt er.

Wie genau die „interfraktionelle Lenkungsgruppe“ aussehen wird, die am Ende ein Nutzungskonzept für das Areal erarbeiten wird, das steht laut Dröscher derzeit noch nicht fest. „Es laufen Gespräche.“ Noch im ersten Quartal soll das Gremium jedoch die Arbeit aufnehmen. Wenn es nach dem Schlossförderverein geht, soll die Politik in dieser ersten Findungsphase außen vor bleiben. „Wenn da Vertreter aus allen Fraktionen in einem Gremium sitzen, gibt das riesige Diskussionen, aber keine vernünftigen Ideen“, sagt Peter Egen. Er stellt sich eine Expertenrunde unter dem Vorsitz von Bürgermeister Dirk Lukrafka vor, die mehrere Konzepte erarbeitet, über die zum Schluss erst der Rat abstimmt. Was hält die Verwaltung davon? Dröscher signalisierte der WZ, dass er sich einen Findungsprozess ohne Fraktionen schwer vorstellen kann: „Die Politik an dieser Stelle auszuschließen, wäre paradox.“

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